1960
Die Wolfshaut
Überblick↑
Der Roman Die Wolfshaut von Hans Lebert erschien 1960 im deutschen Claassen Verlag. Das Buch machte den österreichischen Schriftsteller bei der Kritik bekannt. Es erzählt von einem Bergdorf, das ein Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus verschweigt. Heute wird der Roman den sogenannten Anti-Heimatromanen zugerechnet.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht der Matrose Johann Unfreund. Die Geschichte beginnt im November 1952. Er ist in das österreichische Bergdorf Schweigen zurückgekehrt, in dem er geboren und aufgewachsen ist. Langsam nähert er sich dem Ort wieder an, der Landschaft und den Menschen, die dort leben.
Das Dorf ist beunruhigt. Mehrere Menschen sind unter unklaren und ungewöhnlichen Umständen gestorben. Es kommt zu Anschuldigungen und übler Nachrede. Manche vermuten einen Wolf, der aus den Bergen herabgekommen sei.
Unfreund beginnt, nach den wirklichen Ursachen zu forschen. Dabei stößt er auf Angst, auf Schweigen und auf den Argwohn der Dorfbewohner. Die Handlung erstreckt sich über 99 Tage, die im November beginnen.
Die Handlung im Detail↑
Erzählt wird der Roman als Kriminalgeschichte, durchsetzt mit teils surrealen Szenen. Die Handlung umfasst 99 Tage und beginnt im November 1952. Der Matrose Johann Unfreund ist in sein Geburtsdorf Schweigen in den österreichischen Bergen zurückgekehrt. Schritt für Schritt nähert er sich dem Ort, der Umgebung und den Bewohnern wieder an.
Mehrere Todesfälle unter unklaren und ungewöhnlichen Umständen versetzen das Dorf in Unruhe. Es fallen Anschuldigungen, es wird über einzelne Leute hergezogen. Eine Erklärung, die im Dorf umgeht, lautet, ein Wolf sei aus den Bergen gekommen.
Unfreund gibt sich mit solchen Erklärungen nicht zufrieden und sucht nach den tatsächlichen Ursachen. Je weiter er nachfragt, desto deutlicher spürt er die Angst der Menschen, ihr Schweigen und ihr Misstrauen gegen ihn. Am Ende zeigt sich der Grund dafür: Die Dorfgemeinschaft war in Verbrechen der letzten Kriegsphase verstrickt. An der Ziegelei hatte die „Ortswacht“ sechs Zwangsarbeiter erschossen. Die Aufdeckung genau dieser Tat fürchten die Bewohner.
Stil↑
Angelegt ist das Buch als Kriminalgeschichte: Ein Rückkehrer forscht nach, das Dorf schweigt, und die Spannung entsteht aus dem, was nicht gesagt wird. In diese Form mischen sich teils surreale Szenen, die den realistischen Rahmen durchbrechen.
Streng gebaut ist auch der Zeitrahmen. Die 99 Tage, beginnend im November, geben dem Roman eine dichte, düstere Grundstimmung. Sprechende Namen verstärken die Wirkung: Das Dorf heißt Schweigen, der Heimkehrer Unfreund. Die Kritik hat auf inhaltliche wie stilistische Parallelen zu Thomas Bernhards drei Jahre später erschienenem Roman Frost hingewiesen.
Rezeption↑
Positiv aufgenommen wurde der Roman, und er machte Hans Lebert bei der Kritik bekannt. 1962 erschien eine Lizenzausgabe in der DDR. Lebert wurde 1961 mit dem Theodor-Körner-Preis ausgezeichnet, 1962 erhielt er den Österreichischen Staatspreis.
Die Forschung rechnet das Buch den „Anti-Heimatromanen“ zu und verweist auf Ähnlichkeiten zu Thomas Bernhards Frost.
Eine Neuausgabe von 1991 fand erneut viel Aufmerksamkeit. Zeitgenössische Autoren äußerten sich begeistert. Elfriede Jelinek nannte Die Wolfshaut „eines der größten Leseerlebnisse ihres Lebens“ und den „erste[n] radikal moderne[n] Roman der österreichischen Nachkriegsliteratur“.
Als Vorlage diente der Roman einem zweiteiligen Hörspiel in der Bearbeitung von Helmut Peschina und der Regie von Robert Matejka. Die Adaption entstand 2004 als Co-Produktion von NDR, DLR und ORF und dauert knapp 182 Minuten. Zu den Sprechern zählten Peter Matić als Erzähler, Michael König als Matrose, Ernst Konarek, Rudolf Wessely, Heribert Sasse, Wolfgang Hübsch, Fritz Muliar, Hermann Scheidleder, Götz Kauffmann und Jaschka Lämmert. In Österreich wurde die Produktion 2005 als Hörspiel des Jahres ausgezeichnet.
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