Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Werkseintrag · Unterwegs
Eingang · Werke · Unterwegs
Cover Unterwegs
Unterwegs
1957
– Werkseintrag –

Unterwegs

1957 · Roman

Zwei junge Männer trampen, per Bus und im gestohlenen Auto quer durch Amerika bis nach Mexiko, auf der Suche nach Bebop, Rausch und einem Leben außerhalb aller bürgerlichen Regeln.

Überblick↑

Der Roman Unterwegs von Jack Kerouac erschien 1957 unter dem Originaltitel On the Road. Er gilt als Manifest der Beatniks und zählt zu den wichtigsten Texten der Beat Generation. Erzählt wird von jungen Männern, die kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten und bis nach Mexiko fahren. Das Buch trägt stark autobiografische Züge: Viele Figuren gehen auf Menschen aus Kerouacs eigenem Umfeld zurück.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt stehen zwei junge Männer: Dean Moriarty und der Erzähler Sal Paradise. Gemeinsam brechen sie immer wieder zu Reisen quer durch die USA auf. Sie trampen, springen auf Güterzüge auf, fahren mit Greyhound-Bussen, auf Lastwagen-Pritschen oder in gestohlenen Autos. Ihre Route führt von New York City über Chicago und Denver nach Kalifornien, später nach New Orleans und schließlich nach Mexiko.

Was sie suchen, ist der Rausch, die Musik und die Begegnung mit Frauen. Als Hipster hören sie nicht den gängigen Mainstream-Jazz, sondern den neuen, härteren Bebop. Der Roman lässt sich mit der Formel „Sex, Drugs ’n’ Jazz“ umreißen.

Interessant ist dabei vor allem der Blick von außen auf die amerikanische Gesellschaft der späten 1940er und frühen 1950er Jahre. Sichtbar werden die Abweichungen von der Norm und das Lebensgefühl jugendlicher Außenseiter, die den Rest der Gesellschaft aus ihrer eigenen Perspektive betrachten.

Die Handlung im Detail↑

Erzählt wird die Geschichte von Sal Paradise, der von Dean Moriarty in ein unstetes Leben hineingezogen wird. Die beiden begeben sich auf mehrere Reisen durch die USA und bis nach Mexiko. Sie geben sich dem Rausch hin, den Frauen und dem Jazz. Als Hipster hören sie dabei nicht den gängigen Mainstream-Jazz, sondern den neuen, härteren Bebop.

Die Fortbewegung selbst bestimmt den Rhythmus des Buches. Die beiden trampen, springen auf Güterzüge auf, fahren mit Greyhound-Bussen, auf Lastwagen-Pritschen oder mit gestohlenen Autos quer über den nordamerikanischen Kontinent und wieder zurück. Die Stationen sind New York City, Chicago, Denver und Kalifornien, danach New Orleans und zuletzt Mexiko.

Im Zentrum steht weniger ein Ziel als eine Haltung. Der Roman zeigt, wie stark die beiden von der Norm der amerikanischen Gesellschaft der späten 1940er und frühen 1950er Jahre abweichen. Er hält das Lebensgefühl jugendlicher Außenseiter fest und zugleich deren Blick auf alle anderen.

Joyce Johnson, die zwischen 1957 und 1958 eine Beziehung mit Kerouac einging, fühlte sich beim Grundschema des Romans an Mark Twains Die Abenteuer des Huckleberry Finn erinnert. Sal entspricht dabei Tom Sawyer, denn beide wohnen wohlbehütet bei gutbürgerlichen Tanten. Dean wäre die Entsprechung zu Huck Finn: beide sind Outlaws, die auf einen bürgerlichen Jungen großen Eindruck machen und ihn zum Mitreisen bewegen. An die Stelle des Floßes traten hier modernere Fahrzeuge.

Als Schlüsselroman lässt das Buch viele Figuren auf reale Personen zurückführen. Dean Moriarty entspricht Neal Cassady, Carlo Marx ist Allen Ginsberg, Old Bull Lee ist William S. Burroughs, Tom Saybrook ist John Clellon Holmes und Elmo Hassel ist Herbert Huncke. Der Erzähler Sal Paradise steht für Kerouac selbst. Kurz vor seinem Tod plante Kerouac eine Gesamtausgabe seines Werkes, auf deren Einband die realen Vorbilder genannt werden sollten. Zu seinen Lebzeiten kam diese Ausgabe nicht mehr zustande. Erst 2007 wurde die originale Schriftrolle mit den echten Namen veröffentlicht. Eine deutsche Übertragung dieser Urfassung durch Ulrich Blumenbach erschien 2010.

Stil↑

Auffällig an diesem Buch ist die klare und gelassene Sprache des Erzählers und der Figuren. Darin unterscheidet es sich von anderen, weit komplizierteren Texten Kerouacs. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive Sal Paradises, der die Fahrten und die Menschen aus nächster Nähe schildert. Die Form folgt der Bewegung: Reise reiht sich an Reise, Ort an Ort, quer über den Kontinent und wieder zurück. Der Bebop, den die Figuren hören, gibt dem Erzählen sein Tempo vor.

Rezeption↑

Als Manifest der Beatniks wurde der Roman zu einem der wichtigsten Texte der Beat Generation. Seine besondere Stellung innerhalb von Kerouacs Werk verdankt er der klaren und gelassenen Sprache. Sie machte das Buch einem größeren Leserkreis zugänglich als andere, sehr komplizierte und vom Umgang mit harten Drogen geprägte Texte des Autors, etwa Be-bop, Bars und weißes Pulver von 1958.

Der Roman spiegelt Kerouacs Überzeugung, dass die amerikanische Zivilisation die schöpferischen Kräfte des Menschen verkümmern lässt. Aus Sicht der Beatniks sind das die elementar-animalischen, zugleich aber auch die ursprünglich-seelischen Kräfte. Ursula Brumm deutet die Absage an die Gesellschaft in ihrer Interpretation als einen Akt der „künstlerischen Befreiung“. Es gehe um die „Realisierung eines eigenen außergesellschaftlichen Lebensstils, mit eigenem Rhythmus, eigenen Idealen und Werten, die in allen Zügen das Gegenbild zu denen der bestehenden Gesellschaft sind“.

Die Nachwirkung reicht bis in die Gegenwart. 2007 erschien die originale Schriftrolle mit den realen Namen, 2010 folgte die deutsche Übertragung dieser Urfassung. Walter Salles verfilmte den Stoff 2012 unter dem Titel On the Road – Unterwegs.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten