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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Laut und Luise
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Cover Laut und Luise
Laut und Luise
1966
– Werkseintrag –

Laut und Luise

1966 · Lyrik

Ein Gedichtband, der Wörter zerlegt, Vokale verbiegt und Buchstaben streicht – und dessen Verse erst richtig zu wirken beginnen, wenn man sie laut vorliest.

Überblick↑

Der Gedichtband Laut und Luise des österreichischen Lyrikers Ernst Jandl erschien 1966 im Walter Verlag. Es ist der erste umfangreiche Band mit Jandls experimenteller Lyrik, darunter Lautgedichte und visuelle Poesie. Die Gedichte entstanden seit den späten 1950er Jahren. Dazu kommen einige Prosastücke und ein Nachwort von Helmut Heißenbüttel. Spätere Ausgaben erschienen 1971 bei Luchterhand und 1976 in Reclams Universal-Bibliothek. Zu den bekanntesten Stücken gehören wien: heldenplatz, schtzngrmm, falamaleikum, auf dem land, eulen und lichtung.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Einen durchlaufenden Erzählfaden sucht man in diesem Band vergeblich. Die Sammlung Laut und Luise ist in dreizehn Abschnitte gegliedert, und jeder dieser Abschnitte widmet sich einem eigenen Ton oder Gegenstand.

Den Anfang machen Gedichte, die wie Lieder gebaut sind. Danach kommen Stücke in Dialekt und Alltagssprache, dann politische Gedichte, dann Liebeslyrik. Weitere Abschnitte sammeln autobiografische Gedichte, geografische Gedichte, Lehrhaftes, Naturlyrik, Abendgedichte, Tiergedichte und Epigramme. Am Ende steht ein einziges visuelles Gedicht.

Jandl spielt dabei mit den Mitteln der Sprache selbst: Er lässt Wörter weg, verändert Vokale, zieht Laute in die Länge oder streicht sie ganz. Vieles entfaltet seine Wirkung erst beim Vorlesen. Wer den Band aufschlägt, findet also weniger eine Geschichte als eine Reihe von Versuchen, was mit Lauten und Buchstaben alles möglich ist.

Die Handlung im Detail↑

Die Gliederung des Bandes Laut und Luise umfasst dreizehn Abschnitte, die jeweils eine eigene Überschrift tragen.

Der erste heißt „mit musik“. Dazu gehören etüde in f und calypso. Es folgt „volkes stimme“ mit Gedichten in Dialekt und Alltagssprache, darunter talk. Der dritte Abschnitt, „krieg und so“, versammelt die politischen Gedichte: wien: heldenplatz, schtzngrmm und falamaleikum.

„doppelchor“ enthält Liebeslyrik. Dort steht das Gedicht du warst zu mir ein gutes mädchen, das aus Auslassungen von Wörtern und Abwandlungen der Vokale eines einzigen Satzes besteht. Unter „autors stimme“ stehen autobiografische Gedichte. Der Abschnitt „kleine erdkunde“ sammelt geografische Gedichte, etwa über die „niagaaaaaaaaaaaaaaaa / ra felle“, und dazu die prosa aus der flüstergalerie.

In „kuren“ stehen didaktische Gedichte, zum Beispiel über den Besuch beim Zahnarzt („boooooooooooooooooooooooo“) oder über eine Kneipp-Kur. „der blitz“ ist ein längeres Lehrgedicht. Darauf folgen „jahreszeiten“ mit Naturlyrik und „zehn abend-gedichte“, in denen Jandl einen klassischen Topos der Lyrik aufgreift, das Abendgedicht.

Der Abschnitt „bestiarium“ sammelt Gedichte über Tiere, darunter eulen, auf dem land und ernst jandls weihnachtslied. „epigramme“ enthält kurze Spruchgedichte wie BESSEMERBIRNEN, zweierlei handzeichen und lichtung. Den Schluss bildet „klare gerührt“, ein visuelles Gedicht, das allein aus den Buchstaben der Wörter „klare gerührt“ gebaut ist.

Stil↑

Kennzeichnend für den Band sind die Mittel der experimentellen Dichtung. Jandl arbeitet mit Lautgedichten und mit visueller Poesie, bei der das Schriftbild selbst zum Gedicht wird. Wörter werden zerlegt, Buchstaben gestrichen, Vokale gedehnt oder ausgetauscht.

Im Gedicht du warst zu mir ein gutes mädchen entsteht der ganze Text aus einem einzigen Satz, dessen Wörter teils fortfallen und dessen Vokale sich verändern. In schtzngrmm bleibt nur ein Gerüst aus Konsonanten übrig. An anderen Stellen übernimmt die bloße Länge einer Lautkette die Aussage, etwa bei dem gedehnten „boooooooooooooooooooooooo“ beim Zahnarzt oder bei den „niagaaaaaaaaaaaaaaaa / ra felle“.

Daneben greift Jandl vertraute Formen und Gegenstände der Lyrik auf: das Lied, das Lehrgedicht, die Naturlyrik, das Abendgedicht, das Epigramm, das Tiergedicht. Er füllt diese alten Gefäße mit Sprachspiel. Mundart und Alltagssprache stehen neben englischen Wortfetzen. Viele Texte sind auf das Sprechen hin angelegt und entfalten ihre Wirkung erst im Vortrag.

Rezeption↑

Mit dem Band gelang Jandl der Durchbruch. Der Walter Verlag schloss danach seine literarische Abteilung.

1968 erschien eine Auswahl der Gedichte als Sprechplatte bei Wagenbach.

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