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Werkseintrag · Gefährliche Liebschaften
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Cover Gefährliche Liebschaften
Gefährliche Liebschaften
1782
– Werkseintrag –

Gefährliche Liebschaften

1782 · Brief

In 175 Briefen treiben zwei adlige Verführer im Paris der letzten Jahre vor der Französischen Revolution ein kaltblütiges Spiel mit Liebe und Ehre – bis sich eigene Gefühle in das kalte Kalkül mischen.

Überblick

Der Briefroman Gefährliche Liebschaften von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos erschien 1782 und gilt als eines der Hauptwerke der französischen Literatur des 18. Jahrhunderts. In 175 Briefen entwirft er ein Sittengemälde des ausgehenden Ancien Régime. Erzählt wird, wie zwei Angehörige des Adels die Verführung zum kühl berechneten Spiel machen. Schon bei seinem Erscheinen war das Buch ein Skandalerfolg und erlebte bis zur Französischen Revolution zahlreiche Auflagen. Bereits 1783 kam eine erste deutsche Übersetzung durch Christian von Bonin heraus.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt stehen zwei Angehörige des Pariser Adels, die sich an keine moralischen Regeln gebunden fühlen: die Marquise de Merteuil und der Vicomte de Valmont, einstige Liebhaber und nun Verbündete. Die Marquise will sich an einem früheren Geliebten rächen, dem Comte de Gercourt, der sie verlassen hat. Gercourt will die erst fünfzehnjährige Cécile de Volanges heiraten, ein naives Mädchen, das gerade die Klosterschule verlassen hat. Merteuil plant, das Mädchen noch vor der Hochzeit zu verderben, und möchte Valmont für dieses Vorhaben gewinnen.

Valmont jedoch reizt eine andere Aufgabe. Er will die tugendhafte und fromme Madame de Tourvel verführen, eine verheiratete Frau, die seinem Ruf als unwiderstehlicher Verführer bislang standhält. Die Marquise verspricht ihm eine gemeinsame Nacht, sollte er ihr einen schriftlichen Beweis seines Erfolgs liefern. Aus diesen Absprachen entspinnt sich ein Netz aus Briefen, Lügen und doppelten Spielen, in das nach und nach auch Céciles schüchterner Musiklehrer, der Chevalier Danceny, verstrickt wird.

Die Handlung im Detail

Zu Beginn schlägt die Marquise de Merteuil dem Vicomte de Valmont vor, die junge Cécile zu verführen. Valmont lehnt zunächst ab, weil ihm die Aufgabe zu leicht erscheint; er möchte lieber die tugendhafte Madame de Tourvel erobern und so seinen Ruf bestätigen. Dennoch unterstützt er den Racheplan. Beide arbeiten darauf hin, Céciles Musiklehrer Danceny, der in seine Schülerin verliebt ist, zu einem Abenteuer anzustacheln. Valmont gewinnt das Vertrauen des schüchternen jungen Mannes, während die Marquise sich Cécile als freundschaftliche Vertraute nähert und zugleich deren wachsame Mutter mit einem Doppelspiel beruhigt.

Während sich die beiden Intriganten in Briefen über ihre Affären austauschen, kommt Valmont bei Madame de Tourvel nur langsam voran, obwohl diese ihn zu lieben beginnt. Als Céciles Mutter Madame de Tourvel vor Valmonts schlechtem Charakter warnt, rächt er sich an dem Mädchen. Er erschleicht sich Céciles Schlüssel, dringt nachts in ihr Zimmer ein und erzwingt mit einer Mischung aus Druck und Zärtlichkeiten ihre Einwilligung.

Nach der ersten Nacht macht sich Cécile Vorwürfe und verfällt in Schwermut. Ihre Mutter will die geplante Heirat mit Gercourt lösen, doch die Marquise rät ab und ermuntert Cécile stattdessen, die Ehe später als Fassade für eigene Liebschaften zu nutzen und die Affäre mit Valmont fortzusetzen. Cécile wird schwanger und erleidet eine Fehlgeburt, die Valmont verheimlichen lässt. Die Marquise wird unterdessen misstrauisch: Ihr missfällt, dass Valmont an Cécile Gefallen findet und obendrein echte Liebesgefühle für Madame de Tourvel zu entwickeln scheint. Kurzerhand kündigt sie ihm an, sie werde Danceny zu ihrem neuen Geliebten machen.

Valmont gelingt schließlich die Eroberung der Madame de Tourvel, indem er ihr tiefe Reue und Verzweiflung vorspielt und sie vor die Wahl stellt, ihn zu erhören oder seinen Untergang zu verantworten. Voller Stolz meldet er seinen Sieg der Marquise und fordert die versprochene Nacht. Diese aber zeigt sich zurückhaltend und wirft ihm vor, sich selbst in Tourvel verliebt zu haben. Um zu beweisen, dass er frei ist, bricht Valmont grausam mit Madame de Tourvel. Zugleich durchkreuzt er den Plan der Marquise, indem er Danceny von ihr trennt und mit Cécile zusammenführt, und verspottet sie über ihre Niederlage.

Damit ist der Krieg zwischen den beiden erklärt. Die Marquise übergibt Danceny Valmonts Briefe über die Verführung Céciles. Der junge Mann fordert Valmont zum Duell und ersticht ihn mit dem Degen. Sterbend versöhnt sich Valmont mit seinem Gegner und übergibt ihm die Briefe der Marquise, die deren Intrigen entlarven; Danceny gibt sie in der Gesellschaft weiter und veröffentlicht einige davon.

Für alle Beteiligten endet die Geschichte unglücklich. Madame de Tourvel erleidet einen Zusammenbruch, zieht sich in ein Kloster zurück und stirbt dort. Cécile wird Nonne. Danceny verlässt das Land und geht nach Malta. Die Marquise wird gesellschaftlich geächtet, vor Gericht angeklagt und verliert ihr Vermögen. Als sie an den Pocken erkrankt und mit entstelltem Gesicht und halb erblindet zurückbleibt, setzt sie sich ins Ausland ab.

Stil

Die Form des Briefromans prägt das Werk vollständig. In 175 Briefen kommen die Figuren allein durch ihre eigene Feder zu Wort. Eine erzählende, ordnende Stimme fehlt; der Leser muss sich sein Urteil aus den oft widersprüchlichen Schreiben selbst bilden. So entsteht ein vielstimmiges Bild, in dem jede Figur zugleich ihr Inneres preisgibt und den Empfänger zu lenken versucht. Besonders die Marquise de Merteuil entwickelt in ihren Briefen ihre Grundsätze mit scharfer, kühler Klarheit.

Laclos verstärkt die Wirkung durch einen doppelten Kunstgriff. Der Roman gibt sich als bloße Sammlung echter Briefe aus, die ein fiktiver Herausgeber nur zusammengestellt und veröffentlicht habe. Ein Vorwort dieses erfundenen Herausgebers spielt mit der Frage, ob die geschilderten Sitten überhaupt glaubwürdig seien. Um dem erwarteten Skandal auszuweichen, nannte das Titelblatt Amsterdam als Erscheinungsort, obwohl das Buch in Paris gedruckt wurde, und der Verfasser zeichnete nur mit seinen Initialen. Dieses Verschwinden des Autors hinter der vorgetäuschten Dokumentensammlung gehört zu den kunstvollsten Zügen des Romans und hat seine Deutung bis heute beschäftigt.

Rezeption

Schon bei seinem Erscheinen wurde der Roman zu einem Skandalerfolg. Innerhalb eines Monats verkauften sich 2000 Exemplare, im ersten Jahr folgten acht weitere Ausgaben, darunter Raubdrucke. Bis zur Revolution erschienen fünfzehn, bis zu Laclos' Tod 1803 einundzwanzig französische Ausgaben, dazu zahlreiche Übersetzungen. Sogar Königin Marie-Antoinette soll das Buch in einem kostbaren Einband gelesen haben. Zugleich warf man dem Autor vor, ein gefährliches und unmoralisches Werk geschrieben zu haben.

Mit dem Niedergang des alten Adels ließ das Interesse nach, und es blieb der Ruf eines unsittlichen Buches; Gerichtsurteile verboten seine Veröffentlichung. Erst Baudelaire und die Brüder Goncourt trugen dazu bei, den Autor zu rehabilitieren, und der Roman wurde als französischer Klassiker anerkannt. 1999 wählten die Mitglieder der Académie Goncourt zwölf wesentliche Werke der französischen Literatur aus – Gefährliche Liebschaften belegte dabei den ersten Platz.

In Deutschland verlief die Aufnahme ähnlich: nach frühen Übersetzungen lange geringe Beachtung, dann eine Neuauflage 1899. Heinrich Manns Essay über Laclos hob den Roman in den Rang der Weltliteratur. Hermann Hesse nannte ihn unter den erotischen und gesellschaftskritischen Romanen des französischen 18. Jahrhunderts „vielleicht der klügste, kühlste, unsentimentalste“ und lobte ihn als „literarisch und psychologisch glänzend“. Bis heute wird darüber gestritten, ob Laclos nur einen galanten Unterhaltungsroman schreiben wollte oder eine gesellschaftskritische Abrechnung mit den Sitten seiner Zeit.

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