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Werkseintrag · Sonnenfinsternis
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Cover Sonnenfinsternis
Sonnenfinsternis
1940
– Werkseintrag –

Sonnenfinsternis

1940 · Roman

Ein alter Revolutionär sitzt im Gefängnis seiner eigenen Partei und soll Verbrechen gestehen, die er nie begangen hat – Arthur Koestlers Roman über die Stalinschen Säuberungen.

Überblick↑

Der Roman Sonnenfinsternis von Arthur Koestler erschien 1940 und gilt als sein bekanntestes Buch. Er spielt in der Zeit der Stalinschen Säuberungen der 1930er Jahre. Im Zentrum steht die Frage, warum alte Revolutionäre sich selbst verleugneten und „Verbrechen“ gestanden, die sie nie begangen hatten. Aus der Kommunistischen Partei war Koestler 1938 ausgetreten; das Buch wurde seine öffentliche Abrechnung.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht N. S. Rubaschow, ein Mann der ersten Revolutionsgeneration. Man wirft ihm konterrevolutionäre Verbrechen vor, und er gerät in die Mühlen der stalinistischen Geheimpolizei. In der Haft beginnt ein langes Verfahren, das aus Verhören, scharfsinnigen Streitgesprächen, Schlafentzug und den eigenen Gedanken des Gefangenen besteht. Rubaschow denkt über sein Leben nach, über die Partei, der er alles unterstellt hat, und über die Menschen in seiner Nähe. Je länger die Haft dauert, desto mehr verschiebt sich die Frage: Es geht nicht mehr darum, was wirklich geschehen ist, sondern darum, was die Sache der Revolution verlangt.

Die Figuren tragen russische Namen. Russland und die Sowjetunion werden als Handlungsorte jedoch nie genannt. Über die Vorbilder der Hauptfigur wurde viel gerätselt: Genannt wurden die Lebensgeschichten von Karl Radek und Nikolai Bucharin. Vor allem aber verarbeitete Koestler eigene Erfahrungen, die er als Gefangener der Franco-Truppen im Spanischen Bürgerkrieg machen musste.

Die Handlung im Detail↑

Der Weg des Gefangenen N. S. Rubaschow führt durch einen vielschichtigen Vorgang, in dem sich geistige Auseinandersetzung, Schlafentzug und moralische Selbstprüfung mischen. Der Verhörer Gletkin setzt ihm dabei mit greller Lampe zu. Schritt für Schritt wird er dazu gebracht, öffentlich zu bekennen, er habe mehrere Verbrechen gegen den Staat begangen.

Den Entschluss zu diesen Geständnissen fasst Rubaschow aus zwei Gründen. Zum einen hofft er noch immer, den Idealen der Revolution damit zu dienen. Zum anderen führen ihn seine eigenen Überlegungen zu dem Ergebnis, er habe den Menschen, die ihm nahestanden, durch sein Verhalten Leid und Qualen zugefügt. Das öffentliche Geständnis ist also nicht einfach erzwungen, sondern Ergebnis eines Denkens, das sich selbst die Schuld zuspricht.

Am Ende wird Rubaschow hingerichtet, ebenso Iwanow, der ihn zuerst verhört hat.

Stil↑

Angelegt ist der Roman als Gefängnisgeschichte, die ihre Spannung nicht aus äußerer Handlung bezieht, sondern aus Verhör und Gedanken. Intellektuelle Argumentation, körperliche Zermürbung und moralische Reflexion greifen ineinander und treiben die Figur voran. Auffällig ist die bewusste Unbestimmtheit des Ortes: Die Namen sind russisch, das Land bleibt ungenannt. So wird der Fall des Einzelnen zum Modell für ein System.

Verwickelt ist auch die Textgeschichte des Buches. Die deutsche Urfassung galt als verschollen. Die deutschsprachigen Ausgaben vor 2018 sind daher Rückübersetzungen aus dem Englischen. Die englische Fassung von 1940 hatte Daphne Hardy aus dem Deutschen übersetzt. Koestler selbst übertrug den Text 1946 zurück ins Deutsche.

Rezeption↑

Zahlreiche Vertreter der Linken in Europa und Amerika nahmen damals an, bei den Moskauer Prozessen liege das Recht auf Seiten der sowjetischen Ankläger.

Bald wurde jedoch deutlich, dass Koestler sich an tatsächlichen Geschehnissen orientiert hatte. Der Roman wurde in über dreißig Sprachen übersetzt. Besonderes Aufsehen erregte die französische Ausgabe von 1945 unter dem Titel Le Zéro et l'Infini. Die Kommunistische Partei Frankreichs soll ihre Mitglieder angewiesen haben, alle Exemplare aufzukaufen.

Eine überraschende Wendung nahm die Geschichte des Textes im Jahr 2015. Matthias Weßel, damals Doktorand bei Peter Seibert an der Universität Kassel, entdeckte das verloren geglaubte Originalmanuskript in der Zentralbibliothek Zürich. Der wiedergefundene deutsche Originaltext erschien 2018 im Elsinor Verlag. Das Vorwort schrieb Michael Scammell, das Nachwort Matthias Weßel. Auch Bühne und Rundfunk nahmen sich des Stoffes an. Sidney Kingsley brachte 1951 in New York eine Dramatisierung heraus. 1992 entstand unter der Regie von Christian Gebert eine Hörspielfassung für HR und MDR.

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