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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Pan
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Cover Pan
Pan
1894
– Werkseintrag –

Pan

1894 · Roman

Ein ehemaliger Leutnant zieht sich in eine Jagdhütte am Fjord zurück und gerät in eine schwankende Liebe zwischen Wald, Einsamkeit und dem nahen Städtchen.

Überblick

Pan erschien 1894 bei P.G. Philipsen in Kopenhagen. Der Roman gilt als eines der bekanntesten Werke des norwegischen Schriftstellers Knut Hamsun. Er trägt den Untertitel Aus Leutnant Glahns Papieren. In der Ich-Form schildert er die Erinnerungen des Leutnants Thomas Glahn an einen Sommer in der nordnorwegischen Einsamkeit. Hamsun verbindet darin schwärmerische Naturschilderungen mit der Geschichte eines zerrissenen Mannes. Dieser Mann kommt mit seiner Umwelt und den Menschen nicht zurecht. Das Buch zählt zu den frühen Hauptwerken des Autors. Es gehört zur klassischen skandinavischen Literatur des späten 19. Jahrhunderts.

Inhalt (ohne Spoiler)

Etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts scheidet Leutnant Thomas Glahn aus dem Militär aus. Danach zieht er sich in eine einsame Jagdhütte im nordnorwegischen Wald zurück. Gemeinsam mit seinem Hund Aesop lebt er an einem Fjord. Er ernährt sich von Jagd und Fischfang und sucht nur selten das nahe gelegene Städtchen Sirilund auf. Dort begegnet er Edvarda, der eigenwilligen Tochter des reichen Kaufmanns Mack. Mit ihr gerät er in eine schwankende Beziehung, die immer wieder zwischen Zuneigung und Abweisung pendelt. Daneben kreuzen weitere Figuren seinen Weg. Dazu gehören die verheiratete Eva, das Hütemädchen Henriette und ein Doktor, in dem Glahn einen Nebenbuhler vermutet. Erzählt wird das Geschehen aus der Rückschau in achtunddreißig kurzen Kapiteln. Sie sind durchzogen von Naturbetrachtungen, Stimmungen und Träumereien. Ein Epilog von fünf Kapiteln schließt das Buch ab. Er führt den Leser an einen anderen Schauplatz.

Die Handlung im Detail

Thomas Glahn, ehemaliger Leutnant, blickt aus zeitlichem Abstand auf einen Sommer zurück, den er in einer Jagdhütte im Nordland verbracht hat. Mit seinem Hund Aesop lebt er allein im Wald an einem Fjord, irgendwann um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Er jagt, fischt und versorgt sich selbst; die Zivilisation des fiktiven Städtchens Sirilund betritt er nur gelegentlich.

In Sirilund residiert der reiche Kaufmann Mack, ein "Fjordbaron", dessen Tochter Edvarda zur zentralen weiblichen Gestalt des Romans wird. Auch sie hat einen schwierigen Charakter, und die Beziehung zwischen ihr und Glahn pendelt von Anfang an zwischen leidenschaftlicher Zuneigung und schroffer Ablehnung, auf beiden Seiten. Mal sucht Edvarda seine Nähe, mal stößt sie ihn von sich, mal verhält Glahn sich genauso. Zu den Männern, die in Edvardas Umgebung auftauchen, gehört ein Doktor, in dem Glahn fälschlich einen Nebenbuhler vermutet. Am Ende heiratet Edvarda nicht ihn, sondern einen echten Baron, der bei ihrem Vater zu Gast weilt.

Eine zweite Frau, die in Glahns Sommer eine Rolle spielt, ist Eva, die Frau des Schmieds. Sie ist von einfacherem, natürlicherem Wesen als Edvarda, doch sie ist bereits verheiratet. Am Ende kommt sie durch einen Unfall ums Leben, den Glahn unbeabsichtigt verursacht. Die dritte Frau, das Hütemädchen Henriette, bleibt eine Randfigur.

Den eigentlichen Stoff des Romans bilden weniger diese Beziehungen als Glahns pantheistische Naturbetrachtungen, seine Stimmungen, Träumereien und seine ausgeprägte Abneigung gegen die Zivilisation. Die Figuren entwickeln sich nicht; sie sind am Ende dieselben wie am Anfang. Auch die Liebesverhältnisse werden nicht differenziert ausgemalt, sondern bleiben Eindrücke und Schwankungen.

Ein Epilog aus fünf Kapiteln schließt das Buch ab. Er führt aus dem norwegischen Wald hinaus und schildert, wie Glahn in Indien stirbt.

Stil

Der Roman ist als Ich-Erzählung aus der Rückschau angelegt. Leutnant Glahn berichtet aus seinen "Papieren" von einem wenige Jahre zurückliegenden Sommer. Die Erzählung gliedert sich in achtunddreißig kurze Kapitel. Darauf folgt ein fünfteiliger Epilog. Der Text lebt von einer schwärmerischen, aus heutiger Sicht ausgesprochen empfindsamen Naturbeschreibung. Hinzu kommt eine pantheistische Grundhaltung, in der die Natur als beseeltes Gegenüber erscheint. Stimmungen, Träumereien und innere Bewegungen treten an die Stelle einer ausgearbeiteten Handlungsführung. Die Figuren werden weniger psychologisch entwickelt als skizziert. Auch die Beziehungen zwischen Mann und Frau zeichnet Hamsun nicht in fein abgestuften Nuancen. Er zeichnet sie in starken Schwüngen zwischen Zuneigung und Abwehr.

Rezeption

Pan zählt zu den frühen, weithin bekannten Romanen Knut Hamsuns. Über mehr als ein Jahrhundert hinweg hat das Werk immer wieder Künstler zur Bearbeitung angeregt. Schon 1922 entstand eine erste norwegische Verfilmung unter der Regie von Harald Schwenzen. 1937 folgte eine zweite Adaption durch Olaf Fjord. 1962 wurde der Stoff unter dem Titel Aller Nächte Sehnsucht erneut auf die Leinwand gebracht. 1995 legte der dänische Regisseur Henning Carlsen seine Version vor. Diese Reihe von Verfilmungen erstreckt sich über sieben Jahrzehnte. Sie zeigt, wie nachhaltig die Geschichte des einsamen Jägers im norwegischen Nordland in der europäischen Filmkultur präsent geblieben ist.

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