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Werkseintrag · Ginga Tetsudō no Yoru
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Cover Ginga Tetsudō no Yoru
Ginga Tetsudō no Yoru
1934
– Werkseintrag –

Ginga Tetsudō no Yoru

1934 · Roman

Ein armer Junge blickt vom Hügel zur Milchstraße hinauf und findet sich im nächsten Augenblick mit seinem einzigen Freund in einem Dampfzug wieder, der quer durch die Sterne fährt.

Überblick↑

Der Roman Ginga Tetsudō no Yoru von Miyazawa Kenji entstand um 1927 und gehört zu den bekanntesten Werken der japanischen Literatur. Der Autor starb 1933 im Alter von 37 Jahren; erst danach erschien das Buch 1934 in Tokio im Rahmen einer Werkausgabe. Es umfasst neun Kapitel und liegt in vier bekannten Fassungen vor, von denen die letzte bei japanischen Lesern die verbreitetste ist. Auf Deutsch ist es unter dem Titel Eine Nacht in der Milchstraßenbahn erschienen. Der Titel wird auch als Night Train to the Stars oder Milky Way Railroad wiedergegeben.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht Giovanni, ein einsamer Junge. Seine Mutter liegt krank im Bett, der Vater ist fort: Die einen sagen, er sei auf einer langen Fischfangreise, die anderen, er sitze im Gefängnis. Nach der Schule verdient Giovanni etwas Geld dazu, unter anderem als Helfer beim Schriftsetzer in einer Druckerei. Auch seine Schwester trägt zum Unterhalt bei. Die Mitschüler verspotten ihn, weil er einmal gesagt hat, sein Vater komme bald zurück und bringe ihm einen Mantel aus Otterfell mit.

Im Unterricht fragt der Lehrer, woraus die Milchstraße besteht. Giovanni weiß die Antwort, denn er hat darüber im Haus seines einzigen Freundes Campanella gelesen. Doch er ist zu schüchtern, um sie zu geben. Am Abend bereiten sich die anderen auf das Sternenfest vor. Giovanni geht auf einen Hügel und legt sich dort nieder. Während er zur Milchstraße hinaufblickt, findet er sich plötzlich mit Campanella in einem Dampfzug wieder, der durch die Galaxie fährt. Die Reise führt am Nordkreuz vorbei und über mehrere Stationen. Die beiden Jungen sehen erstaunliche Dinge und begegnen ungewöhnlichen Menschen.

Die Handlung im Detail↑

Giovanni lebt mit seiner kranken Mutter und seiner Schwester in ärmlichen Verhältnissen. Der Vater ist abwesend. Nach der Schule arbeitet der Junge, um Essen kaufen zu können. Seine Mitschüler ziehen ihn immer wieder mit dem versprochenen Otterfell-Mantel auf.

Als der Lehrer im Naturkundeunterricht nach der Milchstraße fragt, weiß Giovanni, dass sie aus Sternen besteht. Er hat es bei seinem Freund Campanella nachgelesen, traut sich aber nicht zu antworten. Auch Campanella schweigt, als er aufgerufen wird, um Giovanni die Blamage zu ersparen.

Am Abend rüsten die anderen zum Sternenfest. Giovanni erfährt, dass an diesem Tag keine Milch geliefert wurde, und geht zur Molkerei, um welche für die Mutter zu holen. Die alte Frau dort vertröstet ihn auf später. Auf dem Weg trifft er seine Mitschüler, die ihn erneut verhöhnen. Campanella ist unter ihnen und blickt ihn mitfühlend an. Giovanni steigt allein auf einen nahen Hügel und legt sich an den Fuß eines sogenannten Wetterrads. Beim Blick zur Milchstraße sitzt er unversehens mit Campanella in einem Dampfzug.

Der Zug fährt am Nordkreuz vorbei und quer durch die Galaxie, mit mehreren Halten. Ein Schaffner kontrolliert die Fahrkarten. Campanella und die übrigen Fahrgäste zeigen ihre Tickets, Giovanni reicht einen Zettel hin, den er in seiner Tasche findet. Es stellt sich heraus, dass es eine seltene Fahrkarte ist, die überallhin gilt. Die Jungen sehen wunderbare Dinge und begegnen verschiedenen Menschen: Gelehrten, die ein Fossil aus weißem Kristallsand freilegen, einem Mann, der Reiher fängt und als Süßigkeiten verkauft, und Passagieren der Titanic. Ein Kind erzählt die Geschichte hinter dem Sternbild Skorpion. Ein Skorpion, der Insekten jagte, floh vor einem Wiesel und fiel in einen Brunnen. Dort bereute er, sich nicht geopfert zu haben, um das Wiesel zu ernähren. Er gelobte, im nächsten Leben anderen zu dienen, und sein Körper ging in Flammen auf, die noch heute am Nachthimmel brennen.

Am Kreuz des Südens steigen die übrigen Fahrgäste aus, um in den christlichen Himmel zu gehen. Nur Giovanni und Campanella bleiben zurück. Giovanni sagt, sie sollten für immer zusammen weiterreisen, und gelobt, dem Beispiel des Skorpions zu folgen und anderen Glück zu bringen. Als der Zug sich dem Kohlensack nähert, sieht Campanella seine Mutter auf einer Wiese auf ihn warten, im wahren Himmel seines Glaubens. Giovanni kann sie nicht sehen. Campanella verschwindet aus dem Zug, und Giovanni bleibt weinend zurück.

Er erwacht unter Tränen auf dem Hügel. Er geht zur Molkerei und holt die Milch. Dort, wo seine Mitschüler aufgebrochen waren, steht eine Menschenmenge. Man erzählt ihm, einer der Jungen sei aus dem Boot in den Fluss gefallen und Campanella sei hinterhergesprungen, um ihn zu retten. Giovanni spricht mit Campanellas Vater. Der sagt, sein Sohn sei zu lange im Wasser, es gebe keine Rettung mehr. Zugleich berichtet er von einem Brief seines Freundes, Giovannis Vater, der seine baldige Heimkehr ankündigt. Giovanni macht sich auf den Heimweg, um der Mutter die Milch und diese Nachricht zu bringen.

Stil↑

Als Fantasy angelegt, verbindet der neunkapitlige Roman eine schlichte Alltagsschilderung mit einer Traumreise durch den Sternenhimmel. Der Übergang zwischen beiden Ebenen geschieht ohne Ankündigung: Giovanni blickt zur Milchstraße hinauf und sitzt im nächsten Augenblick im Zug. Die Fahrt ist als lose Folge von Stationen und Begegnungen gebaut, jede mit einem eigenen kleinen Bild oder einer eingelegten Geschichte, wie der Erzählung vom Skorpion. Auffällig ist die Mischung der Bezugswelten: europäisch klingende Namen wie Giovanni und Campanella, christliche Vorstellungen vom Himmel, astronomische Begriffe wie Nordkreuz und Kohlensack sowie ein Verweis auf den Untergang der Titanic. Dass vier Fassungen des Textes bekannt sind, zeigt, wie lange der Autor an dieser Form gearbeitet hat.

Rezeption↑

Zu Lebzeiten seines Verfassers blieb das Buch ungedruckt. Erst 1934 kam es im Rahmen einer Werkausgabe heraus. Miyazawa Kenji, 1896 in Hanamaki in der Präfektur Iwate geboren, zählt heute zu den bekanntesten und beliebtesten Autoren Japans; bis zu seinem Tod 1933 schrieb er zahlreiche Gedichte und Erzählungen. Von den vier überlieferten Fassungen des Romans ist die letzte bei japanischen Lesern die geläufigste.

Das Werk wurde vielfach bearbeitet: 1985 als Anime-Film unter der Regie von Gisaburō Sugii, außerdem als Comic, als Bühnenmusical und als Theaterstück. Eine französische Fassung erschien als Comicalbum unter dem Titel Train de nuit dans la Voie lactée. Auf Deutsch liegt der Text in der Übersetzung von Jürgen Stalph vor, mit Bildern von Louise Heymans; diese Ausgabe erschien 2021 im Cass Verlag in Löhne und wird ab neun Jahren empfohlen.

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