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Porträt Li Bai
Li Bai
0701 – 0762
– Autorenporträt –

Li Bai

0701 – 0762 · 61 Jahre

Wandernder Dichter der chinesischen Tang-Zeit, der Wein, Mond und Freundschaft besang und neben Du Fu als einer der bedeutendsten Lyriker Chinas gilt.

Kurzporträt

Li Bai (701–762) war ein wandernder Dichter der chinesischen Tang-Zeit. Neben Du Fu gilt er als einer der bedeutendsten lyrischen Dichter Chinas. Geboren als Sohn eines reichen Kaufmanns, durchzog er jahrelang das Land. Für kurze Zeit wirkte er als Hofdichter in der Hauptstadt Chang'an, ehe er wieder ins Wanderleben zurückkehrte. Etwa tausend Gedichte werden ihm zugeschrieben. In ihnen finden Wein und Mond, Freundschaft und Sehnsucht ebenso ihren Platz wie das Erlebnis der Natur. Sein Werk wird häufig mit dem Taoismus in Verbindung gebracht.


Biografie

Über die genauen Lebensdaten besteht in den Quellen keine völlige Einigkeit. Die Deutsche Biographie nennt für Geburt und Tod schlicht die Jahre 701 und 762. Wikidata führt genaue Tagesangaben (19. Mai 701 und 30. November 762). Angesichts der zeitlichen Ferne ist hier Zurückhaltung geboten. Die bloßen Jahresangaben sind die verlässlichere Grundlage.

Li Bai war der Sohn eines reichen Kaufmanns. Sein Geburtsort ist nicht sicher überliefert. Teils werden Orte in der Provinz Gansu genannt, teils Suiye in Mittelasien nahe dem heutigen Tokmok in Kirgisistan, wohin sein Urgroßvater verbannt worden sein soll. Gewisse sprachliche Einflüsse dieser Herkunft lassen sich in seinem Werk nachweisen. Als Li Bai fünf Jahre alt war, zog die Familie nach Jiangyou in der Nähe des heutigen Chengdu in der Provinz Sichuan. Er war konfuzianischen wie daoistischen Einflüssen ausgesetzt. Seine familiäre Herkunft bot ihm jedoch kaum Aufstiegschancen in der Tang-Dynastie. Trotz seines Wunsches, Beamter zu werden, nahm er nicht an den kaiserlichen Beamtenprüfungen teil. Stattdessen begann er mit fünfundzwanzig Jahren, nach Art eines fahrenden Gesellen durch China zu reisen. Dieses Leben kontrastierte stark mit dem Idealbild eines konfuzianischen Edelmanns.

Im Jahr 742 kam er in die Hauptstadt Chang'an. Dort erweckte seine verwegene Art das Interesse des Adels wie der einfachen Leute. Besondere Faszination übte er auf den kaiserlichen Sekretariatschef Hè Zhīzhāng aus. Dieser glaubte zunächst, in ihm einen wahrhaften Unsterblichen vor sich zu haben. Auf dessen Empfehlung ernannte Kaiser Xuánzōng den Dichter zum Beamten der renommierten Hanlin-Akademie. Der Überlieferung nach soll sich Li bei der Überbringung des Ernennungsschreibens volltrunken in einer Schänke befunden haben. Nach einer Erfrischung mit kaltem Wasser war er aber dennoch in der Lage, auf Geheiß des Kaisers aus dem Stegreif ein Gedicht zu verfassen: Qingpingtiao, einen Lobpreis auf die berühmte Konkubine Yáng Guìfēi und die Päonien. Gemeinsam mit Hè Zhīzhāng und weiteren trinkfreudigen Dichtern bildete er einen Kreis. Dieser wird in einem zeitgenössischen Gedicht unter dem Titel Die acht Poeten der Zechgelage erwähnt. Die Männer wurden später zu Schutzheiligen der Weinhändler und Schankwirte.

Bereits nach zwei Jahren wurde Li aus unbekanntem Grund aus dem Staatsdienst entlassen. Vermutet wird eine Intrige des Eunuchen Lishi. Er soll der Konkubine Yáng Guìfēi fälschlich zugetragen haben, Li Bai habe in einem Gedicht ihre Schönheit mit der einer anderen Konkubine verglichen. Fortan streifte Li für den Rest seines Lebens durch China. Im Herbst 744 und noch einmal im Jahr darauf traf er Du Fu, den zweiten berühmten Dichter der Epoche. Die beiden begegneten sich nur zweimal. Dennoch fand ihre Bekanntschaft vor allem in Du Fus Werk erheblichen Niederschlag: Etwa ein Dutzend Gedichte widmete dieser seinem Kollegen, während Li Bai ihm nur ein einziges zueignete.

Im Jahr 755 wurde Li Bai in die Revolte des An Lushan hineingezogen. Nach deren Scheitern wurde er 757 nach Yelang verbannt. 759 durfte er vorzeitig zurückkehren. Er starb 762 in Dangtu in der Provinz Anhui, im Gebiet des heutigen China. Der Überlieferung nach soll er ertrunken sein, als er in berauschtem Zustand versuchte, das Spiegelbild des Mondes auf einem Fluss zu umarmen. Andere Quellen berichten von einer Quecksilberkontamination infolge alchemistischer Studien, wieder andere von einer Alkoholvergiftung.


Literarische Merkmale

Etwa tausend Gedichte werden Li Bai zugeschrieben. Darunter sind acht Rhapsodien (Fu), zahlreiche Lieder nach Vorbild des Musikamts (Yuefu) sowie Gedichte im Alten und Neuen Stil und einige Prosastücke. Bei vielen Werken ist die Urheberschaft allerdings zweifelhaft. Häufig wird sein Werk wegen der ausgedrückten Empfindungen und seines spontanen Tons mit dem Taoismus in Verbindung gebracht. Daneben gibt es auch konventioneller geprägte Stücke. So greifen etwa seine Gufeng (Alte Weisen) den Blickwinkel des konfuzianischen Moralisten auf.

Über sein Genie sind zahlreiche Legenden in Umlauf. So wird berichtet, mit welcher Leichtigkeit er seine Gedichte zu Papier brachte – angeblich mit erstaunlicher Geschwindigkeit und ohne eine einzige Korrektur. Seine bevorzugte Gattung war das Jueju, das Kurzgedicht aus vier Zeilen zu fünf oder sieben Schriftzeichen. Rund 160 Stück sind davon erhalten. Seine Sprache ist nicht so ausgefeilt wie die Du Fus. Sie beeindruckt aber durch ausgeprägte Vorstellungskraft und die unmittelbare Verbindung, die der Dichter zum Leser herzustellen weiß.

Sein wohl bekanntestes Gedicht ist Yuè Xià Dú Zhuó, auf Deutsch etwa Gelage im Mondschein. Darin zieht sich der Dichter mit einem Krug Wein zurück und stößt mit seinem Schatten und dem Mond an. Die Verbindung von Wein und Mond kehrt in seinem Werk häufig wieder. Daneben sind Freundschaft und Sehnsucht beständige Themen, ebenso Naturerlebnisse von Bergen, Buchten und Föhrenwäldern sowie die Schönheit der Frauen. Bisweilen setzt er sich aber auch kritisch mit zeitgeschichtlichen Fragen auseinander, etwa mit dem Krieg, der Korruption der Beamtenschaft oder dem harten Leben der einfachen Leute.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten und in den Jahrzehnten danach hinterließ Li Bai deutliche Spuren. Sein Zeitgenosse Du Fu widmete ihm etwa ein Dutzend Gedichte und hielt die Begegnung der beiden Dichter so für die Nachwelt fest. Eine der bekanntesten bildlichen Darstellungen Li Bais stammt allerdings erst aus weit späterer Zeit: eine Tuschmalerei des Malers Liáng Kǎi aus dem 13. Jahrhundert. Sie zeigt den Dichter beim Vortrag eines Gedichts und ist in nahezu jeder Anthologie seiner Werke abgebildet.

Im Westen gilt vor allem sein Gedicht vom Gelage im Mondschein vielfach als Inbegriff chinesischer Lyrik. Es wurde in fast alle europäischen Kultursprachen übersetzt, meist sogar mehrfach. So reicht seine Wirkung bis heute weit über China hinaus.

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