1957
Some Came Running
Überblick↑
Der Roman Some Came Running von James Jones erschien bei Charles Scribner's Sons. Es war das zweite veröffentlichte Buch des Autors nach seinem preisgekrönten Debüt From Here to Eternity. Im Mittelpunkt steht ein Kriegsveteran mit literarischen Ambitionen, der 1948 nach einer gescheiterten Schriftstellerlaufbahn in seine Heimatstadt Parkman in Illinois zurückkehrt. Das Buch ist ein nur dünn verhüllter autobiografischer Roman: Jones verarbeitet darin seine eigenen Erfahrungen in seiner Heimatstadt Robinson in Illinois unmittelbar nach der Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Titel spielt auf eine Stelle aus dem Markus-Evangelium an, die Jones dem Buch als Motto voranstellte. Bekannt wurde der Stoff auch durch die Verfilmung von 1958 unter der Regie von Vincente Minnelli, die im Deutschen Verdammt sind sie alle heißt.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Zentrum steht Dave Hirsh, ein zynischer Armeeveteran und vor dem Krieg gelegentlich gedruckter, im Ganzen aber erfolgloser Schriftsteller. Betrunken setzt man ihn in Chicago in einen Bus, und so landet er wieder in Parkman, seiner Heimatstadt in Illinois. Neunzehn Jahre zuvor hatte er den Ort verlassen, nachdem sein älterer Bruder Frank ihn in ein Armeninternat gesteckt hatte. Die Verbitterung darüber ist geblieben.
Frank hat inzwischen gut geheiratet, das Juweliergeschäft vom Vater seiner Frau Agnes übernommen und den gesellschaftlichen Aufstieg zu seinem wichtigsten Lebensziel gemacht. Daves Rückkehr bedroht diese Ordnung. Frank versucht daher, den Bruder in ein respektables Umfeld zu bringen, und stellt ihn seinem Freund Professor Bob French und dessen schöner Tochter Gwen vor, einer Lehrerin. Beide kennen Daves Schriften. Eigentlich wollte Dave nur eine Woche bleiben. Nun beschließt er kurzerhand, in Parkman zu bleiben, Gwen zu erobern und mit ihrer Hilfe einen Roman zu schreiben.
Während Frank und Agnes im Countryclub verkehren, bewegt sich Dave in anderen Kreisen. Er freundet sich mit Bama Dillert an, einem trinkfesten Spieler aus dem Süden, der zufällig in Parkman hängengeblieben ist. Dave zieht zu ihm, und gemeinsam spielen sie um Geld, manchmal auf Fahrten in andere Orte. In den Bars der Stadt sammeln sich um die beiden mehrere junge, ziellose Kriegsheimkehrer, dazu Wally Dennis, der selbst Schriftsteller werden will. Auch drei Mädchen aus der örtlichen Miederwarenfabrik gehören zum Kreis: Rosalie, Mildred und Ginnie. Zwischen Daves Werben um Gwen, seinem Verhältnis zu Ginnie und Franks eifrigem Aufstieg im Städtchen entfaltet sich ein Jahr, in dem sich Ehrgeiz, Heuchelei und verfehlte Hoffnungen immer enger verknoten.
Die Handlung im Detail↑
Nach seiner unfreiwilligen Rückkehr richtet sich Dave Hirsh in Parkman ein. Um Gwen French bemüht er sich ein Jahr lang ohne Erfolg: Zwischen beiden entsteht eine echte Verbindung, aber sie schlafen nicht miteinander. Stattdessen beginnt Dave ein regelmäßiges Verhältnis mit Ginnie, der unattraktivsten der drei Fabrikmädchen, die sich jedoch am leichtesten ins Bett überreden lässt.
Wally Dennis, der Freund von Franks Tochter Dawn, arbeitet unter Gwens Anleitung an seinem eigenen Roman. Als Dawn einen anderen jungen Mann aus der Stadt heiratet, besucht Wally die Hochzeit und meldet sich danach zur Armee.
Frank betrügt seine Frau Agnes, zuerst mit der Ehefrau seines Filialleiters, dann mit seiner Sekretärin Edith. Beide Male kommt Agnes dahinter und erzwingt das Ende der Affäre. Als Dawn aufs College geht, adoptieren die Eheleute einen Sohn namens Walter. Frank kauft geschickt Ackerland vor der Stadt auf, über das eine Umgehungsstraße führen soll, und bebaut es später mit einem Einkaufszentrum und einem Motel. Das macht ihn nahezu zum Millionär und im Ort geachtet. Zu Hause bei Agnes aber ist er unglücklich, und nachts streift er manchmal durch die Stadt und versucht, in fremde Fenster zu spähen.
Schließlich sucht Ginnie Gwen im Haus der Frenches auf und bittet sie flehentlich, ihr Dave nicht zu nehmen. Entsetzt darüber, dass Dave mit Ginnie schläft, die in der Stadt als das leichteste Mädchen von Parkman gilt, weist Gwen ihn endgültig ab und verlässt den Ort. Dave ist von der Zurückweisung getroffen. Bama verfällt zusehends durch Alkohol und Zuckerkrankheit, Franks Heuchelei und Aufstiegsgier widern Dave an, und seine Gefühle für Ginnie bleiben zwiespältig. Dennoch heiratet er sie, nimmt Arbeit in einem Rüstungsbetrieb an und schreibt weiter. Die Arbeit in der Fabrik ermüdet ihn, Ginnie wird immer besitzgieriger, und die Ehe zerfällt. Dave entschließt sich, die Stadt zu verlassen.
In der Nacht der Hundertjahrfeier von Parkman geht er durch die Straßen. Ginnies eifersüchtiger, betrunkener früherer Mann, der ihr nach Parkman gefolgt ist, verfolgt ihn und erschießt ihn mit einem Schuss ins Gesicht. Gwen und ihr Vater stellen die Überarbeitung von Daves Manuskript fertig, eines komischen Kriegsromans, und sorgen dafür, dass es erscheint. In der Verfilmung von 1958 ist Ginnies früherer Mann ein Chicagoer Ganove; dort wird Dave nur verwundet, während Ginnie sich vor ihn wirft und von einem Schuss in den Rücken getötet wird.
Die Friedenszeit-Handlung ist von zwei kurzen, kursiv gesetzten Kriegsepisoden eingefasst. Der Prolog zeigt Hirsh im Zweiten Weltkrieg während der Ardennenoffensive, als die Deutschen angreifen. Der Epilog zeigt Wally Dennis im Koreakrieg im Kampf gegen chinesische Kommunisten, wo er durch eine Handgranate getötet wird. Sein letzter Gedanke gilt dem Manuskript, das er nie vollenden wird.
Stil↑
Auffällig ist zunächst der gewaltige Umfang: Das Buch zählt mehr als zwölfhundert Seiten und breitet das Leben einer Kleinstadt in großer Personenfülle aus. Jones erzählt die Geschichte des Zivillebens zwischen zwei Kriegen und rahmt sie durch zwei kurze, kursiv gedruckte Kampfszenen ein. Beide Rahmenstücke sind sprachlich aufeinander bezogen und nehmen die Wendung des Titels auf: „They came running through the fog …“ im Prolog, „They came running through the paddy fields …“ im Epilog. Als Motto steht eine Stelle aus dem Markus-Evangelium vor dem Text.
Besonders eigenwillig ist Jones' Umgang mit Orthografie und Zeichensetzung. Die zahlreichen Rechtschreib- und Kommafehler sind kein Versehen, sondern bewusst gesetzt, um die Enge und Provinzialität der Figuren und ihres Städtchens hörbar zu machen. Die Kritik der Zeit erkannte dieses Verfahren überwiegend nicht und nahm es für Unvermögen.
Rezeption↑
Von der zeitgenössischen Kritik wurde das Buch überwiegend verrissen. Orville Prescott urteilte in der New York Times, der Roman sei ein erzählerischer Fehlschlag, ungeschickt geschrieben, grob wiederholungsreich und in vielen Szenen unglaubwürdig; seine Fixierung auf Sexuelles wirke wie das Werk eines Heranwachsenden, der von den Kinsey-Berichten besessen sei. Whitney Balliett spottete im New Yorker über tausendzweihundertsechsundsechzig Seiten makellos durchgehaltener Langeweile. Robert Brustein nannte das Buch in Commentary ausgesprochen schlecht, geschwätzig und unbeholfen gebaut; der Leser werde von Jones' Analysen, Erklärungen, Theorien und Meinungen bis zur Wehrlosigkeit erschlagen.
Etwas freundlicher fiel das Urteil von David Sanders in der Washington Post aus. Ein Roman dieses Umfangs lege zwangsläufig alle Schwächen seines Verfassers offen, doch Jones' Stärken seien wirklich beachtlich: Er könne gewöhnliche Menschen außerordentlich wichtig erscheinen lassen, den scheinbar nebensächlichsten Äußerungen Bedeutung geben und verliere nie den großen Entwurf aus dem Blick, der ihn zum Schreiben treibe. In der New York Herald Tribune wurde das Buch für seine Anschaulichkeit, seine Figurenzeichnung und seine Weite ausdrücklich gelobt.
Breite Bekanntheit erlangte der Stoff durch die Verfilmung von 1958 mit Frank Sinatra, Dean Martin und Shirley MacLaine unter der Regie von Vincente Minnelli. Der Film war für fünf Oscars nominiert und weicht am Ende deutlich vom Roman ab.
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