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Werkseintrag · Sunshine Sketches of a Little Town
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Cover Sunshine Sketches of a Little Town
Sunshine Sketches of a Little Town
1912
– Werkseintrag –

Sunshine Sketches of a Little Town

1912 · Erzählung

Zwölf miteinander verwobene Geschichten erzählen vom Leben in der Kleinstadt Mariposa, wo der Erzähler jede Kleinigkeit mit dem vollen Ernst eines Weltereignisses schildert.

Überblick↑

Das Buch Sunshine Sketches of a Little Town von Stephen Leacock erschien 1912 in Kanada. Es versammelt zwölf miteinander verwobene Geschichten aus dem erfundenen Städtchen Mariposa am Ufer des Lake Wissanotti. Das Werk gilt als einer der langlebigsten Klassiker der kanadischen humoristischen Literatur. Leacock schöpfte aus seinen Erfahrungen in Orillia in Ontario, bestand aber darauf, dass Mariposa kein wirklicher Ort sei: Es seien vielmehr etwa siebzig oder achtzig solcher Städtchen, zu finden vom Lake Superior bis zum Meer, alle mit denselben rechtwinkligen Straßen, denselben Ahornbäumen, denselben Kirchen und Hotels. Genau diese Allgemeingültigkeit hat dem Buch seine anhaltende Beliebtheit gesichert.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Schauplatz der zwölf Geschichten ist die Kleinstadt Mariposa, und die Bürger dieses Ortes sind zugleich ihr Personal. Da ist Josh Smith, Besitzer von Smith's Hotel und einer der führenden Männer am Platz. Jefferson Thorpe betreibt den Barbierladen und versucht sich nebenbei an Spekulationen mit Bergwerksaktien. Der Bestatter Golgotha Gingham findet die Leute weniger interessant, solange sie noch leben. Dean Rupert Drone, Geistlicher der Kirche, plagt sich mit den Schulden, die der Bau des neuen Gotteshauses hinterlassen hat. Der Bankangestellte Peter Pupkin liebt Zena Pepperleigh, die Tochter des Richters, die ihrerseits gern romantische Geschichten liest. Dazu kommen Dr. Gallagher, der indianische Fundstücke sammelt und sich für kanadische Geschichte begeistert, der Journalist Mr. Hussell vom Blatt Mariposa Newspacket, der Bankdirektor Henry Mullins und Christie Johnson, Kapitän des Dampfers Mariposa Belle.

Erzählt werden die kleinen Ereignisse dieses Ortes: eine Ausflugsfahrt auf dem See, Geldgeschäfte, Liebeshändel, Kirchensorgen und eine landesweite Wahl. Die Schwächen und Fehler der Bewohner werden humorvoll, aber liebevoll vorgeführt. Wer hier zu Hause ist, hält Mariposa selbstverständlich für den Mittelpunkt der Welt.

Die Handlung im Detail↑

Die zwölf Geschichten hängen durch die wiederkehrenden Figuren zusammen und ergeben so das Bild eines ganzen Gemeinwesens. Josh Smith, der Hotelier, gehört zu den tonangebenden Bürgern. Jefferson Thorpe schneidet Haare und träumt vom schnellen Gewinn durch Bergwerksspekulationen. Golgotha Gingham, der Leichenbestatter, interessiert sich für seine Mitmenschen erst richtig, wenn sie tot sind. Dean Rupert Drone kämpft mit den Schulden aus dem Kirchenneubau. Peter Pupkin, Kassierer in der Bank, wirbt um Zena Pepperleigh, die Tochter des Richters Pepperleigh. Dr. Gallagher sammelt indianische Relikte, Mr. Hussell schreibt für die Zeitung des Ortes, Henry Mullins leitet die Mariposa Exchange Bank, und Christie Johnson führt den Dampfer Mariposa Belle.

Eine der beliebtesten Episoden ist der Untergang der Mariposa Belle im Lake Wissanotti. Das Unglück wird zunächst mit allem Ernst geschildert, verliert seine Größe jedoch merklich, sobald sich herausstellt, dass das Wasser an dieser Stelle keine zwei Meter tief ist. Männer aus der Stadt rücken zur Rettung aus, allerdings in einem kaum seetüchtigen Rettungsboot. Genau in dem Augenblick, in dem sie selbst an Bord des Dampfers gezogen werden, sinkt ihr Boot unter ihnen weg. Der Erzähler bemerkt dazu in vollem Ernst, dies sei eine der klügsten Rettungsleistungen gewesen, die man je auf dem See gesehen habe. Es gilt als weithin angenommen, dass dieses Schiffsunglück von einem tatsächlichen Vorfall angeregt wurde: Am 31. Juli 1903 erlitt der Dampfer Enterprise einen technischen Schaden und sank an seinem Anlegeplatz in Barrie.

Ähnlich verfährt das Buch mit der großen Politik. Als landesweit gewählt wird, ist die Stadt Mariposa selbstverständlich der Sturmmittelpunkt und Brennpunkt des ganzen Aufruhrs. Die Bedeutung, die der Erzähler den Vorgängen in Mariposa gegenüber dem Rest der Welt beimisst, ist durchweg maßlos übertrieben, und eben darin liegt der Witz.

Die Geschichten erschienen zuerst als Fortsetzungsreihe im Montreal Daily Star, zwischen dem 17. Februar und dem 22. Juni 1912. Für die Buchfassung arbeitete Leacock die Folge um: Er ergänzte, fasste zusammen und teilte auf, strich aber nichts. Am 9. August 1912 kam das Buch heraus. Die Korrekturfahnen der ersten Ausgabe las Leacock in Paris. Viele Figuren gehen auf wirkliche Einwohner von Orillia zurück, und in der Zeitungsfassung waren ihre Namen nur dünn verschleiert. Aus Vorsicht änderte Leacock vor der Buchveröffentlichung zahlreiche Namen.

Stil↑

Getragen wird das Buch von seinem Erzähler, und der ist alles andere als verlässlich. Seine Beschreibungen der Stadt sind einseitig, oft geradezu absurd. Er blickt von innen auf Mariposa und übernimmt bereitwillig den Maßstab der Einheimischen, für die jedes örtliche Ereignis Weltbedeutung besitzt. Der Humor entsteht aus dem Abstand zwischen diesem feierlichen Ton und der Winzigkeit dessen, was tatsächlich geschieht: Ein Schiffsunglück in seichtem Wasser wird mit der Sprache einer Katastrophe erzählt.

Die Form ist eine Folge von zwölf Geschichten, keine durchgehende Romanhandlung. Zusammengehalten wird sie durch die Figuren, die von einer Geschichte zur nächsten wiederkehren. Diese Figuren sind zwar nach wirklichen Leuten gezeichnet, wirken aber als Typen der Kleinstadt: der Hotelier, der Barbier, der Bestatter, der Pfarrer, der Bankangestellte, der Richter. Ihre Schwächen werden vorgeführt, doch der Ton bleibt zugewandt und nie höhnisch.

Rezeption↑

Das Buch zählt zu den bekanntesten Werken der kanadischen humoristischen Literatur und hat seine Leser über Generationen behalten. 1923 berichtete George Locke in der New York Evening Post, Bibliotheksstudenten hätten das Buch zu einem von zwölf Prosawerken gewählt, die kanadische Autoren jenen Lesern am besten nahebringen, die etwas vom Leben in Kanada erfahren wollen. In Orillia wurde es noch jahrzehntelang für die Fremdenwerbung eingesetzt, als Beleg für den Bürgerstolz der Stadt.

Auch das Fernsehen griff den Stoff auf. 1952 machte CBC Television daraus die Serie Sunshine Sketches und wagte sich damit erstmals an ein in Kanada produziertes Fernsehspiel. Zum Ensemble gehörten John Drainie als Erzähler, Paul Kligman, Timothy Findley als Peter Pupkin, Eric House als Dean Drone, Peg Dixon und Robert Christie als Golgotha Gingham. Zum hundertsten Jahrestag des Buches folgte 2012 ein Fernsehfilm bei CBC mit Gordon Pinsent und Jill Hennessy, der zwei der Geschichten verarbeitet und dabei Erfundenes mit Zügen aus Leacocks eigenem Leben mischt.

Für den Unterricht entstanden eigene Materialien: 1960 eine Schulausgabe mit Einleitung und Fragen von D. H. Carr, 2017 ein ausführlicher Lernleitfaden nebst einem Begleitheft, das das Buch neu befragt. Als Gegenstück zu den Kleinstadtbildern gilt weithin Leacocks späteres Buch Arcadian Adventures with the Idle Rich von 1914.

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