1961
Catch-22
Überblick↑
Der Roman Catch-22 von Joseph Heller erschien 1961 in den Vereinigten Staaten. Er erzählt vom Bombenschützen John Yossarian, der im Zweiten Weltkrieg auf der Mittelmeerinsel Pianosa stationiert ist und nur eines will: lebend nach Hause. Heller schrieb eine Satire auf die Absurdität des Krieges. Anfangs verkaufte sich das Buch schlecht. Begeisterte Leser empfahlen es einander weiter, und so wurde daraus ein Welterfolg. Die Zeitschrift Time zählt es zu den besten hundert englischsprachigen Romanen, die zwischen 1923 und 2005 erschienen sind; auch der Guardian nahm es in eine entsprechende Liste auf. Der Titel selbst ist längst zum geflügelten Wort für eine ausweglose Zwickmühle geworden.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht Captain John Yossarian, Bombenschütze einer B 25 der amerikanischen Luftwaffe. Seine Staffel liegt auf der Insel Pianosa im Mittelmeer, die Einsätze sind lebensgefährlich, und Yossarian hat schreckliche Angst. Zwei Wege führen nach Hause: die vorgeschriebene Zahl von Feindflügen erreichen oder krankgeschrieben werden. Doch das Soll an Feindflügen wird immer weiter heraufgesetzt.
Bleibt die Krankschreibung. Hier stößt Yossarian auf eine dunkle Vorschrift namens Catch-22. Nach Hause darf nur, wer geisteskrank ist und selbst darum bittet. Wer aber darum bittet, beweist damit, dass sein Verstand tadellos arbeitet, denn sich vor der Todesgefahr retten zu wollen ist vernünftig. Also bleibt er.
Um Yossarian herum wimmelt es von Männern, die aus ganz eigenen Gründen im Krieg sind. Colonel Cathcart möchte in einem Magazin für Kriegsberichterstattung erwähnt werden. General Peckem will sich mit elegant formulierten Schreiben nach oben dienen. Colonel Scheisskopf lebt für seine Paraden. Milo Minderbinder baut ein Kartell für Schwarzmarktgeschäfte auf, und Hungry Joe will nackte Frauen fotografieren. Nur Yossarian will schlicht mit heiler Haut davonkommen.
Die Handlung im Detail↑
In einem kurzen Vorwort erklärt Yossarian, er werde von nun an nur noch an sich selbst denken. Sein Vorgesetzter Major Danby hält ihm nachsichtig vor, wohin das führen würde, wenn jeder nur noch an sich selbst dächte. Yossarian antwortet schlagfertig, dann wolle er erst recht nicht der Einzige sein, der es nicht tut.
Yossarian ist Captain und Bombenschütze auf einer B 25 der US Air Force, stationiert auf Pianosa. Er versucht, den Krieg und die riskanten Einsätze seiner Staffel zu überleben. Der erste Weg wäre, die vorgeschriebene Zahl von Feindflügen zu erreichen, nach der man heimgeschickt wird. Diese Zahl wird jedoch immer wieder erhöht, sodass das Ziel nie näher rückt.
Der zweite Weg wäre eine Krankschreibung. Genau die verhindert die obskure Regel Catch-22 mit ihren paradoxen Begründungen. Heimgeschickt wird nur, wer geisteskrank ist und selbst darum ersucht. Wer aber darum ersucht, kann nicht geisteskrank sein, denn der Wunsch, das eigene Leben zu retten, indem man sich vor dem Kriegsdienst drückt, beweist einen völlig gesunden Verstand.
Beim Truppenarzt Doc Daneeka, der unentwegt um seine eigene Gesundheit besorgt ist, lotet Yossarian aus, ob man ihn nicht wegen Verrücktheit fluguntauglich schreiben könne: Bei jedem Einsatz habe er furchtbare Angst. Doc Daneeka belehrt ihn, Angst im Feindflug sei völlig normal. Hätte er keine Angst, dann wäre er verrückt und müsste am Boden bleiben. In diesem Augenblick begreift Yossarian, was hinter Catch-22 steckt.
Diese Regel existiert in Wahrheit gar nicht. Das ändert nichts, solange alle an sie glauben. Sie wird immer wieder herangezogen, um Ungerechtigkeiten und Widersprüche zu rechtfertigen. Catch-22 ist der hinterhältige Trick eines absurden Systems, verkörpert durch die Luftwaffe und ihre verrückten Stabsoffiziere, den Einzelnen stets als Verlierer dastehen zu lassen. Der Einzelne ist hier der geistig gesunde Yossarian.
Die übrigen Figuren machen den Krieg aus je eigenen Beweggründen mit. Colonel Cathcart giert nach der Erwähnung in einem Kriegsberichterstatter-Magazin. General Peckem will sich durch elegante Memoranden befördern lassen. Colonel Scheisskopf will Paraden abhalten und wird wegen ihrer Perfektion tatsächlich zum General befördert. Milo Minderbinder baut ein Schwarzmarkt-Kartell auf, Hungry Joe möchte nackte Frauen fotografieren. Yossarian dagegen will einzig heil aus dem Krieg herauskommen.
So wird der Krieg selbst als absurd vorgeführt, weil sämtliche Ideale, die ihn tragen sollen, als absurd entlarvt werden: Patriotismus, Nationalismus, Kriegsindustrie, der Glaube, Gott stehe auf der eigenen Seite, dazu Heldentum und Obrigkeitsdenken. Die Angriffe des Buches zielen dabei weniger auf den Zweiten Weltkrieg als auf die Vereinigten Staaten der 1950er Jahre.
Stil↑
Bestimmend ist der schwarze Humor. Heller erzählt die Schrecken des Krieges in sarkastischem Ton und führt die Dummheit des Systems und seiner Anhänger vor, indem er ihre eigene Logik ernst nimmt und bis zum widersinnigen Ende weiterdenkt. Die Regel Catch-22 ist dafür das Musterbeispiel: ein Zirkelschluss, gegen den kein Argument hilft.
Das Buch gehört zur absurden Literatur und zugleich zum Kriegsroman. Die Figuren tragen sprechende, oft grotesk klingende Namen wie Scheisskopf, Minderbinder oder Hungry Joe. Jede von ihnen steht für eine eigene Spielart von Eigennutz oder Wahn. Aus dieser Reihung entsteht das Bild eines Apparats, in dem alle beschäftigt sind und niemand mehr fragt, wozu.
Rezeption↑
Zunächst blieb der Erfolg aus. Erst die Mundpropaganda begeisterter Leser machte den Roman nach und nach bekannt, bis er zum Welterfolg wurde. Die Zeitschrift Time führt ihn unter den hundert besten englischsprachigen Romanen, die zwischen 1923 und 2005 veröffentlicht wurden. Der Guardian nahm ihn ebenfalls in seine Liste der hundert besten englischsprachigen Romane auf.
Besondere Aktualität gewann das Buch durch den Vietnamkrieg, auf den das Element der Absurdität noch weit besser zutraf als auf den Zweiten Weltkrieg. Mike Nichols verfilmte den Stoff 1970 unter dem Titel Catch-22 – Der böse Trick. Später entstand außerdem eine Fernsehserie, an der George Clooney als Regisseur beteiligt war.
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