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Autoreneintrag · Jack Kerouac
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Porträt Jack Kerouac
Jack Kerouac
1922 – 1969
– Autorenporträt –

Jack Kerouac

1922 – 1969 · 47 Jahre

Jack Kerouac, eine der zentralen Figuren der amerikanischen Autorengruppe Beat Generation, brachte mit seinem Roman „On the Road“ das rastlose Amerika der Nachkriegsjahre in eine atemlose, vom Jazz geprägte Sprache.

Kurzbiografie↑

Jack Kerouac gilt als eine der zentralen Gestalten der Beat Generation, jener amerikanischen Autorengruppe, die mit ihrem rastlosen Lebensgefühl bekannt wurde. Geboren 1922 in Lowell im US-Bundesstaat Massachusetts, wuchs er in einer franko-kanadischen Familie auf und lernte Englisch erst mit der Einschulung. Sein Roman On the Road, deutsch Unterwegs, entstand 1951 und erschien 1957; er wurde zu seinem Durchbruch und zum Höhepunkt seiner Laufbahn. Kerouac schrieb in einer atemlosen, vom Jazz und von der gesprochenen Sprache geprägten Weise, die er selbst „spontaneous prose“ nannte. Der Ruhm bekam ihm schlecht: Er zog sich zurück, trank und starb 1969 mit 47 Jahren.


Biografie↑

Aufgewachsen ist Jack Kerouac, eigentlich Jean-Louis Lebris de Kérouac, in Lowell im Bundesstaat Massachusetts, wo er am 12. März 1922 zur Welt kam. Seine Familie war franko-kanadischer Herkunft und römisch-katholisch. Zu Hause sprach man den französischen Dialekt Joual; Englisch lernte der Junge erst, als er in die Schule kam. Früh traf ihn ein schwerer Verlust: Sein älterer Bruder Gérard starb 1926, da war Jack vier Jahre alt. Diesen Tod versuchte er später in Visions of Gerard zu verarbeiten. Sein Vater Leo Kerouac starb im Mai 1946.

Als guter Football-Spieler erhielt Kerouac 1940 ein Stipendium für die Columbia University in New York. Dort lernte er Allen Ginsberg und William S. Burroughs kennen. Aus diesem Kreis bildete sich der Kern der Beat Generation, die als erste Vertreter der Popliteratur gilt. Ein Beinbruch beendete Kerouacs Universitätszeit. Er ging zur amerikanischen Handelsmarine, nachdem ihn die Kriegsmarine abgewiesen hatte. 1943 wechselte er doch noch zur United States Navy, wurde dort aber schon im folgenden Jahr als paranoid-schizophren eingestuft und entlassen. Spuren dieser Zeit auf See finden sich in The Sea is my Brother.

Zwischen den Seereisen kehrte er stets zu seinen Studienfreunden nach New York zurück. Dort traf er Ginsberg, Burroughs, Lucien Carr und Neal Cassady. Diese Freunde beeinflussten ihn und prägten sein stark autobiografisch gefärbtes Werk mit. Es waren seine wildesten Jahre, mit Wein, Drogen, sexuellen Abenteuern und Reisen durch die USA, Mexiko, Nordafrika und Europa. Aus diesen Fahrten wuchsen später seine Romane. Auch der Bebop und der Zen-Buddhismus begeisterten ihn; in einem Nachruf nannte er den Jazzmusiker Charlie Parker einen „Buddha“.

1944 heiratete er Edie Parker. Diese erste von insgesamt drei Ehen hielt nur zwei Monate. Von 1946 bis 1948 arbeitete er an dem Roman The Town and the City, der 1950 erschien. Das Buch bekam gute Kritiken, machte seinen Verfasser aber kaum bekannt.

Zwischen 1947 und 1950 fuhr Kerouac gemeinsam mit Neal Cassady kreuz und quer durch das Land. Cassady, den viele für verrückt hielten, verkörperte für ihn ein romantisches Bild von Amerika: rastlos, abenteuerlustig, sexuell überaktiv, ein Cowboy, der das Pferd gegen ein Auto getauscht hat. Am Steuer saß Kerouac dabei meist nicht. Er war lieber Beifahrer und Beobachter.

Für all das Erlebte fand er zunächst keine Sprache. Die wilden Partys, die Rastlosigkeit, die künstlerischen Visionen der Freunde, das Leben aus Gelegenheitsjobs und Kunst: nichts davon ließ sich mit den vertrauten Mitteln fassen. Erst der frische, ekstatische Ton, in dem Cassady ihm Briefe schrieb, wies ihm den Weg. So entstand 1951 On the Road. Das Manuskript tippte er in nur drei Wochen auf eine Rolle Fernschreiberpapier, um während des Schreibens nicht ständig das Blatt wechseln zu müssen. In einem Brief an Cassady verband er die lange Papierbahn zudem mit der Landstraße, von der das Buch handelt. Veröffentlicht wurde der Roman allerdings erst 1957.

Mit On the Road kam der Durchbruch, und mit ihm der Höhepunkt seiner Laufbahn. Kerouac wurde zur zentralen Figur der Beat Generation und für Verleger interessant. Eine Zeit lang konnte er vom Schreiben leben, wenn auch nicht üppig.

Der Ruhm leitete zugleich seinen Niedergang ein. Fans verfolgten ihn und wollten ständig mit ihm trinken und herumfahren, seine Freunde Ginsberg und Burroughs waren irgendwo unterwegs. Er versank zunehmend im Alkohol und flüchtete sich immer öfter in das Haus seiner Mutter. Die ihm aufgedrängte Rolle als „King of the Beats“ stieß ihn ab, weil niemand verstand, was er unter Literatur und spontaner Schreibweise verstand. Er litt unter ständiger Geldnot, zog mit seiner Mutter mehrfach von Florida an die Westküste und wieder zurück, trank regelmäßig und baute körperlich sichtbar ab.

1966 heiratete er zum dritten Mal, und zwar Stella Sampas, die Schwester eines Jugendfreundes. Mit ihr und seiner Mutter zog er zunächst in seine Heimatstadt Lowell, danach nach Saint Petersburg in Florida. Dort starb er, von Alkohol und anderen Drogen gezeichnet, am 21. Oktober 1969. In den Nachschlagewerken wird der Sterbeort unterschiedlich angegeben: Wikidata nennt schlicht St. Petersburg, die Deutsche Nationalbibliothek Saint Petersburg in Florida. An der Beerdigung nahm unter anderem Bob Dylan teil. Sein Grab liegt auf dem Edson Cemetery in Lowell; das Grabmal ist im Musikvideo zu Dylans Lied Series of Dreams aus dem Jahr 1989 zu sehen.


Literarische Merkmale↑

Hektisch und atemlos ist Kerouacs Phrasierung, und genau darin liegt sein Erkennungszeichen. Es gibt bei ihm Sätze, die über sieben oder acht Zeilen laufen, manchmal füllen sie eine ganze Seite. Viele Leser fühlen sich dabei an die Improvisationen der Jazzmusik erinnert. Das kommt nicht von ungefähr, denn Kerouac schreibt in seinen Büchern immer wieder über Jazz und Jazzmusiker.

Den Weg zu diesem Ton fand er nicht am Schreibtisch, sondern in Briefen. Der frische, ekstatische Stil, in dem Neal Cassady ihm schrieb, zeigte ihm, wie sich das Lebensgefühl seiner Jahre auf dem Papier festhalten ließ. Er selbst nannte seine Schreibweise „spontaneous prose“, also spontane Prosa. Der äußere Umstand passt dazu: On the Road tippte er in drei Wochen auf eine durchlaufende Rolle Fernschreiberpapier, damit ihn der Papierwechsel nicht aus dem Fluss brachte.

Seine Bücher sind stark autobiografisch gefärbt. Die Reisen durch die USA, Mexiko, Nordafrika und Europa, die Freunde aus dem New Yorker Kreis, der Tod des Bruders: All das ging unmittelbar in die Romane ein. Prägend war zudem, was ihn außerhalb der Literatur begeisterte, der Bebop und der Zen-Buddhismus. Die Sprache selbst ist rhythmische Umgangssprache, kein gepflegtes Schriftdeutsch amerikanischer Art.


Rezeption↑

Aufgenommen wurde Kerouac zu Lebzeiten von der Literaturkritik überwiegend schlecht. Sein Erstling The Town and the City bekam zwar gute Besprechungen, brachte ihm aber kaum Bekanntheit. Nach dem Durchbruch mit On the Road wurde er ignoriert, verrissen und verlacht; Truman Capote tat seine Bücher als „Geschreibsel“ ab.

Umso stärker wirkte er außerhalb der Feuilletons. Kerouac wurde zur zentralen Figur der Beat Generation, deren Vertreter als erste Autoren der Popliteratur gelten. Genau dieser Ruhm wurde ihm zur Last. Die Medien sahen in den Beats vor allem junge Männer und Frauen, die ein Rumtreiberleben führten, Drogen nahmen und seltsamen Vorstellungen von der Freiheit Amerikas nachhingen. Rasch entstand daraus eine Karikatur: der bongospielende Rumhänger und Kiffer im Ringelshirt mit Ziegenbart, wie ihn Filme und Fernsehserien zeigten. Man konnte „Beatniks“ für Partys buchen. Die Kommerzialisierung dieser literarischen Jugendbewegung nahm überhand, und Kerouac wurde darüber immer verbitterter.

Seine Nachwirkung reicht weit über die Literatur hinaus. Bob Dylan nahm an seiner Beerdigung teil, und Kerouacs Grabmal in Lowell erscheint im Musikvideo zu Dylans Lied Series of Dreams von 1989. Wie hoch sein Werk heute gehandelt wird, zeigt die Fernschreiberrolle mit dem Manuskript von On the Road: Sie wurde bei einer Auktion des Hauses Christie’s für 12,135 Millionen US-Dollar versteigert, ein Rekordergebnis für ein literarisches Manuskript.

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