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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Gegen den Strich
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Cover Gegen den Strich
Gegen den Strich
1884
– Werkseintrag –

Gegen den Strich

1884 · Roman

Ein lebensmüder Adeliger flieht die Welt und richtet sich ein Reich aus erlesenen Büchern, Edelsteinen und Düften ein – der Roman, der die Dekadenz zum Programm erhob.

Überblick

Mit dem Roman Gegen den Strich brach Joris-Karl Huysmans 1884 mit seinen früheren, realistisch geprägten Werken. Das Buch, dessen französischer Originaltitel À rebours lautet, gilt als eines der bekanntesten Werke des Autors. Im Deutschen ist es auch unter den Titeln Gegen alle oder Wider die Natur bekannt. Huysmans setzte dem Begriff der Dekadenz mit ihm ein Denkmal. Für die Anhänger von Dekadenzdichtung, Symbolismus und der Kunstauffassung des L'art pour l'art wurde der Roman bald zum Kultbuch.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt dieses handlungsarmen Romans steht Jean Floressas Des Esseintes, ein exzentrischer französischer Adeliger und der Letzte seines Geschlechts. Erzogen in einer Jesuitenschule, kostet er zunächst das ausschweifende Leben der gehobenen Gesellschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert aus. Doch er bleibt unbefriedigt und enttäuscht. Weil er zu menschlichen Kontakten unfähig ist, zieht er sich in ein Haus am Rande von Paris zurück und richtet es ganz nach seinen eigenen, extravaganten Vorstellungen ein.

In dieser selbstgewählten Einsamkeit gibt sich Des Esseintes seinen Liebhabereien hin. Er vertritt die Überzeugung, die Natur sei primitiv und dem menschlichen Geist unterlegen, und zieht deshalb alles Künstliche dem Natürlichen vor. Er sammelt seltene Bücher antiker, frühchristlicher und mittelalterlicher Autoren, die er sich zum Teil eigens auf feinstem Papier und mit erlesenen Einbänden herstellen lässt. Er widmet sich der Malerei und bevorzugt darin Odilon Redon und Gustave Moreau. Er legt sich eine Sammlung exotischer Pflanzen an, beschäftigt sich mit Edelsteinen und Düften und lässt sich spöttisch über die Religion aus. Seine liebste Lektüre sind die Werke von Flaubert, Poe und Baudelaire.

Die Handlung im Detail

Der Roman erzählt kaum eine äußere Geschichte, sondern begleitet Des Esseintes in seinem abgeschiedenen Haus von einer Liebhaberei zur nächsten. Er lebt allein für seine künstlichen Reize: für die kostbar gestalteten Bücher, für die bevorzugten Maler Odilon Redon und Gustave Moreau, für Edelsteine, Düfte und exotische Pflanzen. Diese Pflanzen kosten ein Vermögen, gehen ihm aber bald ein.

Zum Sinnbild seines lebenstötenden Stilwillens wird eine Riesenschildkröte, die er sich anschafft, um mit ihr einen seiner Teppiche zu schmücken. Weil das Tier farblich aber doch nicht zum Teppich passen will, lässt er dessen Panzer mit Gold und Edelsteinen verzieren – bis die Schildkröte an diesem Schmuck stirbt.

Sein Lebensstil ruiniert schließlich auch die eigene Gesundheit und verstärkt seine Neurosen. Des Esseintes siecht langsam dahin. Verzweifelt lässt er einen Pariser Arzt kommen, der ihn zur Rückkehr in die Gesellschaft „zwingt". Ob diese Rückkehr ihn genesen lässt, lässt der Roman offen. Der Text endet mit einem Gebet: „(…) Herr, hab Mitleid mit dem Christen, der zweifelt, mit dem Ungläubigen, der glauben will, mit dem Sträfling des Lebens, der sich nachts aufmacht, allein unter dem Firmament, das nicht mehr erleuchtet wird von den Trostfackeln der alten Hoffnung!"

Stil

Der Roman verzichtet fast ganz auf eine äußere Handlung. Statt einer fortlaufenden Geschichte reiht er Kapitel aneinander, in denen die Sammlungen, Vorlieben und Empfindungen der einen Hauptfigur ausführlich ausgebreitet werden. So entsteht weniger ein Erzählwerk im herkömmlichen Sinn als eine Folge von Betrachtungen über Bücher, Bilder, Edelsteine und Düfte. Die künstliche, überfeinerte Lebenswelt des Helden spiegelt sich in einer ebenso kunstvoll ausgestalteten Sprache. Mit dieser Form wurde das Buch zum Muster einer Dichtung, die das Erlesene und Gemachte über das Natürliche stellt.

Rezeption

Für die Vertreter von Dekadenzdichtung, Symbolismus und der Kunstauffassung des L'art pour l'art wurde der Roman rasch zu einem Kultbuch. Er markiert zugleich Huysmans' Abkehr vom realistischen Geist seiner früheren Werke. Wie stark das Buch wirkte, zeigt eine Besprechung, die Barbey d'Aurévilly am 28. Juli 1884 im Constitutionnel veröffentlichte. Dort hieß es: „Nach einem solchen Buch bleibt dem Verfasser nur noch die Wahl zwischen der Mündung einer Pistole und den Füßen des Kreuzes." In seinem zwanzig Jahre später verfassten Vorwort zitierte Huysmans diesen Satz und kommentierte ihn knapp mit den Worten: „Das ist geschehen".

Manche Wesenszüge des Helden entlehnte Huysmans dem realen Schriftsteller Robert de Montesquiou. Dieselbe Person diente später Marcel Proust als Vorbild für die Figur des Baron de Charlus in seiner Romanfolge Auf der Suche nach der verlorenen Zeit.

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