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Werkseintrag · Genji Monogatari
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Cover Genji Monogatari
Genji Monogatari
– Werkseintrag –

Genji Monogatari

· Roman

Ein bezaubernder Prinz, unzählige Liebschaften und ein Hofleben zwischen Schönheit und Vergänglichkeit – erzählt von einer japanischen Hofdame vor über tausend Jahren.

Überblick

Das Werk Genji Monogatari, zu Deutsch „Die Geschichte vom Prinzen Genji", gilt als der erste psychologische Roman der japanischen Literaturgeschichte. Zugeschrieben wird es der Hofdame Murasaki Shikibu, die etwa von 978 bis 1014 lebte. Gelegentlich wird das Buch sogar als einer der frühesten Romane der Weltliteratur überhaupt bezeichnet – das ist allerdings umstritten. In Japan hat die Erzählung einen festen Platz in der Kultur und zählt zu den Werken von herausragendem Rang.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht Genji, der spätgeborene Sohn eines alternden Tennō, des japanischen Kaisers. Der Vater liebt ihn, kann ihn aber nicht über seinen rechtmäßigen Erben stellen. Deshalb wird Genji aus der kaiserlichen Familie ausgegliedert und dem Adelsgeschlecht der Minamoto zugeordnet, das ebenfalls Genji genannt wird. Er muss nicht arbeiten und widmet seine Zeit den schönen Künsten – dem Malen, der Dichtung und der Kalligrafie – sowie sportlich-militärischen Übungen.

Schon früh erwacht sein Interesse am anderen Geschlecht, und dank seiner hohen Stellung kann er seinen Neigungen nachgeben. So beginnt eine lange Reihe sehr unterschiedlicher Liebschaften. Eines Tages begegnet ihm ein junges Mädchen namens Murasaki, das ihn sofort fesselt: Sie ist die Nichte einer Hofdame, die er einst verehrt hat, und dieser zum Verwechseln ähnlich. Auf diese Weise entfaltet das Buch das Bild eines begabten, charmanten Mannes, den es von einer Frau zur nächsten treibt und dem es sein Leben lang nicht gelingt, einer einzigen treu zu bleiben.

Die Handlung im Detail

Genji wächst als bevorzugter, aber nicht erbberechtigter Kaisersohn auf und wird in das Geschlecht der Minamoto ausgegliedert. Von hoher Stellung und ohne Pflichten, verbringt er sein Leben mit den Künsten und mit zahlreichen Liebschaften. Unter den Frauen, die ihn beschäftigen, ist ein Mädchen namens Murasaki, das ihn besonders anzieht, weil es einer früher von ihm verehrten Hofdame gleicht.

Nachdem der alte Tennō abgedankt hat, gerät Genji in Konflikt mit dem neuen Kaiser und vor allem mit dessen Mutter. Sie war einst zugunsten von Genjis Mutter vernachlässigt worden. Genji zieht sich freiwillig in die Verbannung zurück, darf aber später an den Hof zurückkehren. Fern der Hauptstadt geht er eine Beziehung ein und zeugt sein erstes Kind, kann seine Geliebte jedoch nicht mit an den Hof nehmen.

Wieder in seiner alten, gehobenen Stellung, setzt Genji seine Abenteuer fort. Er nimmt Murasaki zu sich und erzieht sie zunächst wie ein eigenes Kind, macht sie dann aber doch zu seiner Geliebten. Auch weiterhin bleibt er keiner Frau treu; oft beherbergt er mehrere Damen zugleich in seinem Haus, die wirtschaftlich von ihm abhängen. Ein Kapitel schildert nebenbei, wie man sich am Hof mit Musik und improvisierter Dichtung unterhält.

Nach Murasakis Tod scheint Genji seinen Lebenswillen zu verlieren. Das Kapitel Maboroshi kreist um seine Gedanken über die Vergänglichkeit. Wann und wie er stirbt, erzählt das Buch nicht: Das folgende Kapitel Kumogakure trägt zwar einen Titel, bleibt aber ohne Text – wahrscheinlich hat die Autorin es bewusst so angelegt.

Das letzte Viertel des Werks, die sogenannten „Uji-Kapitel", spielt nach Genjis Tod. Im Mittelpunkt stehen nun Niou, sein Enkel, und Kaoru, der als Genjis Sohn gilt. Ihre Geschichte bricht jedoch unvermittelt ab, ohne einen richtigen Schluss.

Stil

Geschrieben ist der Roman in klassischem Japanisch. Diese Sprache unterscheidet sich zwar weniger vom heutigen Japanisch als das Mittelhochdeutsche vom heutigen Deutsch, dennoch ist das Buch für heutige Leser in Japan nahezu unlesbar. Das liegt an der verwickelten Grammatik, die ganz von Höflichkeitsformen durchzogen ist, und daran, dass vieles nur angedeutet wird.

Besonders auffällig ist, dass fast keine Figur beim Namen genannt wird, denn das galt als unhöflich. Männer werden über ihren Rang bezeichnet, Frauen über Verwandtschaft oder Kleidung, andere Personen nur über das, was zuvor im Gespräch gesagt wurde. So fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Hinzu kommt eine Gewohnheit der Heian-Zeit: In Gesprächen spielt man auf bekannte Gedichte an, oft nur in Bruchstücken und meist in der knappen Tanka-Form. Wer diese alten Verse nicht kennt, versteht häufig nicht, worauf ein Sprecher hinauswill.

Um diese Hürden zu überwinden, gibt es zwei verbreitete Wege. Einerseits erscheinen Originaltexte mit ausführlichen Anmerkungen, andererseits modernisierte Fassungen, in denen die Figuren mit Namen versehen werden. Genjis erste Ehefrau etwa ist herkömmlich als Aoi bekannt – nach dem Titel des Kapitels, in dem sie stirbt.

Rezeption

Bis heute nimmt die Erzählung einen festen Platz in der japanischen Kultur ein und gilt dort als Werk von herausragendem Rang. Über die Jahrhunderte hat sie Künstler immer wieder angeregt. Schon früh entstanden kostbare illustrierte Bildrollen, die Szenen des Romans festhalten; später bildete sich mit den Genji-Bildern (Genji-e) sogar ein eigenes Kunstgenre heraus, und die Stoffe fanden Eingang in Serien japanischer Farbholzschnitte.

Auch die moderne Unterhaltung hat den Stoff aufgegriffen. So entstanden ein Anime-Film aus dem Jahr 1987 und eine Anime-Fernsehserie von 2009 sowie mehrere Manga-Fassungen. Über die Frage, ob es sich um einen der frühesten Romane der Weltliteratur handelt, wird bis heute gestritten. In Japan selbst jedoch ist der Rang des Buches seit jeher unbestritten.

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