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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Kate Chopin
Kate Chopin
1850 – 1904
– Autorenporträt –

Kate Chopin

1850 – 1904 · 54 Jahre

Amerikanische Erzählerin, deren Roman „Das Erwachen“ 1899 einen Skandal auslöste und erst Jahrzehnte nach ihrem Tod als früher Roman der Frauenbewegung wiederentdeckt wurde.

Kurzbiografie↑

Als eine der amerikanischen Erzählerinnen des späten 19. Jahrhunderts wurde Kate Chopin vor allem durch ihren 1899 erschienenen Roman The Awakening (deutsch Das Erwachen) bekannt, der heute zum Kanon der englischsprachigen Literatur zählt. Geboren wurde sie 1850 als Katherine O'Flaherty in St. Louis. Neben ihren Romanen verfasste sie zahlreiche Kurzgeschichten, in denen immer wieder die Beziehung zwischen Mann und Frau im Mittelpunkt steht. Bei seinem Erscheinen löste The Awakening einen Skandal aus; erst Jahrzehnte nach ihrem Tod wurde ihr Werk wiederentdeckt und aufgewertet.


Biografie↑

Geboren wurde Katherine O'Flaherty am 8. Februar 1850 in St. Louis. Väterlicherseits war sie irisch-katholischer, mütterlicherseits französischer Abstammung. Sie war das dritte und jüngste Kind von Thomas O'Flaherty und seiner zweiten Frau Eliza, geborene Faris, die aus einer alten französischen Familie in St. Louis stammte. Ihr Vater starb bereits während ihrer Kindheit, ebenso später eine ihrer Schwestern.

1870 heiratete sie den Plantagenerben Oscar Chopin, zog mit ihm nach New Orleans und bekam sechs Kinder. Als die Baumwollplantage nicht mehr genug abwarf, siedelte die Familie 1879 nach Cloutierville im nordwestlichen Louisiana um. Bis zum Tod ihres Mannes 1882 erfüllte Kate Chopin ihre Rolle als Hausfrau, Ehefrau und Mutter. 1884 kehrte sie auf Drängen ihrer Mutter nach St. Louis zurück. Der Tod der Mutter ein Jahr später stürzte sie in eine tiefe Krise. Ein befreundeter Arzt riet ihr, mit dem Schreiben anzufangen, um darüber hinwegzukommen. So wurde das Schreiben für sie zu einer Art Therapie, um die erlittenen Verluste zu verarbeiten.

Ihren ersten Roman At Fault, der eine Dreiecksbeziehung und eine Scheidung behandelt, vollendete sie 1890 und ließ es im September desselben Jahres auf eigene Kosten drucken. Während dieses Buch von der zeitgenössischen Kritik durchaus positiv aufgenommen wurde, fand sie für ihren zweiten Roman Young Dr. Gosse keinen Verleger. Sie vernichtete das Manuskript und begann, Kurzgeschichten zu schreiben. In den folgenden Jahren erschienen zahlreiche Erzählungen von ihr in großen Zeitschriften; anschließend fasste sie diese in den beiden Sammelbänden Bayou Folk und A Night in Acadie zusammen.

In ihren frühen Kurzgeschichten überwog noch der regionale Aspekt. Zunehmend ging sie jedoch über die äußerliche Darstellung hinaus und richtete den Blick auf das Innenleben ihrer Figuren, besonders der Frauengestalten. In Geschichten wie The Story of an Hour stellte sie anerkannte gesellschaftliche Moralvorstellungen in Frage, was dazu führte, dass ihr Verleger stärker Zensur ausübte.

Ihr dritter Roman The Awakening sollte sie später berühmt machen, löste bei seinem Erscheinen 1899 aber einen Skandal aus. Entgegen allen geltenden Moralvorstellungen trennt sich die Protagonistin von ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern, zieht sich gesellschaftlich zurück und lässt sich auf zwei Liebesaffären ein. Ihr ist bewusst geworden, dass sie bis zu diesem „Erwachen“ ihre eigenen Bedürfnisse nicht erfüllen und sich nicht verwirklichen konnte. Doch für diese Selbstverwirklichung gibt es in ihrer Gesellschaft keine Zukunft, und so schwimmt sie am Ende ins Meer hinaus. Nach dem Erscheinen fielen die Urteile der Kritiker vernichtend aus. Der Protagonistin wurden Egoismus, Unverantwortlichkeit und unmoralisches Handeln vorgeworfen. Der Aufruhr zog weite Kreise: Einstige Freundinnen ließen sich verleugnen, und Buchhandlungen wie Büchereien ihrer Heimatstadt St. Louis sonderten das Buch aus.

Als Kate Chopin 1900 eine weitere Kurzgeschichtensammlung mit dem Titel A Vocation and a Voice nicht veröffentlichen konnte, zog sie sich aus dem öffentlichen Leben zurück und schrieb nur noch wenig. Im August 1904 starb sie an einer Gehirnblutung in St. Louis. In der Forschung umstritten ist ihr Todesjahr: Wikidata nennt den 22. August 1904, während die Deutsche Nationalbibliothek den 22. August 1894 angibt; das erzählte Material zu ihrem Leben spricht für 1904. Auch bei den Orten weichen die Quellen in der Schreibweise ab: Wikidata verzeichnet Geburts- und Sterbeort als „St. Louis“, die Deutsche Nationalbibliothek als „Saint Louis, Mo.“.


Literarische Merkmale↑

Im Mittelpunkt ihres Schreibens steht immer wieder die Beziehung zwischen Mann und Frau, zunächst in Gedichten, später in ihrer Prosa. Ihre frühen Kurzgeschichten sind stark regional geprägt und schildern das Leben in Louisiana. Mit der Zeit verlagerte sie den Schwerpunkt vom äußeren Milieu auf das seelische Innenleben ihrer Figuren, besonders der Frauen. Dabei stellte sie anerkannte gesellschaftliche Moralvorstellungen offen in Frage.


Rezeption↑

Nach dem Erscheinen von The Awakening im Jahr 1899 fanden die Kritiker nur vernichtende Worte, und der Roman wurde in ihrer Heimatstadt aus Buchhandlungen und Büchereien entfernt. In der Literaturkritik und Literaturwissenschaft fand ihr Werk danach jahrzehntelang so gut wie keine Beachtung, und The Awakening wurde nicht mehr gedruckt. Erst mit der Herausgabe der Complete Works 1969 erfuhr ihr Schaffen lange nach ihrem Tod eine deutliche Aufwertung. Vor allem in den 1970er und 1980er Jahren richteten zahlreiche Publikationen erneut die Aufmerksamkeit auf ihr Leben und Werk und erkannten dessen bleibende literarische Qualität an. Aus heutiger Sicht gilt The Awakening als früher Roman der Frauenbewegung.

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