1741 – 1803
Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos
Kurzbiografie↑
Berühmt wurde Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos (1741–1803) durch ein einziges Buch. Der französische Artillerieoffizier verfasste den Briefroman Les Liaisons dangereuses (deutsch Gefährliche Liebschaften). Dieser gilt bis heute als einer der bedeutendsten französischen Romane des 18. Jahrhunderts. Das Werk erzählt, wie zwei adelige Verführer aus Berechnung und Eitelkeit zwei Frauen ins Verderben treiben. So entsteht eine scharfsinnige Studie menschlicher Leidenschaften. Neben dem Schreiben verbrachte Laclos sein Leben als Soldat. Er brachte es vom einfachen Leutnant bis zum Revolutionsgeneral unter Napoleon.
Biografie↑
Geboren wurde Laclos am 18. Oktober 1741 in Amiens. Seine Familie war erst kurz vor seiner Geburt in den Adelsstand erhoben worden. An den bürgerlichen Namen Choderlos hatte sie ein adeliges „de Laclos“ angehängt. Über seine Jugend ist so gut wie nichts überliefert.
Im Jahr 1759, während des Siebenjährigen Krieges, trat Laclos in die Armee ein. Er begann eine Offiziersausbildung im königlichen Artilleriekorps. Als nur Neuadeliger sah er dort wohl bessere Aufstiegschancen als in der vom alten Adel beherrschten Infanterie oder Kavallerie. 1761 wurde er Unterleutnant, ein Jahr später Leutnant. Zu einem Fronteinsatz kam es wegen des Kriegsendes 1763 nicht mehr. In den folgenden Jahren versah er einen als eintönig empfundenen Dienst in wechselnden Garnisonen: in Toul, Straßburg, Grenoble und Besançon. Dennoch brachte er es bereits mit dreißig Jahren, 1771, zum Zweiten Hauptmann. Im Jahr darauf wurde er Regimentsadjutant und 1780 als Kommandierender Hauptmann Batteriechef. 1777 wurde er mit der Errichtung einer Artillerieschule in Valence beauftragt. Zu deren späteren Absolventen gehörte Napoleon Bonaparte – ein Umstand, der Laclos nach Napoleons Aufstieg noch zugutekam. 1779 kam er auf die Festungsinsel Aix vor dem Kriegshafen Rochefort. Dort beaufsichtigte er die Instandsetzung maroder Befestigungsanlagen.
Bis dahin hatte Laclos literarisch nur dilettiert: mit anakreontischen Gelegenheitsgedichten, einigen erotischen Erzählungen und einem Opernlibretto. Auf Aix und während zweier längerer Paris-Urlaube 1780 und 1781 verfasste er nun den Briefroman Les Liaisons dangereuses. Eigentlich war er als Angriff gegen den Hof- und Hochadel gedacht. Er schildert, wie ein altadeliger Vicomte und eine altadelige Marquise zwei neuadelige Frauen in den Tod beziehungsweise ins Kloster treiben. Die beiden Adeligen sind Prototypen der aristokratischen Libertinage. Die beiden Frauen nehmen die Liebe ernst und werden getäuscht und enttäuscht. Im Vorwort gibt der Autor eine eindeutig moralische Absicht an. Er wolle vor den Folgen der lockeren adeligen Liebesmoral warnen, und am Ende bestraft er auch die beiden Bösewichte. Dennoch wurde das Buch bis weit ins 19. Jahrhundert meist als unmoralischer, ja pornografischer Text gelesen und immer wieder verboten. Der gängige deutsche Titel Gefährliche Liebschaften ist dabei nicht ganz treffend. Denn es geht im Roman nicht allein um die Gefahr von Liebschaften, sondern auch um unvorsichtig eingegangene gesellschaftliche Beziehungen. Die Erstausgabe erschien am 23. März 1782 bei Durand Neveu in Paris. Die Auflage von 2.000 Exemplaren war binnen eines Monats verkauft, sodass Nachdrucke nötig wurden.
Der Erfolg löste zugleich einen Skandal aus. Laclos wurde 1783 auf einen wenig attraktiven Posten in La Rochelle versetzt. Dort begann er einen eher skeptischen Traktat über die Verbesserung der Frauenerziehung. Er vollendete ihn jedoch nicht, nachdem er Vater geworden war und geheiratet hatte. 1786 erregte er erneut Anstoß. In einem offenen Brief an die Académie française wies er darauf hin, die hochgelobten Festungsanlagen des berühmten Baumeisters Vauban seien inzwischen überholt. 1788 schied er im Range eines Kommandierenden Hauptmanns aus der Armee aus. Er trat in den Dienst des Herzogs von Orléans, Louis-Philippe-Joseph, später „Philippe Égalité“ genannt. Als dessen Sekretär bezog er mit 6000 Livres mehr als das Doppelte seines früheren Soldes. Zwischen 1789 und 1791 verfasste er verschiedene politische Schriften.
Ab Ende August 1792 diente Laclos dem Revolutionsregime, zunächst als Beauftragter des Provisorischen Exekutivrats beim Kriegsministerium. Am 22. September wurde er zum Maréchal de camp befördert. Ausschlaggebend waren vermutlich seine Verdienste um die Reorganisation der Artillerie, die sich bei der Kanonade von Valmy bewährt hatte. 1793, im Jahr der Schreckensherrschaft, geriet auch er in Haft und Lebensgefahr. 1794 rettete ihn der Sturz Robespierres. 1799 schloss er sich Napoleon an, der ihn am 16. Januar 1800 zum Brigadegeneral der Artillerie ernannte. Als Kommandeur der Reserve-Artillerie der Rheinarmee und später der französischen Italienarmee nahm er ab dem Frühjahr 1800 am Zweiten Koalitionskrieg teil. Nach Ausbruch des Dritten Koalitionskriegs erhielt er 1803 den Oberbefehl über die neuformierte Neapelarmee. Im Juli landete er in Tarent. Er starb dort jedoch bereits am 5. September an Dysenterie und Malaria. Sein Grab wurde nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft offenbar zerstört. Der Grabstein wurde 1952 im Lazarett von Forte a Mare bei Brindisi wiederentdeckt. Ein weiterer geplanter Roman kam über Skizzen und Pläne nicht hinaus.
Literarische Merkmale↑
Geprägt ist Laclos' Ruhm von der Form des Briefromans. In Les Liaisons dangereuses entfaltet sich die Handlung allein aus den Briefen der Beteiligten. So erlebt der Leser die Berechnung der Verführer und die Gefühle ihrer Opfer aus erster Hand mit. Angelegt war das Werk ursprünglich als Angriff auf den Hof- und Hochadel. Doch entwickelte es sich zu mehr. Denn Laclos identifiziert sich unvermerkt auch mit seinen als hochintelligent und souverän gezeichneten Bösewichten. Zugleich stellt er sie als unwillentlich Liebende dar, die am Ende selbst getäuscht und enttäuscht werden. So gerät der Roman zu einem Meisterwerk der psychologischen Analyse, das noch heute fasziniert. Bemerkenswert ist die Spannung zwischen erklärter Absicht und Wirkung. Im Vorwort formuliert der Autor eine klar moralische Warnung vor der lockeren adeligen Liebesmoral und bestraft die Schuldigen am Schluss. Und doch wirkt die Darstellung der beiden Intriganten so anziehend, dass Generationen von Lesern das Buch ganz anders aufnahmen, als es vorgab.
Rezeption↑
Aufgenommen wurde der Roman von Anfang an mit großer Aufmerksamkeit. Die Erstauflage von 2.000 Exemplaren war binnen eines Monats vergriffen, und Nachdrucke folgten umgehend. Zugleich löste das Buch einen Skandal aus. Bis weit ins 19. Jahrhundert wurde es überwiegend als unmoralischer, ja pornografischer Text gelesen und missverstanden und immer wieder verboten. Dennoch blieb der Roman seither stets im Buchhandel erhältlich – wenn auch zeitweise nur unter der Hand. Heute liegt er sowohl in illustrierten Liebhaberausgaben wie auch als Taschenbuch vor. Im deutschen Sprachraum erschien er in zahlreichen Übersetzungen, darunter eine vielbeachtete von Heinrich Mann aus dem Jahr 1920. Die anhaltende Wirkung zeigt sich auch im Film. Der Stoff wurde mehrfach verarbeitet, unter anderem 1959 durch Roger Vadim, 1988 durch Stephen Frears mit John Malkovich und Glenn Close sowie 1989 unter dem Titel Valmont durch Miloš Forman.
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