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Söhne und Liebhaber
1913
– Werkseintrag –

Söhne und Liebhaber

1913 · Roman

Die Geschichte eines jungen Bergarbeitersohns, der zwischen der übermächtigen Bindung an seine Mutter und der Liebe zu anderen Frauen zerrissen ist.

Überblick

Mit dem Roman Söhne und Liebhaber legte der britische Schriftsteller D. H. Lawrence 1913 sein drittes Buch vor, das heute als sein frühes Hauptwerk gilt. Es erschien im Verlag Gerald Duckworth and Company. Der Bildungs- und Künstlerroman erzählt den Werdegang des jungen Paul Morel und sein Verhältnis zu den Frauen seines Lebens. Im Mittelpunkt stehen die enge Bindung an seine Mutter, die langjährige Freundin Miriam und die verheiratete, in Trennung lebende Clara Dawes. Das Buch zählt zu den wichtigen englischsprachigen Romanen des 20. Jahrhunderts.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht die Bergarbeiterfamilie Morel in einer englischen Kohleregion. Walter Morel arbeitet unter Tage in den Gruben, und seine Ehe ist von häufigem Streit geprägt. Enttäuscht wendet sich Frau Morel ihren Kindern zu und bindet vor allem ihre Söhne eng an sich. Ihr zweiter Sohn Paul rückt allmählich in den Mittelpunkt des Geschehens.

Paul tritt ins Berufsleben ein, als er eine Anstellung als Gehilfe in einer Strumpffabrik in Nottingham annimmt. Unter den langen Arbeitszeiten und der weiten Anreise leidet er, doch er fühlt sich in der von Frauen geprägten Fabrik wohl. Zugleich unterhält er eine Beziehung zu Miriam, einem gleichaltrigen Mädchen von einem nahen Bauernhof. Diese Liebe wird stets von Pauls Nähe zur Mutter überschattet und blüht nie richtig auf. Später tritt die etwas ältere Clara Dawes in sein Leben, die getrennt von ihrem Mann lebt. Der Roman verfolgt, wie sehr die übermächtige Bindung an die Mutter jede von Pauls Beziehungen zu Frauen bestimmt.

Die Handlung im Detail

Der erste Teil schildert vor allem die junge Ehe der Morels. Walter Morel arbeitet als Bergarbeiter in den Gruben und gerät oft mit seiner Frau in Streit. Sie wendet sich daraufhin ganz ihren Kindern zu, und ihre Söhne William und Paul haben beide eine sehr enge Bindung zu ihr. William versucht, sich dem Einfluss der Mutter zu entziehen, indem er auf Tanzabende geht und sich auch ohne sie zu amüsieren sucht. Als er nach London zieht, um dort zu wohnen und zu arbeiten, rückt der zweite Sohn Paul stärker ins Geschehen. Dennoch hält William einen engen Briefkontakt zur Mutter und berichtet ihr auch von seinen Verhältnissen zu anderen Frauen. Kurz nach einem Besuch mit seiner Verlobten stirbt William jung. Frau Morel ist davon schwer getroffen, findet ihren Lebenssinn jedoch schließlich in der Beziehung zu ihrem zweiten Sohn Paul wieder.

Im zweiten Teil tritt Paul langsam ins Leben, als er eine Anstellung als Gehilfe in einer Strumpffabrik in Nottingham annimmt. Gesundheitlich leidet er unter den langen Arbeitszeiten und der Anreise, doch in der Fabrik voller Frauen fühlt er sich wohl und flirtet gern. Zugleich unterhält er eine Beziehung zu Miriam, einem gleichaltrigen Mädchen von einem nahen Bauernhof. Vor ihr und vor anderen betont er mehrfach, es handle sich nur um eine Freundschaft. Die Liebe zwischen den beiden wird von Pauls Bindung an die Mutter überschattet und blüht nie richtig auf. Dennoch quält ihn das Gefühl, er müsse Miriam entweder ganz für andere Männer freigeben oder sie heiraten. Paul widmet sich verschiedenen Steckenpferden, malt leidenschaftlich, gewinnt sogar einen Preis und kann mehrere seiner Bilder verkaufen. Inzwischen ist er eng mit Clara Dawes befreundet. Sie ist etwas älter als er und lebt in Trennung von ihrem Ehemann. Sie ist eine Frauenrechtlerin, beteiligt sich aber nicht aktiv an Protesten. Sie gilt als eitel und kommt mit den anderen Arbeiterinnen der Strumpffabrik nicht zurecht, die sie verächtlich die Königin von Saba nennen. Schließlich bringt sie Paul dazu, seine Beziehung zu Miriam neu zu überdenken. Gegen Ende des zweiten Teils gesteht sich Paul seine Liebe zu Miriam ein. Als die beiden ein Wochenende in einer Hütte verbringen, leben sie wie Mann und Frau zusammen, und er schläft mit ihr. Doch als die Mutter kränkelt, zeigt sich, dass Pauls tiefste Liebe ihr gehört.

Im dritten Teil beschließt Paul, sich von Miriam zu trennen, obwohl er zeitweilig plante, sie zu heiraten. Die Beziehung führe zu nichts, und er liebe sie nicht. Seine Mutter bestärkt ihn in diesem Schritt, denn sie konnte Miriam nie leiden und ertrug den Gedanken nicht, ihren Paul mit ihr zu teilen. Die Trennung verläuft schmerzvoll, und Miriam wirft ihm vor, sie habe von Anfang an gewusst, dass aus der Beziehung nichts werde. Paul widmet sich daraufhin ganz Clara, und die beiden werden ein Paar. Ihre Liebe wird jedoch von Claras Ehe überschattet. Zwar kommt Pauls Mutter gut mit Clara aus, doch sie weist ihn immer wieder darauf hin, dass Clara verheiratet ist. Eine Scheidung lehnt Clara ab. Eines Abends kommt es auf einem Feld zu einer Schlägerei zwischen Paul und Claras Ehemann Baxter Dawes, der inzwischen von seiner Geliebten verlassen und heruntergekommen ist. Nach dem Faustkampf beginnen die beiden Männer, einander zu achten. Als Dawes an Typhus erkrankt, besucht Paul ihn, da dieser sonst niemanden hat, und zwischen ihnen entsteht eine seltsame Freundschaft. Unterdessen ist Pauls Mutter an Krebs erkrankt. Der Arzt gibt ihr nicht mehr lange, doch sie weigert sich zu sterben. Paul ersehnt ihren baldigen Tod, um sich endlich ihrem Einfluss zu entziehen, und kann sich zugleich eine Welt ohne sie nicht vorstellen. Schließlich stirbt sie, nachdem Paul ihr eine Überdosis Morphium eingeflößt hat. Zunächst empfindet er ihren Tod als Erlösung, doch an seinem Verhalten zu Frauen ändert sich nichts. Er erkennt, dass die Beziehung zu Clara vorbei ist, und sorgt dafür, dass sie zu ihrem Mann zurückkehrt. Paul verwahrlost allmählich, sehnt sich nach der Mutter zurück und trägt sich mit Selbstmordgedanken. Als er Miriam wiedersieht, schlägt sie ihm eine Ehe vor, um ihn zu retten. Er lehnt ab. Am Ende beschließt Paul, einen Neuanfang ohne die Mutter zu wagen. Mit diesem Entschluss endet der Roman.

Stil

Angelegt ist das Buch als Bildungs- und Künstlerroman. Es verfolgt den Werdegang Paul Morels vom Kind zum jungen Mann, der zugleich malt und mit seiner Kunst erste Erfolge feiert. Der Aufbau folgt drei großen Teilen, die den Leser von der Ehe der Eltern über Pauls Jugend bis in sein erwachsenes Liebesleben führen. Ein Motiv kehrt dabei immer wieder: Paul als Malender, der Bilder schafft, einen Preis gewinnt und mehrere Werke verkauft. Der Roman trägt stark autobiografische Züge.

Rezeption

Nach seinem Erscheinen 1913 erhielt der Roman zunächst nur zurückhaltende Kritiken, und viele schmähten ihn als obszön. Erst mit der Zeit wandelte sich sein Ansehen grundlegend. Als die Modern Library 1999 eine Liste der hundert besten englischsprachigen Romane des 20. Jahrhunderts aufstellte, setzte sie Söhne und Liebhaber auf Rang 9 und damit vor Werke von John Steinbeck und Malcolm Lowry. Damit löste sich Lawrence postum von dem Ruf, ein obszöner Dichter für Frauen gewesen zu sein. Diesen Ruf hatte ihm vor allem sein 1928 erschienener Roman Lady Chatterleys Liebhaber eingetragen. Im deutschsprachigen Raum erschien 1925 im Insel Verlag in Leipzig eine Übersetzung von Franz Franzius, 1932 folgte im selben Verlag eine weitere Übertragung von Georg Goyert. Der Stoff wurde auch verfilmt, unter anderem 1960 in der Regie von Jack Cardiff und als Miniserie.

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