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Porträt Kalidasa
Kalidasa
– Autorenporträt –

Kalidasa

Kalidasa war ein Dichter im alten Indien, dessen Drama „Shakuntala“ um 1790 nach Europa kam und dort Goethe, Herder und Schiller begeisterte.

Kurzbiografie↑

Zu den bekanntesten Dichtern des alten Indien zählt Kalidasa, dessen Name auf Sanskrit „Diener der Göttin Kali“ bedeutet. Er lebte wahrscheinlich gegen Ende des 4. oder zu Beginn des 5. Jahrhunderts, zur Zeit des Guptareichs. Überliefert ist, dass er als eines der neun „Juwelen“ am Hof des Herrschers Vikramaditya gegolten habe. Neben Amaru und Bhartrihari gilt er als einer der Hauptvertreter der indischen Sanskrit-Lyrik. Sein Drama Shakuntala war eines der ersten Werke der indischen Literatur, die in Europa bekannt wurden.


Biografie↑

Über das Leben Kalidasas ist kaum Gesichertes bekannt. Er war ein indischer Dichter und lebte wahrscheinlich am Ende des 4. oder zu Beginn des 5. Jahrhunderts. In diese Zeit fiel die Herrschaft des Guptareichs. Die Überlieferung zählt ihn zu den neun „Juwelen“ am Hof von Vikramaditya.

Auch die Zuordnung der Werke ist unsicher. Ausdrücklich umstritten ist die Zuschreibung der Dramen, denn es gab mehrere Autoren gleichen Namens. Am ehesten gilt das Drama Malavikagnimitra als wahrscheinlich von ihm, hinzu kommen Vikramorvashiya und Shakuntala. Der Jahreszeiten-Zyklus Ritusamhara wird ihm lediglich zugeschrieben.

Sein erhaltenes Werk verteilt sich auf drei Formen. Zu den Dramen kommen zwei Kunstepen: Kumarasambhava, das auf Deutsch 1913 als Die Geburt des Kriegsgottes erschien, und Raghuvamsha, deutsch 1914 als Raghus Stamm. Als lyrisches Gedicht steht daneben Meghaduta, das 1847 unter dem Titel Der Wolkenbote auf Deutsch vorlag.

Schwierig ist bis heute schon die Textgrundlage selbst. Die Werke sind in verschiedenen Fassungen überliefert, sogenannten Rezensionen, und es existieren zahlreiche voneinander abweichende Ausgaben. Eine vollständige deutsche Übersetzung seines Gesamtwerks gibt es nicht. Es liegen nur Teilübersetzungen vor, etwa die von Johannes Mehlig besorgte Ausgabe der drei Dramen und der beiden Gedichte, die 1983 bei Reclam in Leipzig erschien. Ins Deutsche übertragen wurde Shakuntala unter anderem von Ernst Heinrich Meier und später von Albertine Trutmann. Peter von Bohlen legte bereits 1840 eine dreisprachige Ausgabe des Jahreszeiten-Zyklus vor, mit dem Sanskrit-Text, einer lateinischen Übertragung und einer deutschen Versfassung.


Literarische Merkmale↑

Auffällig an Kalidasas Liebeslyrik ist, dass Frauengestalten im Vordergrund stehen. Da ist die treue Eremitentochter Shakuntala, nach der das gleichnamige Drama heißt. Da ist die gefühlvolle Urvashi. Und da ist die Sklavin Malavika, die ihren König liebt.

Auch die größeren Werke kreisen um Liebe und Sehnsucht. Das Kunstepos Kumarasambhava erzählt von der leidenschaftlichen Liebe der Götter Shiva und Parvati. Das lyrische Gedicht Meghaduta schildert den Schmerz zweier Liebender, die voneinander getrennt sind. Neben diesem Grundton findet sich auch ein politischer: Im Epos Raghuvamsha klingt Kritik am Herrscher an.


Rezeption↑

Bekannt wurde Kalidasa in Europa vor allem durch Shakuntala, dessen vollständiger Titel Abhijnanashakuntalam lautet. Es war eines der ersten Werke der indischen Literatur, das im Westen Aufmerksamkeit fand. William Jones übersetzte es 1789 ins Englische, Georg Forster 1791 aus dem Englischen weiter ins Deutsche. Goethe, Herder und Schiller waren von dem Stück fasziniert. Der Dichter Arthur William Symons nannte es das schönste Drama der Welt.

Die deutsche Wirkung riss danach nicht ab. Friedrich Rückert fertigte 1854 eine weitere Übersetzung an, Rolf Lauckner veröffentlichte 1924 eine Nachdichtung. Lion Feuchtwanger bearbeitete 1917 das Drama Mālavikāgnimitra unter dem Titel Der König und die Tänzerin. Anfang der 1930er Jahre vertonte der deutsche Komponist Josef Schelb die von Peter von Bohlen übersetzten Gedichte Der Sommer und Der Frühling für Sopran und Klavier.

Die Wirkung reichte über den deutschen Sprachraum hinaus. Die lettische Dichterin Aspazija stellte zwei Zeilen aus dem Abschnitt Der Sommer des Jahreszeiten-Zyklus in Bohlens Übersetzung als Motto über die zweite Abteilung ihres ersten Gedichtbands, der 1897 erschien.

Bemerkenswert ist der Gegensatz in der Aufnahme. Während man in England die Entdeckung des Textes feierte, galt Shakuntala im Britisch-Indien des 19. Jahrhunderts als unmoralisch und für Studenten als ungeeignet.

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