1910 – 1976
José Lezama Lima
Kurzbiografie↑
Der kubanische Dichter und Essayist José Lezama Lima wurde 1910 in Havanna geboren und starb dort 1976. Er studierte Jura und arbeitete zeitlebens im Kulturbetrieb seines Landes, vor allem aber als Gründer und Herausgeber von Literaturzeitschriften. Die von ihm 1944 gegründete Zeitschrift Orígenes wurde zum Sammelpunkt einer ganzen Gruppe kubanischer Dichter. Sein Roman Paradiso erschien 1966 und liegt seit 1979 auch auf Deutsch vor. Schon sein erster Gedichtband Muerte de Narciso von 1937 zeigte jene barocke Bilderfülle, die für sein gesamtes Werk kennzeichnend blieb.
Biografie↑
Geboren wurde José Lezama Lima am 19. Dezember 1910 in Havanna. Er studierte Rechtswissenschaft und promovierte 1938 zum Doktor der Rechte. Die Literatur begleitete ihn dabei von Anfang an: Bereits 1937 legte er seinen ersten Gedichtband Muerte de Narciso vor, zu Deutsch „Tod des Narziss“.
Prägender als jedes Amt war für ihn die Arbeit an Zeitschriften. Er gründete und leitete nacheinander vier Literaturzeitschriften: Verbum im Jahr 1937, Espuela de Plata 1939, Nadie parecía 1942 und schließlich Orígenes 1944. Die letzte dieser Gründungen hatte besonders großen Nachhall. Um Orígenes bildete sich eine Gruppe kubanischer Dichter, für deren Entstehen die Zeitschrift entscheidend war.
1945 übernahm Lezama Lima die Leitung der Kulturabteilung des Erziehungsministeriums. In diesen Jahren unternahm er auch zwei Reisen: 1949 nach Mexiko und 1950 nach Jamaika.
In den vierziger und fünfziger Jahren erschienen die Gedichtbände, die seinen Ruf begründeten. Auf Enemigo rumor von 1941 folgten Aventuras sigilosas 1945 und La fijeza 1949. Daneben entstand eine umfangreiche essayistische Arbeit. 1938 veröffentlichte er das Coloquio con Juan Ramón Jiménez, 1953 folgte Analecta del reloj. 1957 erschien La expresión americana, das 1992 unter dem Titel Die amerikanische Ausdruckswelt auf Deutsch herauskam. Ein Jahr später legte er die Tratados en La Habana vor, die „Abhandlungen in Havanna“.
Spätestens seit den fünfziger Jahren galt er vielen jungen kubanischen Intellektuellen als eine Art Lehrmeister. Diese Rolle behielt er bis zu seinem Tod.
Nach der kubanischen Revolution von 1959 blieb er im offiziellen Kulturbetrieb tätig. Er wurde Direktor der Literaturabteilung des Nationalrats für Kultur. 1962 machte man ihn zum Vizepräsidenten des kubanischen Schriftsteller- und Künstlerverbands UNEAC. Er forschte am Institut für Literatur und Linguistik und arbeitete für das Kulturinstitut Casa de las Américas. Für Literatur- und Kulturzeitschriften schrieb er in dieser Zeit zahlreiche Artikel.
Der Gedichtband Dador erschien 1960, Islas ein Jahr darauf. 1966 kam sein Roman Paradiso heraus, der 1979 in deutscher Übersetzung erschien. 1970 folgte La cantidad hechizada.
José Lezama Lima starb am 9. August 1976 in Havanna. Oppiano Licario wurde erst im Jahr darauf veröffentlicht; die deutsche Ausgabe erschien 2004 unter dem Titel Inferno. Oppiano Licario.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für sein Schreiben ist eine barocke Vorstellungskraft, die sich schon im Erstling Muerte de Narciso zeigt und in allen späteren Gedichtbänden wiederkehrt. Dazu kommt ein weiter kultureller Hintergrund, aus dem er schöpft. Seine Prosa lässt sich nicht von seiner Lyrik trennen: Beide Bereiche sind bei ihm eng miteinander verbunden.
Woran er sich orientierte, zeigen seine Essays. Er schrieb über Inca Garcilaso de la Vega und über Luis de Góngora, über Paul Valéry und Stéphane Mallarmé. Der spanische Barock und die französische Moderne sind damit die beiden Pole, zwischen denen sich sein eigenes Schreiben bewegt.
Rezeption↑
Auf die moderne kubanische Literatur hat José Lezama Lima stark gewirkt. Ein wichtiger Weg dieser Wirkung führte über die Zeitschrift Orígenes, die er 1944 gründete: Sie war entscheidend für die Entstehung einer Gruppe kubanischer Dichter seiner Zeit. Ab den fünfziger Jahren sahen viele junge Intellektuelle in ihm einen Lehrmeister, und diese Stellung behielt er bis zu seinem Tod.
Im deutschen Sprachraum wurde sein Werk erst spät zugänglich. Der Roman Paradiso erschien 1979 auf Deutsch, dreizehn Jahre nach dem Original. La expresión americana von 1957 kam 1992 unter dem Titel Die amerikanische Ausdruckswelt heraus, Oppiano Licario sogar erst 2004. Alban Nikolai Herbst widmete ihm ein Hörstück mit dem Titel Unsichtbare Ären. 2008 legten William Navarrete und Regina Avila in Valencia den Band Aldabonazo en Trocadero 162 über ihn vor.
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