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Werkseintrag · Abhijnanashakuntala
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Abhijnanashakuntala
– Werkseintrag –

Abhijnanashakuntala

· Drama

Ein König verliebt sich bei der Jagd in ein Mädchen aus einer Waldeinsiedelei, doch ein unbemerkt ausgesprochener Fluch stellt diese Liebe auf eine harte Probe.

Überblick↑

Das Schauspiel Abhijnanashakuntala des indischen Dichters Kalidasa trägt einen Titel, der übersetzt „Die Wiedererkennung der Shakuntala“ bedeutet. Oft wird es kurz Shakuntala genannt. Das Versdrama umfasst sieben Akte und entstand im vierten Jahrhundert nach Christus. Kalidasa fand den Stoff in einem Buch des Mahabharata: die alte Geschichte der schönen Shakuntala, der Mutter des Königs Bharata. Geschrieben ist das Stück in einer Mischung aus Sanskrit und Prakrit. Es gilt als das Nationaldrama des indischen Theaters.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Ein junger König verfolgt auf der Jagd eine Gazelle und gerät dabei mitten im Wald zu einer Einsiedelei. Dort dienen fromme Asketen den Göttern. Ihr Ältester ist Kanva, und der König kann dessen vermeintliche Tochter Shakuntala unbemerkt beobachten. Ihre Schönheit reizt ihn. Er stellt sich ihr und ihren Freundinnen als Gelehrter am königlichen Hofe vor und erfährt, dass Shakuntala nur Kanvas Pflegetochter ist. Ihr wirklicher Vater ist ein Heiliger, ihre Mutter ein Göttermädchen, eine Elfe.

Auch das Mädchen fühlt sich zu dem Fremden hingezogen. Doch keiner von beiden wagt es, dem anderen die Liebe zu zeigen oder gar zu gestehen. Der König bricht die Jagd ab, um die Ruhe der Einsiedelei nicht zu stören. Da bitten ihn die Einsiedler, für einige Tage den Schutz des Ortes gegen böse Dämonen zu übernehmen. Er willigt glücklich ein, denn so kann er sich der Geliebten unauffällig wieder nähern.

Aus dieser Begegnung erwächst eine Verbindung, über der ein Fluch liegt. Ein Priester, dem Shakuntala versehentlich die gebührende Ehre versagt, spricht ihn ohne ihr Wissen aus. Das Stück erzählt von Trennung, Vergessen und der Frage, ob zwei Menschen einander noch einmal finden können.

Die Handlung im Detail↑

Der König Dushyanta verfolgt auf der Jagd eine Gazelle und gelangt zu einer Einsiedelei im Wald. Dort beobachtet er unbemerkt Shakuntala, die vermeintliche Tochter des Ältesten Kanva. Er gibt sich als Gelehrter am königlichen Hofe aus und erfährt, dass sie nur Kanvas Pflegetochter ist: Ihr Vater ist ein Heiliger, ihre Mutter eine Elfe. Beide fühlen sich zueinander hingezogen, doch keiner gesteht es. Der König bricht die Jagd ab, um die Einsiedelei nicht zu stören, und übernimmt auf Bitten der Asketen für einige Tage deren Schutz gegen böse Dämonen. So kann er der Geliebten nahe bleiben.

Auch in Shakuntala ist die Glut der Liebe erwacht, sie fiebert. Der König gibt sich ihr zu erkennen und macht sie zu seiner Frau. Dann rufen ihn seine Pflichten an den Hof zurück. Beim Abschied schenkt er ihr einen Ring und verspricht, sie bald nachkommen zu lassen. Shakuntala ist so erfüllt vom Gedanken an den Geliebten, dass sie einem Priester die gebührende Ehre zu erweisen versäumt. Der spricht ohne ihr Wissen einen Fluch aus: Der geliebte Mann werde sie vergessen, sobald sie ihren Ehering verliert.

Kanva schickt die schwangere Pflegetochter mit einem Gefolge in die Hauptstadt zum Palast des Königs. Shakuntala nimmt Abschied von allem, was ihr lieb und vertraut ist. Vor dem König erkennt dieser sie nicht und behandelt sie wie eine Betrügerin. Bestürzt will sie ihm den Ring zeigen, doch sie hat ihn beim Waschen im Fluss verloren. Gnadenhalber darf sie bis zur Geburt ihres Kindes am Hof bleiben. Dann jedoch entführt eine Elfe sie in die Waldeswildnis.

Bald danach wird ein Fischer verhaftet, der den Ring des Königs zum Verkauf angeboten hat. Er will ihn im Magen eines Fisches gefunden haben. Als der König den Ring erblickt, erinnert er sich sofort der Geliebten. Reue und Schmerz ergreifen ihn. Aus der Erinnerung malt er ein Bild Shakuntalas, und bei dessen Anblick gibt er sich der Verzweiflung hin.

Da fordert ihn der Gott Indra durch einen Boten auf, ihm im Kampf gegen böse Riesen beizustehen. Der König will seine Schuld gegenüber der Gattin sühnen und besiegt die Feinde des Gottes. Zum Lohn darf er den Göttervater Kashyapa besuchen, eine Gnade, die nur wenigen Sterblichen zuteilwird. Dort trifft er den Sohn, den Shakuntala inzwischen geboren hat: einen schönen, tapferen und klugen Knaben, der das Zeichen des künftigen Weltherrschers trägt. Die beiden Gatten begegnen einander als gereifte und geläuterte Menschen wieder. Mit dem Segen Kashyapas kehren sie in das Reich des Königs zurück. Zum Schluss ruft Dushyanta ein Loblied auf das Geschick aus: „Auf die Blüte folgt die Frucht, auf die Wolken der Regen. Erst die Ursache und dann die Wirkung.“ Und er bittet den Gott Shiva, er möge ihn künftig aus den Fesseln des Seins erlösen.

Stil↑

Geschrieben ist das Werk als Versdrama in sieben Akten. Kalidasa verbindet darin zwei Sprachen: Sanskrit und Prakrit. Der Stoff stammt aus der Mythologie der Hindus, und der Dichter gestaltete ihn für die Kastengesellschaft des indischen Theaters. Die Handlung führt zwischen zwei Welten hin und her, zwischen der frommen Waldeinsiedelei und dem königlichen Hof. Menschliches und Göttliches greifen ineinander: Ein Fluch treibt die Handlung voran, ein Ring trägt die Erinnerung, und am Ende steht die Begegnung mit einem Göttervater. Das Schlusswort fasst diesen Zusammenhang in ein schlichtes Bild aus der Natur, in dem auf die Blüte die Frucht und auf die Wolken der Regen folgt.

Rezeption↑

Das Stück wurde zum Nationaldrama der Inder. Nach Europa gelangte es im 18. Jahrhundert: Der englische Gelehrte William Jones übertrug es 1789 erstmals aus dem Sanskrit ins Englische. Georg Forster übersetzte die englische Ausgabe 1790 in deutsche Prosa. Johann Wolfgang von Goethe rühmte in seinen Altersjahren Kalidasas Dichtung und hätte sie gern selbst in deutscher Sprache gedichtet. Vermutlich regte ihn das Stück auch zum „Vorspiel auf dem Theater“ in Faust. Eine Tragödie an.

Weitere Übertragungen folgten. Ernst Heinrich Meier legte 1852 eine Übersetzung vor. Edmund Lobedanz veröffentlichte 1867 eine metrisch gedichtete Fassung, der zwei Distichen Goethes und Auszüge aus einer Rezension Johann Gottfried Herders vorangestellt sind. 1900 erschien eine freie Bearbeitung von Gustav Schmilinsky, 1924 eine Nachdichtung von Rolf Lauckner. Die Vielzahl der deutschen und französischen Übersetzungen wurde später selbst zum Gegenstand einer wissenschaftlichen Studie.

Auch bildende Kunst und Musik griffen den Stoff auf. Camille Claudel schuf eine Skulptur mit dem Titel Shakuntala. Franz Schubert begann 1820 eine Oper Sacontala, die unvollendet blieb. Fritz Racek ergänzte sie, 1971 wurde sie uraufgeführt. Nachdem Thomas Aigner 2002 das vollständige Textbuch wiederentdeckt hatte, erstellte Karl Aage Rasmussen eine weitere Rekonstruktion: Sie erklang 2006 konzertant und kam 2010 auf die Bühne. Franco Alfano schrieb eine Oper Sakuntala, Karl Goldmark eine Ouvertüre gleichen Namens.

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