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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Mumins
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Cover Mumins
Mumins
1945
– Werkseintrag –

Mumins

1945 · Roman

Die finnlandschwedische Schriftstellerin Tove Jansson erzählt in einer Reihe von Büchern, Bilderbüchern und Comics von kleinen, nilpferdartigen Trollwesen im idyllischen Mumintal. Ihre anfangs fröhlichen Abenteuer reifen im Lauf der Reihe zu leisen Betrachtungen über Einsamkeit und Altern.

Überblick↑

Bei den Mumins handelt es sich um eine Reihe von Büchern, Bilderbüchern und Comics der finnlandschwedischen Schriftstellerin Tove Jansson. Im Mittelpunkt stehen kleine, nilpferdartige Trollwesen, die im idyllischen Mumintal wohnen. Zwischen 1945 und 1970 schrieb und illustrierte Jansson neun Mumin-Bücher, dazu kamen vier Bilderbücher und über viele Jahre gezeichnete Comics. Die Geschichten erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit und wurden in über dreißig Sprachen übersetzt. Sie zählen zu den bekanntesten Werken der skandinavischen Literatur.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Schauplatz der Geschichten ist das Mumintal, ein friedlicher Landstrich, in dem die Muminfamilie ihr Haus hat. Die Mumins sind kleine Trollwesen mit kurzem Pelz und buschigem Schwanz, gute Schwimmer und Bootslenker. Um sie herum lebt eine bunte Schar von Gestalten: der abenteuerlustige Muminpapa mit seinem Zylinder, die stets liebevolle und tolerante Muminmama mit Schürze und Handtasche, der junge Mumin selbst, kindlich und voller Sehnsucht, dazu das Snorkfräulein, der freiheitsliebende Schnupferich und die respektlose, kleine My.

Die einzelnen Bände erzählen von Reisen, Naturereignissen und unerwarteten Besuchern. Ein häufiges Motiv ist das gemeinsame Überstehen äußerer Bedrohungen, etwa eines heranziehenden Kometen oder eines Unwetters. Die frühen Bücher tragen fröhliche Züge und leben von der Abenteuerlust ihrer Figuren. Im Lauf der Reihe rückt das Innenleben der Gestalten mehr und mehr in den Vordergrund. Dabei begegnen den Bewohnern des Tals auch scheue und unheimliche Wesen, allen voran die einsame, kalte Morra, vor der sich alle fürchten.

Die Handlung im Detail↑

Die neun Mumin-Bücher entstanden zwischen 1945 und 1970. Sie beginnen mit Mumins lange Reise und setzen sich fort über Komet im Mumintal, in dem sich die Bewohner gegen einen drohenden Himmelskörper behaupten, sowie Die Mumins. Eine drollige Gesellschaft. Es folgen Muminvaters wildbewegte Jugend, Sturm im Mumintal, Winter im Mumintal, Geschichten aus dem Mumintal, Mumins wundersame Inselabenteuer und schließlich Herbst im Mumintal.

Die ersten fünf Bände lassen sich als Kinderbücher lesen. Fröhliche Abenteuer-Motive bestimmen die Handlungen, und der tolerante Umgang der Figuren miteinander wirkt auch auf erwachsene Leser. Mit dem sechsten Band wendet sich die Reihe ins psychologisch beobachtende Drama. Die Handlung verlagert sich mehr und mehr ins Innere der Figuren, und die Themen werden ernster: innere Zwänge, Einsamkeit und das Altern treten in den Vordergrund. Das siebte Buch fällt formal aus dem Rahmen. Es bietet keine durchgehende Handlung mehr, sondern besteht aus kurzen, in sich geschlossenen Erzählungen. Diese Form sollte für Janssons spätere Bücher für Erwachsene prägend werden.

Das Tal wird von zahlreichen Gestalten bevölkert. Neben der Muminfamilie treten das naive Schnüferl, das erfinderische Snork und seine Schwester, das Snorkfräulein, auf. Klein My, die jüngste Tochter der Mymla, durchschaut ihr Gegenüber schneller, als es diesem lieb ist. Der Schnupferich liebt die Freiheit und lehnt Autoritäten ab. Hinzu kommen ganze Wesensarten: die zwanghaft ordentlichen Hemule, die um ihre Kinder besorgten Filifjonken und die spargelähnlichen Hatifnatten, die sich bei Gewitter in großen Mengen sammeln und elektrisch aufladen. Die kluge Tooticki löst die Probleme der Familie auf praktische Weise und hält als eine der wenigen keinen Winterschlaf; Charakter und Name gehen auf Janssons Lebenspartnerin Tuulikki Pietilä zurück.

Eine besondere Rolle spielt die Morra, ein kaltes und einsames Wesen, das hin und wieder im Mumintal erscheint. Alles, was sie berührt, lässt sie frieren; der Boden, auf dem sie länger sitzt, gefriert steinhart. Die Bewohner des Tals haben Angst vor ihr. Erst in Winter im Mumintal, wo Mumin und Klein My das Mittwinterfest erleben, wird etwas Sympathie für sie geweckt.

Neben den Romanen schuf Jansson vier Bilderbücher, darunter Mumin sucht die kleine Mü und Knütt findet einen Freund. Bereits 1947 zeichnete sie eine erste fortlaufende Bildergeschichte nach Motiven von Komet im Mumintal, die in Folgen in einer Helsinkier Zeitung erschien. Weil sie auf Sprechblasen verzichtete, gilt diese Arbeit als Vorläufer des Comics. Von 1954 bis 1959 zeichnete Jansson einen täglichen Comicstreifen für eine britische Zeitung. Wegen der wachsenden Belastung gab sie die Reihe nach 21 Episoden an ihren Bruder Lars ab, der sie bis 1975 weiterführte.

Stil↑

Kennzeichnend für die Reihe ist die enge Verbindung von Text und Bild, denn Tove Jansson schrieb und zeichnete ihre Geschichten selbst. Über die Jahre wandelte sich ihre Bildsprache deutlich. Die Zeichnungen der ersten Bände sind noch durch Aquarellflächen geprägt. In den mittleren Büchern herrscht ein Schwarzweiß-Stil vor, der einerseits von geschlossenen Linien, andererseits von einer feinen Schraffurtechnik lebt. In den letzten drei Büchern gibt der Zeichenstrich seine Geschlossenheit auf und wird immer flüchtiger und skizzenhafter.

Auch der Ton der Bücher verschiebt sich. Die frühen Bände sind von fröhlichen Abenteuer-Motiven bestimmt und richten sich an Kinder. Vom sechsten Band an verlagert Jansson die Handlung mehr und mehr ins Innere der Figuren, und die Erzählweise wird psychologisch beobachtend. Das siebte Buch bricht schließlich die durchgehende Erzählform auf und reiht kurze, in sich geschlossene Geschichten aneinander. Charakteristisch bleibt über alle Wandlungen hinweg der tolerante, warmherzige Umgang der Figuren miteinander.

Rezeption↑

Weltweite Beliebtheit begleitet die Mumin-Geschichten seit Jahrzehnten. Die Bücher wurden in über dreißig Sprachen übersetzt und sichern Tove Jansson einen Platz unter den bekanntesten skandinavischen Schriftstellern. Im deutschen Sprachraum wurden die Muminbücher ab den 1950er-Jahren bekannt. Dabei entsprach die Reihenfolge des Erscheinens nicht der der Originale, und die Titel wurden nicht übersetzt, sondern völlig verändert, sodass die Reihe eine äußerliche Serienhaftigkeit erhielt, die sie im Original nicht hat.

Die Comics fanden rasch ein großes Publikum. Sie erschienen in rund 120 Zeitungen in 40 Ländern, darunter in den 1950er- und 1960er-Jahren auch in vielen deutschsprachigen Blättern, später zudem in Jugendzeitschriften und Illustrierten. Tove Jansson hat nie daran gezweifelt, dass es diese Comics waren, die ihre Mumins erstmals international bekannt machten. Eine zehnbändige Gesamtausgabe im ursprünglichen Schwarzweiß erschien zwischen 2006 und 2015.

Über die Bücher hinaus erlebte der Mumin-Stoff zahlreiche Weiterverarbeitungen in Zeichentrick, Puppenspiel und Hörspiel. Bekannt wurde besonders die polnisch-österreichische Puppenanimations-Reihe der Jahre 1978 bis 1982, in deren deutscher Fassung sämtliche Figuren von Hans Clarin gesprochen wurden. In den Jahren 1969 bis 1972 entstanden zwei Animeserien, die Jansson jedoch nicht besonders mochte, weil sie die Aussage der Vorlage nicht originalgetreu umsetzten. Neuere Verfilmungen führten die Geschichten fort, darunter der Zeichentrickfilm Mumins an der Riviera von 2014 und die Animationsserie Mumintal, die 2019 anlief und 2020 erstmals im deutschen Fernsehen zu sehen war.

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