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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Alexis Sorbas
Eingang · Werke · Alexis Sorbas
Cover Alexis Sorbas
Alexis Sorbas
1946
– Werkseintrag –

Alexis Sorbas

1946 · Roman

Ein grüblerischer Büchermensch und ein lebenshungriger Landarbeiter treffen auf Kreta aufeinander, und der Ältere lehrt den Jüngeren, das Leben zu lieben und den Tod nicht zu fürchten.

Überblick↑

Der Roman Alexis Sorbas ist eines der bekanntesten Werke des griechischen Schriftstellers Nikos Kazantzakis, entstanden 1946. Im Mittelpunkt steht die Freundschaft zwischen einem grüblerischen Verstandesmenschen und dem Lebenskünstler Alexis Sorbas. Das Buch verbindet philosophische Betrachtung, Entwicklungsgeschichte und Schelmenroman zu einer eigenen Form. Es zählt zu den großen Werken der Weltliteratur. Die Verfilmung von 1964 hat den Stoff in aller Welt bekannt gemacht.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht ein junger, von Büchern und Selbstzweifeln geprägter Intellektueller, der zugleich der Ich-Erzähler ist. Er will auf Kreta eine Kohlemine betreiben. Auf dem Weg dorthin begegnet er dem weit älteren Alexis Sorbas, einem erfahrenen Arbeiter, der ihm seine Dienste als Vorarbeiter anbietet.

Zwischen den beiden so ungleichen Männern entsteht eine tiefe Freundschaft. Der Erzähler zweifelt, denkt nach und misstraut dem eigenen Gefühl. Sorbas dagegen vertraut ganz seinen Instinkten und lebt im Einklang mit sich und der Welt. Sein Lebensmotto lautet: „Das Leben lieben und den Tod nicht fürchten.“ Für den grüblerischen Erzähler wird der Umgang mit ihm zu einer Schule des Lebens.

Rund um die Kohlemine entfaltet sich das Bild eines kretischen Dorfes, das von Aberglauben und der überlieferten Verachtung der Frauen geprägt ist. In diese Welt hinein spielen Freundschaft und Liebe. Der Roman führt seine beiden Hauptfiguren durch Freuden und Rückschläge und stellt dabei immer wieder die Frage, worin wahre Freiheit besteht.

Die Handlung im Detail↑

Der Ich-Erzähler, ein gebildeter, in sich gekehrter Mann, pachtet auf Kreta eine Kohlemine und will dieses Bergbau-Projekt zum Erfolg führen. Kurz vor der Überfahrt lernt er Alexis Sorbas kennen, einen lebenserfahrenen Arbeiter, der sich ihm als Vorarbeiter anschließt. Aus dem gemeinsamen Unternehmen wächst eine enge Freundschaft, die den Kern des ganzen Romans bildet.

Sorbas ist das Gegenbild des Erzählers. Wo dieser abwägt, zaudert und in Büchern nach Antworten sucht, handelt Sorbas aus dem Augenblick heraus, folgt seinen Gefühlen und nimmt das Leben mit allen Freuden und Katastrophen an, wie es kommt. Kazantzakis entwickelt an diesem Gegensatz seine Philosophie: Wahre Freiheit bestehe darin, zu kämpfen, auch wenn eine Niederlage droht, und aus jeder Lage das Beste zu machen. Der Erzähler wandelt sich durch die Nähe zu Sorbas; das Buch ist auch die Geschichte dieser inneren Entwicklung.

Das Dorfleben rund um die Mine ist von Aberglauben und der herkömmlichen Missachtung der Frauen bestimmt. Diese enge, unfreie Mentalität stellt der Roman der Lebenshaltung Sorbas’ als Beispiel seelischer Gefangenschaft gegenüber. In dieser Umgebung entwickeln sich eine Liebesgeschichte, ein Selbstmord und ein Akt der Lynchjustiz, bei dem sich die Gewalt der Gemeinschaft entlädt. Die dörfliche Härte tritt so in scharfen Kontrast zur Freiheit, die Sorbas verkörpert.

Als Parallelhandlung schildert das Buch außerdem eine Reise in den Kaukasus, bei der es um die Rückführung von Griechen in die Heimat ihrer Vorfahren geht. Das Bergbau-Projekt selbst scheitert am Ende. Doch was bleibt, ist die Begegnung mit Sorbas: Der Erzähler geht aus dem gemeinsamen Abenteuer verwandelt hervor, reicher an Lebenskunst, auch wenn das äußere Vorhaben in Trümmern liegt.

Stil↑

Kunstvoll verbindet der Roman drei Erzählformen: den philosophischen Roman, den Entwicklungsroman und den Schelmenroman. Diese Mischung gibt dem Buch seinen besonderen Ton, in dem derbe Lebenslust und ernstes Nachdenken dicht nebeneinanderstehen.

Erzählt wird durchgehend aus der Sicht eines Ich-Erzählers, der zugleich Beobachter und Verwandelter ist. Der Aufbau lebt vom Gegensatz zweier Figuren: dem grüblerischen Intellektuellen auf der einen, dem instinktsicheren Lebenskünstler auf der anderen Seite. Durch diese Spiegelung tritt die Botschaft des Buches klar hervor. Als Leitmotiv zieht sich Sorbas’ Satz „Das Leben lieben und den Tod nicht fürchten“ durch das Werk.

In das Hauptgeschehen um die Kohlemine flicht Kazantzakis eine Parallelhandlung um eine Reise in den Kaukasus ein und weitet so den Blick über das kretische Dorf hinaus. Der Roman ist in Teilen autobiographisch gefärbt: Titelfigur und die Geschichte des gescheiterten Bergbau-Projekts gehen auf reale Vorbilder zurück, wobei der Autor lediglich den Vornamen seines Helden sowie Ort und Zeit der Handlung veränderte. Sorbas’ direkte, ungeschliffene Rede prägt viele Passagen und macht seinen Charakter unmittelbar spürbar.

Rezeption↑

Zu den großen Werken der Weltliteratur zählt Kazantzakis’ Roman, und er wurde vielfach ausgezeichnet. Die Erstausgabe erschien 1946 in Griechenland. 1952 folgte die deutsche Übersetzung von Alexander Steinmetz unter dem Titel Alexis Sorbas. Abenteuer auf Kreta. 1954 wurde das Werk auf einer internationalen Buchausstellung in Frankreich erstmals prämiert und gelangte danach zu weltweiter Bekanntheit.

Der Erfolg im deutschen Sprachraum war beträchtlich. Bis 2004 erschienen mehr als sechzig verschiedene Auflagen der Übertragung von Alexander Steinmetz, davon 702.000 Exemplare beim Rowohlt-Verlag. Die deutsche Gesamtauflage hat inzwischen die Million überschritten. Wesentlich zu dieser Verbreitung trug die Verfilmung von 1964 bei.

Zugleich wurde die Wirkung des Buches kritisch begleitet. Viele Griechenland-Reisende erhofften sich durch Film und Roman einen Einblick in die griechische Gesellschaft. Die Figur des Alexis Sorbas wird dabei gern als „typisch griechisch“ vereinnahmt und mitunter abwertend gedeutet, obwohl sie eher einen listigen, bisweilen trägen Landstreicher zeigt und nur bestimmte, idyllische Seiten griechischen Lebens vermittelt. An einer Stelle äußert sich Sorbas in wörtlicher Rede zudem über Frauen in einer Weise, die aus heutiger Sicht nicht mehr als annehmbar gilt.

Der Stoff wirkte auch über die Literatur hinaus fort. Michael Cacoyannis verfilmte den Roman 1964 mit Anthony Quinn in der Titelrolle; der Film wurde für sieben Oscars nominiert und gewann drei davon. Mikis Theodorakis formte seine Filmmusik 1988 zum Ballett Zorba il greco um. Aus dem Stoff entstanden mehrere Musicals, darunter eine Fassung mit der Musik von John Kander und den Texten von Fred Ebb sowie eine 2010 in Ingolstadt uraufgeführte Bearbeitung mit Musik von Konstantin Wecker. 2018 erzählte Wolf Reiser im Hörspiel Sorbas unter Sternen die Geschichte von Nikos Kazantzakis und Georgios Zorbas.

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