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Werkseintrag · Geh aus, mein Herz, und suche Freud
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Geh aus, mein Herz, und suche Freud
1653
– Werkseintrag –

Geh aus, mein Herz, und suche Freud

1653 · Lyrik

Paul Gerhardts Lied lädt das eigene Herz ein, hinauszugehen und in der sommerlichen Natur die Schönheit der Schöpfung zu entdecken – so wurde es zum Volkslied.

Überblick

Das geistliche Sommerlied Geh aus, mein Herz, und suche Freud stammt von Paul Gerhardt (1607–1676) und zählt zu den bekanntesten deutschen Kirchenliedern. Erstmals gedruckt wurde der Text 1653 in der fünften Auflage von Johann Crügers Gesangbuch Praxis Pietatis Melica. Das Lied ruft dazu auf, in der sommerlichen Natur die Schönheit der Schöpfung zu betrachten und darin ein Lob Gottes zu erkennen. In gekürzter Form wurde es zum Volkslied und ist bis heute in zahlreichen evangelischen Gesangbüchern verbreitet, im Evangelischen Gesangbuch mit allen fünfzehn Strophen als Lied Nr. 503.

Inhalt (ohne Spoiler)

Am Anfang steht eine Einladung: Ein Sprecher wendet sich an sein „Herz“ – zu Gerhardts Zeit die Anrede an einen geliebten Menschen – und fordert es auf, hinauszugehen und die Pracht des Sommers zu bewundern. In weit ausholenden Bildern öffnet sich der Blick auf die blühende Natur: auf Pflanzen und Blumen, auf die Tiere in Wald und Feld, auf die Gaben, von denen der Mensch lebt, auf Schafe und Bienen, auf Wein und Weizen.

Aus dieser Fülle des Betrachtens wächst nach und nach etwas anderes hervor. Der ursprüngliche Text umfasst fünfzehn Strophen und ist kunstvoll gebaut: Die Freude an der irdischen Schönheit ist erst der Anfang eines Weges, der über das Sichtbare hinausführt. Viele Abdrucke beschränken sich auf wenige Strophen und geben so vor allem das heitere Naturbild wieder, mit dem das Lied beginnt.

Die Handlung im Detail

Der Text ist sorgfältig gegliedert. Die erste Strophe beginnt mit der Anrede an das „mein Herz“ und ruft es auf, hinauszugehen und die geschmückte Sommernatur zu betrachten. Dass hier zwei Rollen sprechen – ein Sprecher und ein Angeredetes –, wird an der Wendung deutlich, die Natur habe sich „mir und dir“ ausgeschmückt.

Die Strophen zwei bis sieben schildern Gottes Schöpfung in ihrer irdischen Schönheit. Zunächst kommen die Pflanzenwelt und dann die Tiere in der freien Wildbahn in den Blick, schließlich der Mensch, der von den Gaben der Natur lebt, von Schafen und Bienen, von Wein und Weizen. In der achten Strophe, genau in der Mitte des Gedichts, spricht das lyrische Ich – wohl der Dichter im eigenen Namen – von sich selbst: Er kann und mag nicht ruhen, weil „des großen Gottes großes thun“ alle seine Sinne erweckt. Aus dem Betrachten der Schöpfung wird so ein umfassendes Lob Gottes.

Der zweite Teil verlässt den Garten im wörtlichen Sinn. In Anlehnung an die alte Lehre vom vierfachen Schriftsinn wendet er sich zunächst der überragenden Schönheit des himmlischen Gartens zu (Strophen neun bis elf). Dann geht es um die Aufgabe des irdischen Lebens: Gott zu loben und „Glaubensfrüchte“ zu bringen (Strophen zwölf bis vierzehn). Die Naturbilder werden dabei zu Sinnbildern, etwa in der Bitte, Gott möge helfen, „dass ich dir werd ein guter Baum“, oder dass der Sprecher „deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben“. Die letzte Strophe bindet „hier und dort“ zusammen und mündet in die Selbstverpflichtung zu ewigem Dienen, das „dir und deiner Ehr / und sonsten keinem mehr“ gelten soll.

Viele Abdrucke beschränken sich auf die Strophen eins bis drei und acht. In dieser verkürzten Gestalt hat sich das Lied zum Volkslied verselbständigt und wird oft ohne den geistlichen Schlussteil gesungen.

Stil

Kennzeichnend ist der klare, anschauliche Bau des Textes. In der originalen Fassung umfasst er fünfzehn Strophen, die einem durchdachten Aufbau folgen: von der Anrede über die Betrachtung der irdischen Natur bis hin zum Blick auf den himmlischen Garten und die Aufgabe des Menschen. Die genaue Mitte des Gedichts markiert den Wendepunkt, an dem das lyrische Ich von der Schau der Schöpfung zum eigenen Lobpreis übergeht.

Gerhardt schöpft aus einem reichen Vorrat sinnlicher Bilder – Blumen, Bäume, Tiere, die Gaben von Wein und Weizen. Im zweiten Teil verwandeln sich diese Bilder in Sinnbilder: Der Mensch soll selbst zum guten Baum werden und „Glaubensfrüchte“ bringen. So verbindet der Text die freudige Betrachtung der Natur mit geistlicher Deutung. Der Aufbau lehnt sich an die alte Lehre vom vierfachen Schriftsinn an, die vom wörtlichen Bild zum geistlichen und himmlischen Sinn fortschreitet.

Rezeption

Von seiner Erstveröffentlichung an fand das Lied weite Verbreitung. Es war in allen weiteren vierzig Auflagen des Praxis pietatis melica abgedruckt und erschien erstmals 1704 in einem Gesangbuch. Im 19. Jahrhundert wurde es, meist auf die erste Hälfte gekürzt, zum Volkslied und gelangte seit der Jahrhundertmitte in zahlreiche Gesangbücher der evangelischen Landes- und Freikirchen. In katholischen Gesangbüchern fand es dagegen kaum Berücksichtigung.

Der Text wurde im Lauf der Zeit immer wieder mit neuen Melodien verknüpft; Günter Balders hat vierzig Melodien nachgewiesen. Die heute bekannteste stammt von August Harder (1775–1813), der sie ursprünglich für ein Gedicht von Ludwig Hölty komponiert hatte; erst Friedrich Eickhoff verband sie 1836 mit Gerhardts Text. Ihr beschwingter, fröhlicher Ton trug viel zur Beliebtheit des Liedes bei. Aus dem Lied erwuchsen eigene Kompositionen, etwa 1948 die Geistliche Sommermusik des Dresdner Kreuzkantors Rudolf Mauersberger.

Auch über den deutschen Sprachraum hinaus wirkte das Lied. Eine dänische Übersetzung von 1855 gelangte in dänische Kirchengesangbücher. Die schwedische Fassung „I denna ljuva sommartid“ ist dort ein beliebtes Mittsommerlied, das häufig zu Beginn der Sommerferien gesungen wird. Die anhaltende Beschäftigung mit dem Dichter zeigt sich bis in die Gegenwart, etwa im Rückblick auf seinen 350. Todestag.

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