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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · My Brilliant Career
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Cover My Brilliant Career
My Brilliant Career
1901
– Werkseintrag –

My Brilliant Career

1901 · Roman

Ein eigenwilliges Farmermädchen im australischen Hinterland der 1890er Jahre träumt vom Schreiben, während Dürre und Schulden die Familie erdrücken und ein reicher Nachbarssohn um sie wirbt.

Überblick↑

Der Roman My Brilliant Career erschien 1901 und war das erste Buch von Stella Maria Sarah Miles Franklin (1879–1954). Franklin zählt zu den wichtigen australischen Schriftstellerinnen ihrer Zeit. Sie schrieb das Buch noch als Halbwüchsige, eigentlich nur zur Unterhaltung ihrer Freundinnen. Erzählt wird von Sybylla Melvyn, einem eigenwilligen Mädchen auf dem Land im Australien der 1890er Jahre. Der Roman wurde in Australien schnell bekannt – und brachte seiner Verfasserin so viel Kummer ein, dass sie ihn wieder aus dem Handel nahm.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht Sybylla Melvyn, ein phantasievolles und trotziges Mädchen, das im ländlichen Australien der 1890er Jahre aufwächst. Dürre und eine Reihe schlechter geschäftlicher Entscheidungen drücken die Familie auf ein Leben am Rand des Nötigsten herab. Der Vater beginnt stark zu trinken. Sybylla leidet unter der Eintönigkeit ihres Alltags.

Zu ihrer Erleichterung darf sie auf das Anwesen der Großmutter ziehen, wo das Leben angenehmer ist. Dort begegnet sie dem wohlhabenden jungen Harold Beecham. Er liebt sie und macht ihr einen Heiratsantrag. Doch Sybylla hält sich selbst für hässlich und kann nicht glauben, dass er sie wirklich liebt.

Inzwischen hat das Trinken des Vaters die Familie in Schulden gestürzt. Sybylla wird zu einem Nachbarn geschickt, dem der Vater Geld schuldet, und soll dort als Erzieherin und Haushälterin arbeiten. Der Mann kann kaum lesen und schreiben, und das Leben in seinem Haus wird für sie unerträglich. Ob sie den Weg zu der Laufbahn als Schriftstellerin findet, die sie sich erträumt, hält der Roman bis zum Schluss offen.

Die Handlung im Detail↑

Der Beginn zeigt Sybylla Melvyn als lebhaftes, störrisches Mädchen im ländlichen Australien der 1890er Jahre. Dürre und mehrere falsche geschäftliche Entscheidungen bringen die Familie in bittere Armut. Der Vater trinkt immer mehr, und Sybylla kämpft mit der Langeweile und Enge ihres Lebens.

Dann wird sie zur Großmutter aufs Land geschickt, und dort ist das Leben behaglicher. Sie lernt den reichen jungen Harold Beecham kennen. Er verliebt sich in sie und bittet sie, ihn zu heiraten. Sybylla aber ist überzeugt, hässlich zu sein, und glaubt ihm seine Liebe nicht.

Unterdessen haben die Trinkgewohnheiten des Vaters die Familie in Schulden gestürzt. Sybylla muss zu einem Nachbarn, dem der Vater Geld schuldet, und dort als Erzieherin und Haushälterin dienen. Der Mann ist nahezu ungebildet. Sie findet das Leben in diesem Haus unerträglich und bricht schließlich körperlich zusammen. Daraufhin kehrt sie in ihr Elternhaus zurück.

Als Harold Beecham noch einmal kommt und um sie anhält, entscheidet sie, dass sie ihn nur unglücklich machen würde. Sie schickt ihn fort und nimmt sich vor, niemals zu heiraten. Das Ende gibt keinen Hinweis darauf, dass Sybylla die glänzende Laufbahn als Schriftstellerin, die sie ersehnt, jemals erreichen wird.

Stil↑

Als Unterhaltung für den Freundeskreis begonnen, trägt das Buch die Züge eines jugendlichen Erstlings: Es folgt dem Muster einer Liebesgeschichte, stellt aber die Nüchternheit des Landlebens daneben. Dürre, Verschuldung und die stumpfe Gleichförmigkeit der Tage gehören genauso zum Bild wie der Antrag des reichen Nachbarssohnes.

Der Titel steht in einem gewollten Missverhältnis zum Erzählten. Von einer glänzenden Laufbahn ist am Ende nichts zu sehen, und gerade diese Spannung zwischen dem Anspruch der Heldin und ihren Möglichkeiten hält das Buch aufrecht. Henry Lawson, dem Franklin das Manuskript schickte, steuerte ein Vorwort bei.

Rezeption↑

Franklin schickte das Manuskript an Henry Lawson, der es mit seinem Vorwort seinen Verlegern nach Edinburgh brachte. So erschien das Buch 1901 bei William Blackwood. In Australien wurde es rasch beliebt. Viele Leser erkannten in den Figuren Franklins eigene Familie und die Verhältnisse der kleinen Farmer in New South Wales bei Goulburn wieder. Das bereitete der Autorin große Not. Sie zog den Roman aus dem Handel zurück und ließ ihn erst nach ihrem Tod wieder erscheinen. Kurz nach der Erstveröffentlichung schrieb sie eine Fortsetzung, My Career Goes Bung; sie kam erst 1946 heraus. 1980 legte Virago Press den Roman neu auf.

Bekannt wurde der Stoff über die Bühne und den Bildschirm. Der Film von 1979, produziert von Margaret Fink und gedreht von Gillian Armstrong, kam im deutschen Sprachraum als Meine brillante Karriere heraus; Judy Davis und Sam Neill spielten Sybylla und Harry. Eine Theaterfassung von Kendall Feaver wurde im Dezember 2020 am Belvoir Street Theatre in Sydney erstmals gespielt. 2024 brachte die Melbourne Theatre Company am Southbank Theatre eine Musical-Fassung heraus. 2025 wurde eine Serie für Netflix mit Philippa Northeast in der Hauptrolle angekündigt, die am 13. August 2026 weltweit erschien.

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