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Cover Sonette aus dem Portugiesischen
Sonette aus dem Portugiesischen
1850
– Werkseintrag –

Sonette aus dem Portugiesischen

1850 · Lyrik

Ein Zyklus aus 44 Sonetten, in dem eine zurückgezogen lebende Dichterin Schritt für Schritt vom Misstrauen zur Gewissheit einer späten, großen Liebe findet.

Überblick↑

Der Gedichtzyklus Sonette aus dem Portugiesischen gilt als eines der bekanntesten Werke der englischen Dichterin Elizabeth Barrett Browning. Die Sammlung besteht aus 44 Sonetten und erschien 1850. Es handelt sich um eine sehr persönliche Dichtung, einen Lobgesang auf die Liebe der Verfasserin zu ihrem Mann Robert Browning. Nach einer ersten, von ihr nur zögernd angenommenen Begegnung im Mai 1845 gewann er nach und nach ihr Herz. Am 12. September 1846 heirateten die beiden und flohen gemeinsam nach Italien. Der Titel ist bewusst mehrdeutig gehalten.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

In den 44 Sonetten schildert die Dichterin die Entstehung und das langsame Wachsen eines Gefühls, das sie für einen berühmten Briefpartner empfindet. Am Anfang steht das Misstrauen: Elizabeth Barrett erhält viele Briefe von Verehrern und kennt, wie sie selbst schreibt, die Eitelkeit und Unbeständigkeit der Männer. Sie sieht sich als zurückgezogen lebende Frau, die fast nur im Inneren gelebt hat.

Von Gedicht zu Gedicht rückt der Zyklus weiter voran. Auf das anfängliche Zweifeln folgt das Erkennen einer aufrichtigen, nie widerlegten Zuneigung. Die Sprecherin ringt mit dem Gefühl, dieses geliebten Menschen nicht würdig zu sein, und mit der Frage, ob sie seine Leidenschaft überhaupt erwidern darf. Der Reiz der Sammlung liegt in dieser dramatischen Erzählung – dem inneren Weg einer Frau, die sich der eigenen Liebe erst nach und nach zu stellen wagt.

Der Titel Sonette aus dem Portugiesischen spielt mit der Frage, ob „portugiesisch“ die Sprache oder eine Person meint. Diese Vieldeutigkeit gehört zum Werk und wird im Zyklus selbst nie ganz aufgelöst.

Die Handlung im Detail↑

Die 44 Sonette beschreiben die Geburt und die Entfaltung eines Liebesgefühls von der ersten Regung bis zur vollen Gewissheit. Am Beginn steht Zurückhaltung und Argwohn. Elizabeth Barrett, die zahlreiche Briefe von Bewunderern empfängt, traut dem Werben zunächst nicht. Sie bezeichnet sich in einem Brief vom 4. März 1845 als „blinden Dichter“, der nur nach innen gelebt und trotz seiner Abgeschiedenheit durch Selbstbeobachtung viel über die menschliche Natur erfahren hat. Zugleich gesteht sie, wie gern sie einen Teil dieses schweren Bücherwissens gegen wirkliche Lebenserfahrung eintauschen würde.

Allmählich weicht das Misstrauen. Die Sprecherin erkennt die aufrichtige und tiefe Zuneigung des Geliebten an, der ihr stets zugleich leidenschaftlich und ehrfürchtig begegnet. Es folgen die Versuchungen, ihn zurückzuweisen, weil sie sich seiner nicht würdig fühlt, dann die Annahme ihrer Leidenschaft, selbst ohne Hoffnung auf Erwiderung, und schließlich die Einsicht, dass sie ihre dichterische Kraft aus keiner anderen Quelle mehr schöpfen kann als aus dieser endlich angenommenen Liebe.

Das Ganze mündet in einen Ausbruch des Glücks, der umso jubelnder ist, als er spät kommt: Elizabeth Barrett ist vierzig Jahre alt und damit sechs Jahre älter als Robert Browning. Im Sonett XLII ruft sie aus, ihre Zukunft werde nicht die bloße Abschrift ihrer Vergangenheit sein; ihr schützender Lebensengel habe dieses Wort bekräftigt, und an dessen Stelle habe sie am Ende ihn erblickt, der in seiner Seele den Engeln verwandt sei. In einem Brief an Robert vom 29. März 1845 fügt sie hinzu: „Gott segne Sie und rechtfertige, was war, durch das, was sein wird […] und lasse mich frei, nie eine Ihrer Sonnen zu verderben!“ Der Höhepunkt liegt im vorletzten Gedicht, dem Sonett XLIII, einem der berühmtesten und am häufigsten zitierten der Sammlung.

Zur Entstehung gehört auch die Geschichte des Titels. Elizabeth Barrett schrieb die Gedichte während ihres Liebesbriefwechsels mit Robert Browning. Er lernte sie erst spät kennen, drei Jahre nach der Hochzeit, und drängte auf die Veröffentlichung mit der Bemerkung, seit Shakespeare habe es keine ebenso bemerkenswerte Folge von Sonetten gegeben. Um ihre Vertrautheit zu schützen, suchte die Dichterin nach einer literarischen Verkleidung. Ihr erster Einfall war der exotische Titel „Sonette aus dem Bosnischen“, doch Browning riet ihr, die Nationalität zu ändern. Das Wort „portugiesisch“ wurde aus doppeltem Grund gewählt: Im privaten Kreis trug Elizabeth wegen ihres sehr dunklen Teints und ihrer schwarzen Kleidung den Kosenamen „die Portugiesin“. Zudem kannten und bewunderten beide die Portugiesischen Briefe, einen glühenden Briefroman aus dem 17. Jahrhundert. Schließlich hatte Elizabeth ein Gedicht mit dem Titel Catarina to Camoens verfasst, das eine verzweifelte Liebe besingt und dem Robert Browning große Bewunderung entgegenbrachte. Damit lässt der Titel offen, ob mit „aus dem Portugiesischen“ eine Übersetzung oder eine Person gemeint ist.

Stil↑

Als geschlossener Zyklus von 44 Sonetten folgt das Werk einer strengen, festen Form. Gerade darin sahen Kritiker seine besondere Stärke. Die Dichterin, die man sonst für die Unklarheit ihrer Bilder tadelte, hat ihr Talent hier in der knappen Gestalt des Sonetts gebändigt. Diese Form hat den Vorteil, dass sie den Gebrauch eines einzigen Bildes verlangt und den zusammenhängenden Ausdruck innerer Gefühle begünstigt.

Die Sprache ist persönlich und bekenntnishaft. Jedes Gedicht ist zugleich ein Baustein einer fortlaufenden Erzählung: Von Sonett zu Sonett schreitet die Gefühlsentwicklung voran, sodass aus lauter Einzelbildern der dramatische Bericht einer seelischen Wandlung entsteht. So verbindet der Zyklus die Knappheit der einzelnen Form mit dem Bogen einer durchgehenden Geschichte.

Rezeption↑

Von Anfang an wurden die Sonette aus dem Portugiesischen als Höhepunkt im Schaffen Elizabeth Barrett Brownings wahrgenommen. Robert Browning selbst drängte auf ihre Veröffentlichung und stellte sie in eine Reihe mit den Sonetten Shakespeares. In der Nachwirkung galt die Sammlung als eine der schönsten Liebesdichtungen, die je von einer Frau geschrieben wurde, und wurde bis in die Antike zu Sappho zurückverwiesen.

Auch die spätere Literaturwissenschaft schloss sich diesem Urteil an. So bezeichnet die Übersetzerin Lauraine Jungelson die Sonette als eines der schönsten Werke der Dichterin – vielleicht gerade deshalb, weil die Verfasserin ihr Talent in der strengen Sonettform diszipliniert habe. Ihre Schönheit und ihr Reiz beruhten auf der dramatischen Erzählung von der Liebesentwicklung einer Frau.

Um das Werk rankt sich zudem eine editionsgeschichtliche Episode. Die sogenannte Reading-Fassung, herausgegeben von dem angesehenen Sammler Thomas James Wise, gab vor, die Gedichte seien bereits 1847 erschienen. Wise wurde jedoch als Fälscher literarischer Ausgaben entlarvt; die Sonette wurden tatsächlich erst 1850 veröffentlicht.

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