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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Henry Lawson
Henry Lawson
1867 – 1922
– Autorenporträt –

Henry Lawson

1867 – 1922 · 55 Jahre

Der australische Erzähler des Buschlebens erkrankte mit sieben Jahren so schwer, dass er mit vierzehn taub war – nach seinem Tod 1922 ehrte ihn sein Land mit einem Staatsbegräbnis.

Kurzbiografie↑

Henry Lawson zählt zu den bekanntesten Erzählern Australiens. Er wurde 1867 auf den Goldfeldern von Grenfell in New South Wales geboren und starb 1922 in Sydney. Seine Kurzgeschichten und Gedichte handeln überwiegend vom Leben im australischen Busch, das er als junger Mann selbst kennengelernt hatte. Veröffentlicht wurden sie vor allem in fortschrittlich gesinnten Zeitschriften wie The Bulletin in Sydney und Boomerang in Brisbane. Als Lawson starb, wurde er mit einem Staatsbegräbnis geehrt.


Biografie↑

Geboren wurde Henry Archibald Lawson am 17. Juni 1867 in einem Ort auf den Goldfeldern von Grenfell im australischen Bundesstaat New South Wales. Sein Vater war ein norwegischer Matrose, der nach Australien ausgewandert war, um dort Gold zu suchen. Auf diese Herkunft verweisen auch die Namensformen, die in den Bibliothekskatalogen zu ihm verzeichnet sind: neben Henry Archibald Hertzberg Lawson finden sich dort Varianten wie Hertzberg Larsen oder Henry H. Larsen.

Die Mutter, Louisa Lawson, war eine bekannte Vorkämpferin für das Frauenwahlrecht. Sie besaß und leitete die Zeitschrift The Dawn. Der Sohn wuchs also in einem Haushalt auf, in dem politisches Engagement und das Zeitungsmachen selbstverständlich waren.

Im Alter von sieben Jahren erkrankte Lawson an einer Ohrenentzündung. Sie hinterließ eine starke Schwerhörigkeit. Mit vierzehn Jahren war er vollständig taub. Diese Behinderung begleitete ihn sein ganzes Leben.

Seine Jugend verbrachte Lawson im Outback. Dort versuchte er sich in den unterschiedlichsten Berufen. Die Erfahrungen aus diesen Jahren wurden zum Stoff seines Werks: Die meisten seiner Texte handeln vom Leben im australischen Busch.

Den Weg in die Öffentlichkeit fand Lawson über Zeitschriften. Er veröffentlichte seine Gedichte und Kurzgeschichten unter anderem in The Bulletin in Sydney und in Boomerang in Brisbane, beides Blätter mit eher progressiver Ausrichtung. 1894 erschien der Band Short stories in prose and verse. Zwei Jahre später folgte die Erzählsammlung While the Billy Boils, in der auch die Geschichte The Drover's Wife steht.

Um die Jahrhundertwende erschienen mehrere Bände rasch nacheinander. 1900 kamen die Erzählsammlung On the Track, der Band Over the Sliprails und die Gedichtsammlung Verses, Popular and Humorous heraus. 1901 folgte die Erzählsammlung Joe Wilson and His Mates, 1902 der Band Children of the bush und 1905 When I was king. Ohne gesichertes Jahr überliefert sind die Gedichtsammlung In the days when the world was wide, die Erzählung A Child in the Dark, and a Foreign Father und das Gedicht St. Peter.

Die letzten Lebensjahre waren von der Alkoholkrankheit geprägt. Lawson bettelte oft auf den Straßen Sydneys. Zugleich war er eine im ganzen Land bekannte Gestalt. Am 2. September 1922 starb er in Sydney im Alter von 55 Jahren. Australien ehrte ihn mit einem Staatsbegräbnis.


Literarische Merkmale↑

Im Mittelpunkt von Lawsons Schreiben steht das Leben im australischen Busch. Was er dort als junger Mann in wechselnden Berufen erlebte, wurde zum Stoff seiner Texte. Er arbeitete in zwei Formen: in der Kurzgeschichte und im Gedicht. Beide veröffentlichte er zunächst in Zeitschriften, ehe sie in Sammelbänden erschienen. Einzelne Bände mischen sogar beides, so schon Short stories in prose and verse von 1894. Neben den ernsten Bush-Geschichten gab es bei ihm auch einen heiteren Ton; die Gedichtsammlung Verses, Popular and Humorous von 1900 trägt ihn bereits im Titel.


Rezeption↑

Zu Lebzeiten wurde Lawson in Australien weithin bekannt, und zwar nicht nur als Autor, sondern auch als auffällige Erscheinung im Straßenbild Sydneys. Das Staatsbegräbnis nach seinem Tod 1922 zeigt, welchen Rang man ihm im eigenen Land zusprach. 1949 gab die australische Post zu seinem Geburtstag am 17. Juni eine Briefmarke zu seinen Ehren heraus.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Lawson setzte früh ein und reicht über den englischsprachigen Raum hinaus. Bereits 1914 erschien in Wien die Studie Henry Lawson. Ein australischer Dichter von Adele Fuchs. In Australien untersuchte Brian Matthews 1972 seine Prosa, Colin Roderick legte 1985 einen Kommentarband zu den Prosaschriften und 1991 eine Biografie vor. Manning Clark schrieb über den Mann und die Legende. Christopher Lee stellte Lawson 2004 unter dem Titel City bushman in den Zusammenhang der australischen Vorstellungswelt. Auch Arbeiten über Frauenfiguren im Busch und über die klassische australische Erzählliteratur beziehen ihn ein.

Im deutschen Sprachraum blieb die Wirkung schmal. Eine Auswahl seiner Erzählungen erschien 2016 in Hamburg unter dem Titel Der Mann, der vergaß ... und andere Storys. Seine Texte sind zudem als elektronische Ausgaben im Project Gutenberg zugänglich.

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