1871
Alice hinter den Spiegeln
Überblick↑
Das Buch Alice hinter den Spiegeln ist ein Kinderbuch von Lewis Carroll aus dem Jahr 1871. Es ist die Fortsetzung von Alice im Wunderland aus dem Jahr 1865. Im englischen Original heißt es Through the Looking-Glass, and What Alice Found There; im Deutschen kennt man es auch unter den Titeln Alice im Spiegelland oder Durch den Spiegel und was Alice dort fand. Erschienen ist es beim Verlag Macmillan. Das Mädchen Alice klettert darin durch einen Spiegel in eine verkehrte Welt, die wie ein großes Schachbrett aufgebaut ist. Wie schon der Vorgänger lebt das Werk von Sprachwitz, Nonsens und einer Logik, die alles auf den Kopf stellt.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
An einem verschneiten Novembertag spielt Alice zu Hause vor dem Kamin mit ihrer Katze Dinah und deren Kätzchen. Während sie darüber nachdenkt, wie die Welt wohl hinter einem Spiegel aussieht, klettert sie auf den Kaminsims und stellt fest, dass der Spiegel tatsächlich in eine andere Welt führt. Auf der anderen Seite findet sie ein Haus vor, in dem die Gegenstände lebendig sind, und ein Buch in Spiegelschrift, das ein seltsames Nonsensgedicht enthält.
Draußen erstreckt sich eine Landschaft, die wie ein riesiges Schachbrett angelegt ist. Alice darf am Spiel teilnehmen und wird als Bauer eingesetzt. Ihr Ziel ist es, Feld für Feld bis zur achten Reihe vorzudringen, denn dort soll sie selbst zur Königin werden. Auf ihrem Weg quert sie kleine Bäche, die jeweils ein neues Feld einleiten, und begegnet einer Reihe wunderlicher Gestalten: sprechenden Blumen, zwei dicken Zwillingen, einem Ei, das einen Vortrag über Sprache hält, und einem Ritter voller verrückter Erfindungen. Jede Figur hat ihre eigenen Regeln und ihre eigene verdrehte Logik, mit der Alice zurechtkommen muss.
Die Handlung im Detail↑
An einem verschneiten Tag Anfang November sitzt Alice vor dem Kamin und spielt mit ihrer Katze Dinah und deren beiden Kätzchen, einem schwarzen und einem weißen. Sie überlegt, wie die Welt auf der anderen Seite des Spiegels aussehen mag, klettert auf den Kaminsims und entdeckt, dass der Spiegel über dem Kamin in eine Parallelwelt führt. Dort findet sie ein spiegelverkehrtes Abbild ihres eigenen Hauses vor, in dem Bilder, Uhren und Schachfiguren lebendig sind. Ein Buch in Spiegelschrift enthält das Nonsensgedicht vom Jabberwocky. Alice beschließt, das Haus zu erkunden, und geht hinaus in den Garten.
Im Garten begegnet sie sprechenden Blumen und der Schwarzen Königin (im englischen Original die rote Königin). Sie erkennt, dass die ganze Landschaft wie ein großes Schachbrett aufgebaut ist. Alice möchte mitspielen und wird als weißer Bauer eingesetzt, der vom zweiten Feld startet; erreicht sie das achte Feld, wird sie zur Königin. Die Schwarze Königin nimmt sie bei der Hand und rennt mit ihr in rasendem Tempo durch den Wald, ohne dass die beiden dabei vom Fleck kommen. Danach zieht die Königin weiter, und Alice bereitet ihren ersten Zug vor.
Alice überquert den ersten von sechs kleinen Bächen und findet sich in einer Eisenbahn wieder, in der allerlei seltsame Fahrgäste sitzen, darunter verschiedene Tiere und ein in weißes Papier gekleideter Mann. Der Zug überspringt das dritte Feld und bringt sie ins vierte Feld. Unter einem Baum fächelt ihr eine große Mücke Luft zu und stellt ihr die Spiegelinsekten vor, etwa die Schaukelpferdfliege und den Weihnachtsfalter.
Im Wald trifft sie auf die Zwillinge Zwiddeldum und Zwiddeldei. Statt ihr den Weg zu weisen, tanzen die beiden und tragen das Gedicht vom Walroß und dem Zimmermann vor. Ein lautes Schnarchen entpuppt sich als das des Schwarzen Königs, der an einen Baum gelehnt schläft. Die Zwillinge behaupten, Alice existiere nur in seinem Traum und werde verschwinden, sobald er erwacht. Schließlich geraten die Brüder in Streit, werden aber von einer großen Krähe verjagt. Alice flieht und findet einen Schal.
Der Schal gehört der Weißen Königin, die sehr verwirrt wirkt und ständig das Wort „Butterbrot" murmelt, im nächsten Moment aber zukünftige Ereignisse voraussagen kann. Gemeinsam überqueren sie einen Bach und gelangen ins fünfte Feld. Sie befinden sich in einem kleinen Laden, in dem die Königin die Gestalt eines sprechenden Schafes annimmt. Plötzlich sitzen Alice und das Schaf in einem Ruderboot, dann sind sie wieder im Laden. Alice will ein Ei kaufen, bekommt es aber nicht zu fassen. Beim Umherirren quert sie erneut einen Bach und erreicht das sechste Feld.
Das Ei wächst und verwandelt sich in Goggelmoggel (im Original Humpty Dumpty). Alice unterhält sich mit ihm über ihr Alter und über eine Krawatte, die sie für einen Gürtel gehalten hatte und die er vom Weißen König und der Weißen Königin zum Nichtgeburtstag bekommen hat. Goggelmoggel erklärt ihr das Gedicht vom Jabberwocky und das Konzept des Kofferworts, bei dem zwei Wörter zu einem verschmelzen. Als Alice weiterziehen will, wird sie von lautem Krach überrascht.
Der Lärm stammt von Soldaten, die durch den Wald marschieren. Im freien Gelände trifft Alice den Weißen König mit seinen Boten Hasa und Hutma; die Illustrationen zeigen, dass es sich um den Hutmacher und den Märzhasen aus Alice im Wunderland handelt. Der Löwe und das Einhorn kämpfen, einem Kinderreim folgend, um die Krone des Königs. Alice entfernt sich vom Kampf und springt über einen weiteren Bach ins siebte Feld.
Dort will ein Schwarzer Ritter sie gefangen nehmen, doch ein Weißer Ritter rettet sie. Er begleitet Alice durch den Wald, fällt dabei immer wieder vom Pferd und singt ihr ein selbst komponiertes Lied vor. Dann verabschiedet sie sich, überquert den letzten Bach und gelangt endlich ins achte Feld, wo sie plötzlich eine Krone trägt.
Mit dem Erreichen des achten Feldes ist Alice zur Königin gekrönt. Die Schwarze und die Weiße Königin prüfen mit Rechenaufgaben, dem ABC und allerlei Fragen, ob sie wirklich eine Königin sein kann. Eine Feier zu ihren Ehren beginnt, doch sie endet im Chaos. Alice macht die Schwarze Königin für alles verantwortlich, packt sie und beginnt, sie zu schütteln. Die Königin schrumpft und verwandelt sich dabei mehr und mehr – bis sie sich schließlich in das schwarze Kätzchen verwandelt. Alice wacht in ihrem Sessel auf und hält ihr schwarzes Kätzchen im Arm, das sie mit der Schwarzen Königin verbindet, während das weiße für die Weiße Königin steht. Am Ende grübelt sie, wessen Traum das alles war: ihr eigener oder der des Schwarzen Königs. Ein Gedicht beschließt das Buch und vergleicht das Leben selbst mit einem Traum.
Stil↑
Geprägt ist das Buch von einer durchgehenden Spiegellogik: Hinter dem Spiegel ist die Welt seitenverkehrt, Schrift muss man im Spiegel lesen, und Bewegung führt oft ins Gegenteil dessen, was man erwartet – so rennt man, um auf der Stelle zu bleiben. Diese verdrehte Ordnung zieht sich durch alle Kapitel.
Als roter Faden dient ein Schachspiel. Die Landschaft ist ein großes Schachbrett, Alice steigt als Bauer Feld für Feld auf, und jeder der kleinen Bäche markiert den Übergang in das nächste Feld. So bekommt die Reihe der Begegnungen einen festen Rahmen, der auf das Ziel zusteuert, selbst Königin zu werden.
Stark ist der Hang zum Nonsens und zum Sprachspiel. Das Gedicht vom Jabberwocky lebt von erfundenen Wörtern, und die Figur Goggelmoggel erklärt eigens das Kofferwort, bei dem zwei Begriffe zu einem verschmelzen. Viele Gestalten – die Zwillinge Zwiddeldum und Zwiddeldei, Löwe und Einhorn, Goggelmoggel – stammen aus bekannten englischen Kinderreimen und handeln so, wie es die Reime vorgeben. Eingestreute Gedichte wie das vom Walroß und dem Zimmermann unterbrechen immer wieder die Handlung.
Rezeption↑
Eng verbunden ist das Werk mit seinem Vorgänger Alice im Wunderland, dessen Erfolg es fortsetzt. Beide Bücher gehören zu den bekanntesten Werken der englischen Kinderliteratur und werden bis heute gelesen.
Vielfach ist der Stoff für Bühne und Leinwand bearbeitet worden. Bereits seit der Frühzeit des Films gibt es Verfilmungen, darunter ein Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1951 sowie Verfilmungen von Tim Burton (2010) und James Bobin (2016). Hinzu kommen Fernsehfilme, Animationsfilme und musikalische Bearbeitungen. Figuren und Szenen aus dem Buch sind dabei weit über die Lektüre hinaus bekannt geworden.
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