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Autoreneintrag · D. H. Lawrence
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Porträt D. H. Lawrence
D. H. Lawrence
1885 – 1930
– Autorenporträt –

D. H. Lawrence

1885 – 1930 · 44 Jahre

Bergmannssohn aus den englischen Midlands, dessen Romane mit ihrer offenen Darstellung von Erotik immer wieder der Zensur verfielen.

Kurzporträt

David Herbert Lawrence zählt zu den bedeutenden englischen Erzählern des frühen 20. Jahrhunderts. Er war der Sohn eines Bergmanns aus den mittelenglischen Midlands. Damit war er einer der ersten Schriftsteller von Rang, die aus einer Arbeiterfamilie stammten. Seine Romane wie Sons and Lovers, The Rainbow und Women in Love kreisen um die Beziehung zwischen den Geschlechtern. Dem Erotischen gaben sie einen offenen Platz, der für die damalige Zeit ungewöhnlich war. Deshalb gerieten seine Bücher mehrfach in die Mühlen der Zensur, am bekanntesten sein letzter Roman Lady Chatterley's Lover. Lawrence führte zeitlebens ein unstetes Wanderleben über mehrere Kontinente. Er starb mit nur 44 Jahren an Tuberkulose.


Biografie

Geboren wurde Lawrence am 11. September 1885 in Eastwood in Nottinghamshire. Er war der jüngste Sohn des Bergmanns Arthur John Lawrence und seiner Ehefrau Lydia, geborene Beardsall. Die Mutter war eine ehemalige Lehrerin aus bürgerlicher Familie und prägte die Erziehung der Kinder entscheidend. Das Verhältnis der sehr unterschiedlichen Eltern zueinander war konfliktgeladen. Die Familie gehörte der Glaubensgemeinschaft der Kongregationalisten an. Neben David wuchsen die Brüder Georg Arthur und William Ernest sowie die Schwestern Emily und Ada auf.

Mit dreizehn Jahren erhielt Lawrence ein Stipendium für die Nottingham High School, die er bis Juli 1901 besuchte. Danach arbeitete er in einer Manufaktur für orthopädische Hilfsmittel in Nottingham. Dort lernte er Jessi Chambers von der Haggs Farm kennen. Ab Herbst 1902 war er zunächst Hilfslehrer, anschließend bis 1906 Volksschullehrer in Eastwood. Schon als Jugendlicher zeigte er ein starkes Interesse an modernen Sprachen – Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch. Von 1906 bis 1908 studierte er unter anderem Pädagogik am Nottingham University College. In dieser Zeit vertrat er nach den vorliegenden Quellen eugenische Positionen. In einem Brief von 1908 äußerte er den Gedanken, man solle eine „Todeskammer, so groß wie der Kristallpalast" errichten, um Kranke und Behinderte schmerzlos von ihrem Leiden zu erlösen. Nach dem Abschluss trat er im Oktober 1908 eine Lehrerstelle in Croydon bei London an. Dort fiel er mit seinem antiautoritären Unterrichtsstil auf.

Lawrence litt schon als Kind an Atemwegserkrankungen und hatte mit siebzehn Jahren eine Lungenentzündung. 1911 erkrankte er an einer Tuberkulose der Lunge. 1912 quittierte er den Schuldienst, auch um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Im selben Jahr begann sein Verhältnis mit Frieda Weekley, geborene von Richthofen. Sie war die Ehefrau seines ehemaligen Französischlehrers und Mutter von drei Kindern. Anfang Mai 1912 folgte er ihr nach Metz in Lothringen, wo ihr Vater als Offizier des Kaiserlichen Heeres diente. Dort sammelte er Eindrücke vom deutschen Militär, die in seine Erzählung The Prussian Officer einflossen. Zugleich arbeitete er an Sons and Lovers. Das Paar reiste anschließend nach Italien und hielt sich am Gardasee und im ligurischen Lerici auf. Am 13. Juli 1914 heiratete es in London, nachdem Friedas Scheidung vollzogen war. Eine kurze Zeit lebten sie in Zennor. Cornwall mussten sie aber wegen Spionageverdachts wieder verlassen.

In den Londoner literarischen Zirkeln machte Lawrence Bekanntschaft mit den Imagisten, besonders mit Richard Aldington. In dessen Zeitschrift The Egoist konnte er veröffentlichen. 1913 lernte er die aus Neuseeland stammende Schriftstellerin Katherine Mansfield kennen. Mit ihr verband ihn bis zu ihrem frühen Tod 1923 eine nicht immer ungestörte Freundschaft. Sie diente ihm als Vorbild für die Figur der Gudrun Brangwen in Women in Love und wirkte auf seinen Roman Lost Girl. 1915 lernte er auf Vermittlung von Lady Ottoline Morrell in Cambridge Bertrand Russell kennen. Aus der anfänglichen Freundschaft wurde binnen Monaten eine lebenslange Abneigung, die in beider Werk Spuren hinterließ. So zeichnete Lawrence Russell mit spitzer Feder in The Blind Man und in Women in Love. Den Militärdienst musste er 1915/1916 wegen körperlicher Untauglichkeit nicht ausüben.

Nach dem Entschluss, allein vom Schreiben zu leben, führte Lawrence mit seiner Frau ein unstetes Wanderleben. Ab 1919 reiste das Paar durch europäische Länder wie die Schweiz und Italien, durch Ceylon und Australien und lebte später in New Mexico und Mexiko. In Deutschland hielt er sich mehrfach bei seiner Schwiegermutter in Baden-Baden auf. Im September 1922 reiste das Paar in die Vereinigten Staaten ein. 1924 erwarb Lawrence im Tausch gegen das Manuskript von Sons and Lovers eine Ranch bei Taos in New Mexico. Seine Gesundheit verschlechterte sich zusehends. 1925 wurde nach einer Lungenblutung erneut Tuberkulose festgestellt. Daraufhin kehrte er nach Europa zurück und verbrachte seine letzten Jahre vor allem in Italien. Die Krankheit zwang ihn Anfang 1929 zu einem Klinikaufenthalt in Vence. Dort starb er am 2. März 1930 im Alter von 44 Jahren in der Villa Robermond, im Beisein seiner Frau Frieda und seines Freundes Aldous Huxley, an Lungentuberkulose. Frieda ließ seine Asche später auf die Farm bei Taos bringen.


Literarische Merkmale

Lawrence war außerordentlich produktiv. Er schrieb nicht nur Romane, sondern auch Gedichte, Essays, Reiseberichte und Texte für Theaterstücke. 1926 begann er zudem zu malen. Ein Großteil seines Schaffens trägt einen autobiografischen Zug und kreist immer wieder um die Beziehung zwischen den Geschlechtern. Dem Erotischen und dem Sexuellen weist er dabei eine wichtige, oft zentrale Stellung zu. Diese offene Darstellung war für seine Zeit ungewöhnlich und machte ihn zu einem umstrittenen Autor. Viele seiner Werke haben einen erkennbar persönlichen Hintergrund. Erfahrungen aus seiner Herkunft in den Midlands, aus seinen Reisen und aus seinen Beziehungen flossen unmittelbar in die Bücher ein. Auch reale Bekanntschaften verarbeitete er literarisch, etwa im Porträt der Gudrun Brangwen oder in der spöttischen Zeichnung Bertrand Russells.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten war Lawrence als Autor stark umstritten. Vor allem die für damalige Verhältnisse offene Darstellung von Erotik und Sexualität machte seine Romane immer wieder zum Gegenstand der Zensur. Einzelne Werke und sogar seine Gemälde wurden als unsittlich verboten. Sein bekanntestes Buch ist der um 1927 geschriebene letzte Roman Lady Chatterley’s Lover. In Deutschland wurden seine Schriften später, in der Zeit des Nationalsozialismus, zu den verbotenen Publikationen gezählt. Bemerkenswert blieb auch seine Herkunft. Als Sohn eines Bergmanns war er einer der ersten Schriftsteller von Rang in der englischen Literatur des 20. Jahrhunderts, der aus einer Arbeiterfamilie stammte.

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