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Werkseintrag · Die Falschmünzer
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Cover Die Falschmünzer
Die Falschmünzer
1925
– Werkseintrag –

Die Falschmünzer

1925 · Roman

In Paris verflechten sich die Wege zweier Gymnasiasten und eines Schriftstellers zu einem vielstimmigen Roman, in dem eine der Figuren selbst an einem Buch gleichen Titels schreibt.

Überblick

Der Roman Die Falschmünzer zählt zu den bekanntesten Werken des französischen Schriftstellers André Gide. Er erschien 1925 unter dem Originaltitel Les Faux-Monnayeurs. Schauplatz ist Paris. Das Buch verknüpft eine Vielzahl von Figuren und Nebengeschichten zu einem vielstimmigen Ganzen. Im Mittelpunkt stehen zwei halbwüchsige Jungen und ein Schriftsteller mittleren Alters. Eine Besonderheit liegt darin, dass eine der Figuren selbst an einem Roman desselben Titels arbeitet.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Zentrum der Handlung, die einige Sommer- und Herbstmonate umfasst, stehen zwei halbwüchsige Jungen und ein Mann von achtunddreißig Jahren. Bernard Profitendieu, ein siebzehn oder achtzehn Jahre alter Pariser Gymnasiast, entdeckt kurz vor dem Abitur, dass er das Kind einer Beziehung seiner Mutter mit einem flüchtigen Liebhaber ist. Das erklärt ihm auf einen Schlag die Distanz, die er seit jeher gegenüber seinem vermeintlichen Vater und seinen beiden vermeintlichen Brüdern empfindet. Er beschließt, von zu Hause auszureißen, und schlüpft bei seinem Klassenkameraden und Freund Olivier Molinier unter, einem ängstlichen Jungen, dem es an Zuwendung fehlt.

Nähe sucht Bernard vor allem bei Oliviers Onkel Edouard, einem Schriftsteller. Durch einen Zufall wird Bernard von Edouard als Sekretär angestellt und reist mit ihm in die Berge nach Saas-Fee. Olivier fühlt sich zurückgesetzt und gerät aus Enttäuschung und Eifersucht in den Bann des Grafen Passavant, eines reichen, snobistischen Modeschriftstellers, der zu Zynismus und Manipulation neigt. Um diesen Kern gruppieren sich zahlreiche Nebengeschichten, in die Oliviers Brüder, die Väter der Gymnasiasten, ein alter Organist und dessen zerbrechlicher Enkel verwickelt sind.

Die Handlung im Detail

Den Haupthandlungsstrang tragen Bernard Profitendieu, Olivier Molinier und Oliviers Onkel Edouard. Bernard erfährt kurz vor dem Abitur, dass er unehelich zur Welt kam, und findet darin die lang gesuchte Erklärung für seine Fremdheit gegenüber Vater und Brüdern. Er reißt aus und übernachtet zunächst bei Olivier. Weil ein zufälliges Zusammentreffen ihn mit Edouard zusammenführt, wird er von diesem als Sekretär angestellt und begleitet ihn nach Saas-Fee.

Olivier, von der Abreise seines Freundes und Onkels enttäuscht und eifersüchtig, lässt sich mit dem Grafen Passavant ein. Der reiche, zynische Schriftsteller nutzt die Gefühlslage des Jungen für sich aus. Unter seinem schädlichen Einfluss wird Olivier zunehmend bösartig und brutal, selbst gegenüber seinen besten Freunden. Als ihm das bewusst wird, verfällt er in tiefe Depression, ohne zu wissen, wie er die Entwicklung umkehren könnte. Auf einem mondänen Abend betrinkt er sich, macht sich vor aller Welt lächerlich und sinkt in eine deliriöse Betäubung. Onkel Edouard nimmt ihn auf, und Olivier verbringt die Nacht in dessen Armen. Am Morgen versucht Olivier, sich das Leben zu nehmen – nicht aus Verzweiflung, sondern weil er glaubt, ein solches Glück wie in dieser Nacht nie wieder erleben zu können. Er wird von Edouard gerettet, dank der Wachsamkeit seiner Mutter, die die Beziehung zwischen Bruder und Sohn zwar ahnt, sie aber nicht zerstören will.

Um diesen Kern legen sich mehrere kleinere Geschichten. Oliviers älterer Bruder Vincent beginnt eine Liebschaft mit seiner entfernten Cousine Laura, schwängert sie, stiehlt sich dann aber aus der Verantwortung und wendet sich Lady Lilian Griffith zu, der zynischen Freundin des Grafen Passavant. Der jüngere Bruder Georges wird durch die Manipulation Passavants straffällig. Oliviers Freund Armand, von Enttäuschung und Depression gezeichnet, treibt in seinen Anschauungen einem extremen Nihilismus entgegen und landet am Ende in geistiger Nähe des zynischen Grafen. Auch die Väter der beiden Gymnasiasten, der Ermittlungsrichter Profitendieu und Herr Molinier, sind in Affären verstrickt.

Ein eigener Strang gilt dem alten Organisten La Pérouse, der sich danach sehnt, seinen verschollenen Enkel Boris wiederzusehen, sich beim Wiedersehen aber enttäuscht zeigt. Edouard und Bernard hatten das zerbrechliche Kind in einem Sanatorium in den Bergen aufgefunden und nach Paris zurückgebracht – auch, um es dem Einfluss seiner kränklichen Freundin Bronja zu entziehen. Allein gelassen, verzweifelt und von allen im Stich gelassen, auch von Edouard, der eigentlich versprochen hatte, sich um ihn zu kümmern, wird Boris von Georges und dessen Kameraden misshandelt. Im letzten Kapitel wird er Opfer eines Komplotts: Bei einer Mutprobe erschießt er sich mit der vermeintlich nicht geladenen Pistole seines Großvaters. Über all dem steht, dass der Roman auf sich selbst verweist – denn Onkel Edouard schreibt seinerseits an einem Werk, das den Titel Die Falschmünzer trägt.

Stil

Der Aufbau des Romans folgt keiner einzelnen Linie, sondern verwebt einen Haupthandlungsstrang mit mehreren kleineren Geschichten. Um Bernard, Olivier und Edouard gruppieren sich zahlreiche weitere Figuren aus verschiedenen Generationen – Geschwister, Väter, ein Organist und dessen Enkel –, deren Wege sich immer wieder kreuzen. So entsteht ein vielstimmiges Geflecht, in dem sich die einzelnen Schicksale gegenseitig spiegeln.

Auffällig ist die Selbstbezüglichkeit der Anlage. Eine der Figuren, der Schriftsteller Edouard, arbeitet selbst an einem Roman, der ebenso Die Falschmünzer heißt. Auf diese Weise reflektiert das Buch das eigene Entstehen und stellt die Frage nach Echtheit und Fälschung nicht nur in der Handlung, sondern auch in seiner Form.

Rezeption

Das Werk gilt als einer der wichtigen Romane André Gides. Das Magazin Der Spiegel zählt es zu den besten hundert Büchern zwischen 1925 und 2025. Bis in die Gegenwart hat der Stoff auch Filmemacher beschäftigt: 2010 entstand unter der Regie von Benoît Jacquot eine Verfilmung fürs Fernsehen.

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