1857
Synnøve Solbakken
Überblick↑
Die Erzählung Synnøve Solbakken erschien 1857 und stammt von dem norwegischen Dichter Bjørnstjerne Bjørnson, der später den Nobelpreis für Literatur erhielt. Sie erzählt von der Liebe zwischen zwei jungen Menschen, die auf benachbarten Höfen im ländlichen Norwegen aufwachsen. Schon 1859 übertrug Otto Lübbert den Text ins Deutsche. Im Mittelpunkt steht der junge Hitzkopf Thorbjörn, der um die wohlachtbare Synnöve wirbt.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Hoch und sonnig liegt der Hof Solbakken, auf Deutsch Sonnenhügel, den die frommen Bauern Guttorm und Karen bewirtschaften. Ihr einziges Kind ist die Tochter Synnöve. Nicht weit entfernt, unten im schattigen Tal, liegt der Hof Granliden, wo eine kinderreiche Familie lebt; der älteste Sohn heißt Thorbjörn. Die beiden Kinder gehen in dieselbe Schule, lernen miteinander und besuchen sich gelegentlich. Doch Thorbjörn ist allzu wild, und das missfällt Synnöve.
Weil ihre Tochter als beste Partie der Gegend gilt, sieht die Mutter Karen den Bewerber vom Nachbarhof gar nicht gern. Synnöve selbst aber weist einen wohlhabenden Bauernsohn nach dem anderen ab. Als Thorbjörn über zwanzig Jahre alt ist, gibt er ihr den ersten Kuss. Ob die beiden gegen den elterlichen Widerstand und Thorbjörns ungestümes Wesen zueinanderfinden, muss sich erst erweisen.
Die Handlung im Detail↑
Auf dem hoch und sonnig gelegenen Hof Solbakken leben die frommen Bauern Guttorm und Karen mit ihrem einzigen Kind, der Tochter Synnöve. Nicht weit entfernt, unten im schattigen Tal, liegt der Hof Granliden. Dessen Besitzer Sämund und Ingebjörg haben mehrere Kinder; der älteste Sohn heißt Thorbjörn. Synnöve und Thorbjörn gehen in dieselbe Schule, lernen gemeinsam und besuchen sich. Synnöve aber gefällt nicht, dass Thorbjörn gar zu wild ist.
Da Synnöve als beste Partie der Gegend gilt, sieht Karen es nicht gern, dass sich dieser „abscheuliche Bursche" aus der kinderreichen Familie weiter für ihre Tochter interessiert. Unbeeindruckt vom Urteil der Mutter weist Synnöve einen wohlhabenden Bauernsohn nach dem anderen ab. Als Thorbjörn reichlich zwanzig Jahre alt ist, gibt er ihr den ersten Kuss.
Eines Tages spielt Thorbjörn für seinen Vater den Fuhrmann. Unterwegs muss das Fuhrwerk repariert werden, und so sucht er notgedrungen den nächstgelegenen Hof auf, der Nordhaug heißt. Dort ist gerade eine Hochzeitsfeier in vollem Gange. Als sich der junge Knud Nordhaug abfällig über Synnöve äußert, kommt es vor allen Gästen zum Zweikampf zwischen den beiden Heißspornen. Thorbjörn wirft den Gegner nieder und wähnt sich als Sieger. Doch Knud sticht ihn hinterrücks nieder.
Der Schwerverletzte wird nach Granliden gebracht, dort ärztlich versorgt und überlebt dank der aufopferungsvollen Pflege durch die Seinen. Weil es ihm gesundheitlich schlecht geht, schreibt er an Synnöve und gibt sie frei. Synnöve aber will davon nichts wissen. Nachts geht sie heimlich hinunter nach Granliden und sagt zu ihrer Freundin Ingrid, Thorbjörns Schwester: „Bleibt etwas zurück, so will ich ihn pflegen."
Synnöves Vater Guttorm ist für die Verbindung der beiden, seine Frau Karen sperrt sich weiterhin. Thorbjörns Genesung schreitet voran, und bald kann er seinem Vater Sämund wieder auf dem Hof helfen. Sämund ist es schließlich auch, der den entscheidenden ersten Schritt geht: Unter einem Vorwand marschiert er mit dem Sohn hinauf zum Hof der künftigen Braut. Durch bedacht-beherzte Rede stimmt er Karen um. So bekommen Synnöve und Thorbjörn den elterlichen Segen.
Stil↑
Schlicht und anschaulich schildert Bjørnson die bäuerliche Welt Norwegens. Die Namen tragen die alten Vaterbezeichnungen, so heißt der junge Mann mit vollem Namen Thorbjörn Sämundssohn und das Mädchen Synnöve Guttormstochter. Bereits die beiden Höfe sind bezeichnend gewählt: das sonnige, hoch gelegene Solbakken auf der einen und das im schattigen Tal liegende Granliden auf der anderen Seite. Über allem liegt die fromme, sittenstrenge Welt der Haugianer, aus der Synnöves Elternhaus stammt. In knapper Form verbindet die Erzählung eine schlichte Liebesgeschichte mit dem harten Ehr- und Wertgefühl des Landlebens.
Rezeption↑
Schon zwei Jahre nach dem Erscheinen lag die Erzählung auf Deutsch vor: Otto Lübbert übertrug sie 1859. Um 1871 nahm der Verlag Philipp Reclam jun. in Leipzig eine Übersetzung von Wilhelm Lange in seine Universal-Bibliothek auf. Der Stoff fand mehrfach den Weg auf die Leinwand. 1919 entstand der schwedische Stummfilm Über den hohen Bergen von John W. Brunius. 1934 folgte der Schwarzweißfilm Synnöve Solbakken von Tancred Ibsen. 1957 kam schließlich der Farbfilm Dort, wo der Berghof steht von Gunnar Hellström hinzu. Bjørnson selbst erhielt später den Nobelpreis für Literatur.
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