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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Miyazawa Kenji
Miyazawa Kenji
1896 – 1933
– Autorenporträt –

Miyazawa Kenji

1896 – 1933 · 37 Jahre

Japanischer Dichter und Märchenerzähler aus der Provinz Iwate, der Sternkunde, Ackerbau und buddhistischen Glauben in seinen Texten zusammenbrachte – berühmt wurde er erst nach seinem frühen Tod 1933.

Kurzbiografie↑

Miyazawa Kenji war ein japanischer Dichter und Verfasser von Kinderbüchern. Er wurde 1896 in Hanamaki in der nordjapanischen Präfektur Iwate geboren und starb dort 1933 im Alter von siebenunddreißig Jahren. Sein Werk verbindet Naturwissenschaft, Sternkunde und buddhistischen Glauben; als Mitglied der national-buddhistischen Kokuchūkai machte er das Lotos-Sutra zur Richtschnur seines Lebens. Zu Lebzeiten veröffentlichte er nur wenig, vieles wurde erst nach seinem Tod entdeckt und gedruckt. Heute zählt er zu den bekanntesten und beliebtesten Autoren Japans; die Erzählung Eine Nacht in der Milchstraßenbahn und das Gedicht Ame ni mo makezu gehören zu seinen bekanntesten Texten.


Biografie↑

Geboren wurde Miyazawa Kenji am 27. August 1896 in der Stadt Hanamaki in der Präfektur Iwate im Norden Japans. Sein Vater war ein wohlhabender Pfandleiher. Im Jahr seiner Geburt wurde die Region von Überschwemmungen, einem schweren Erdbeben und einem Tsunami heimgesucht; viele Menschen starben.

Miyazawa war ein sehr guter Schüler. Mit dreizehn Jahren schrieb er seine ersten Tanka, jene knappe japanische Gedichtform. Ab 1916 begann er, sie in lokalen Zeitungen zu veröffentlichen. 1918 schloss er die Hochschule für Land- und Forstwirtschaft Morioka mit Auszeichnung ab und arbeitete danach dort in der Forschung. Im selben Jahr kümmerte er sich zeitweise in Tokio um seine kranke Schwester Toshi. Von da an schrieb er auch Märchen. Nach seiner Rückkehr 1919 half er im elterlichen Geschäft mit.

Seine Forschungsarbeiten an der geologischen Fakultät beendete er 1920. Im gleichen Jahr wurde er Mitglied der national-buddhistischen Kokuchūkai, die Tanaka Chigaku gegründet hatte, und begann an das Lotos-Sutra zu glauben. 1921 ging er nach Tokio, arbeitete dort in einem Verlag und beschäftigte sich mit Musik. Im Dezember desselben Jahres trat er eine Stellung als Lehrer für Agrarwissenschaft an der Landwirtschaftsschule Hanamaki an.

Ab 1922 arbeitete er an einer Sammlung frei gestalteter Gedichte, Haru to Shura (Frühling und Asura). In dieses Jahr fiel ein schwerer Verlust: Am 27. November 1922 starb seine jüngere Schwester Toshi. Zwei Jahre später gab Miyazawa gleich zwei Bücher auf eigene Kosten heraus, die Gedichtsammlung Haru to Shura und den Band mit Kindergeschichten und Märchen Chūmon no Ōi Ryōriten (Das Restaurant mit den vielen Bestellungen).

1926 kehrte Miyazawa in seine Heimat zurück. Er lebte im Bezirk Shimoneko von Hanamaki und gründete die Rasuchijin-Gesellschaft. Dort unterrichtete er junge Menschen in wirksameren Anbaumethoden, um den Lebensstandard der Bauern zu heben. Auch Konzerte wurden dort veranstaltet.

Miyazawa schrieb weiterhin Gedichte und veröffentlichte sie. Seit 1928 erschienen sie regelmäßig in mehreren Magazinen, darunter auch größeren. 1931 arbeitete er als Ingenieur in einem Steinbruch. Er fuhr nach Tokio, um dort den Vertrieb von Kohle zu organisieren, musste jedoch aus gesundheitlichen Gründen zurückkehren. Am 3. November 1931 schrieb er das Gedicht Ame ni mo makezu.

Zeitweilig interessierte sich Miyazawa für Esperanto, die künstliche Welthilfssprache. In seinem Werk erscheint immer wieder eine erfundene Welt namens Ihatov oder Ihatovo. Er schuf sie in Anlehnung an die von ihm geliebte, naturnah gebliebene Präfektur Iwate, die auch Ihate genannt wird; die Bezeichnung kommt einer Esperanto-Fassung dieses Namens nahe.

Am 21. September 1933 starb Miyazawa Kenji im Alter von 37 Jahren an einer akuten Lungenentzündung. Viele seiner Werke wurden erst nach seinem Tod entdeckt und posthum veröffentlicht.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Miyazawas Schreiben ist die Verbindung von Dingen, die sonst selten zusammenkommen: Naturwissenschaft und Religion, Sternkunde und Magie, praktische Lebenshilfe und eine weit ausgreifende, kosmische Sicht auf die Welt. Der ausgebildete Agronom wusste, wie ein Acker zu bestellen ist; zugleich las er das Lotos-Sutra als Anleitung für sein eigenes Leben. Beides fließt in seine Texte ein.

Grundiert sind seine Bücher durch Mitgefühl mit allen Geschöpfen, buddhistisches Erbarmen und christliche Nächstenliebe. Diese Haltung prägt auch die Kindergeschichten und Märchen, die er neben den Gedichten schrieb.

Formal ging Miyazawa früh eigene Wege. Er begann mit dem Tanka, der überlieferten japanischen Kurzform, wandte sich aber ab 1922 den frei gestalteten Gedichten von Haru to Shura zu. Wiederkehrend ist bei ihm die erfundene Landschaft Ihatov, ein poetisches Gegenbild zu seiner Heimatprovinz Iwate.


Rezeption↑

Zu Lebzeiten trat Miyazawa kaum in Erscheinung. Seine beiden Bücher von 1924 gab er auf eigene Kosten heraus; erst ab 1928 erschienen seine Gedichte regelmäßig in Magazinen. Viele Texte wurden überhaupt erst nach seinem Tod entdeckt und gedruckt.

Heute gehört Kenji Miyazawa zu den bekanntesten und beliebtesten Autoren Japans. Sein Werk wirkt weit über die Literatur hinaus. Die Erzählung Eine Nacht in der Milchstraßenbahn von 1927 wurde 1985 als Zeichentrickfilm verfilmt; darin sind fast alle Figuren als Katzen dargestellt und sämtliche Schilder auf Esperanto beschriftet, eine Anspielung auf Miyazawas Vorliebe für diese Sprache. Zurück geht das auf den Manga-Zeichner Hiroshi Masumura, der zahlreiche Werke Miyazawas als Comic bearbeitete und dabei ebenfalls Katzenfiguren verwendete; angeregt hat ihn dazu Miyazawas Märchen Neko no jimusho. Zum 100. Geburtstag 1996 entstand mit Ihatov Gensō: Kenji no Haru ein weiterer Zeichentrickfilm über sein Leben, an dem Masumura wieder beteiligt war. Im März desselben Jahres wurde der Asteroid (5008) Miyazawakenji nach ihm benannt.

Ins Deutsche gelangte sein Werk in einzelnen Ausgaben, darunter Die Früchte des Gingko von 1980 und die von Jürgen Stalph übersetzte Ausgabe von Eine Nacht in der Milchstraßenbahn aus dem Jahr 2021. Auch im englischen Sprachraum liegen mehrere Sammlungen vor. Die Forschung hat sich ihm in eigenen Studien zugewandt, etwa Sarah Strong mit einer Arbeit über seine Lyrik und Hoyt Long mit einer Untersuchung über Miyazawa und das moderne Japan.

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