1876
Ein Kampf um Rom
Überblick↑
Das Werk Ein Kampf um Rom ist ein historischer Roman von Felix Dahn, der 1876 erschien. Er erzählt vom Untergang des Ostgotenreichs in Italien im 6. Jahrhundert und vom Ringen zwischen den Goten und dem oströmischen Kaiserreich um die Herrschaft über Rom und Italien. Über viele Jahre hinweg fand das Buch ein sehr großes Publikum und gehört zu den bekanntesten historischen Romanen seiner Zeit. Im Mittelpunkt steht neben den Anführern der Goten die Gestalt des Römers Cethegus, der zwischen den Mächtigen sein eigenes Ziel verfolgt: die Unabhängigkeit Roms.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
In den letzten Tagen der Herrschaft Theoderichs des Großen über Italien versammeln sich fünf führende Ostgoten um den alten Waffenmeister Hildebrand unweit von Ravenna. Die Brüder Totila und Hildebad sowie die Feldherren Witichis und Teja schwören, dem Volk der Goten treu zu dienen. Sie misstrauen der Aussöhnungspolitik zwischen Römern und Goten, die der römische Kanzler Cassiodor und Amalaswintha, die Tochter Theoderichs, betreiben.
Zur gleichen Zeit sammeln sich Angehörige der römischen Aristokratie und der Geistlichkeit, die die Herrschaft der Goten abschütteln wollen. Unter ihnen ragt der Römer Cethegus hervor, ein kühler und ehrgeiziger Mann, der das Amt des Stadtpräfekten von Rom übernimmt. Nach außen dient er den Goten, in Wahrheit stärkt er die Unabhängigkeit der Stadt und verfolgt weitreichende Pläne.
Nach dem Tod des alten Königs beginnt ein langes Ringen um den Thron und um Italien. Junge Herrscher folgen aufeinander, das oströmische Kaiserreich unter Justinian greift nach dem Land, und zwischen den Fronten webt Cethegus sein Netz aus Bündnissen und Verrat. Der Roman entfaltet ein breites Bild dieses Kampfes, in dem Treue, Ehrgeiz und Liebe eng miteinander verflochten sind.
Die Handlung im Detail↑
Der Roman ist in mehrere Bücher gegliedert, deren jedes den Namen eines Herrschers trägt. Er beginnt in den letzten Tagen Theoderichs des Großen. Die um Hildebrand versammelten Goten leisten ihren Treueschwur, während sich die Römer um den ehrgeizigen Priester Silverius, der Papst werden will, und um Cethegus sammeln. Als der König im Sterben liegt, übernimmt Cethegus auf Bitten des Kanzlers und Amalaswinthas das Amt des Stadtpräfekten von Rom. Er hebt eigene Truppen aus und lässt die Mauern erneuern, um Rom gegenüber dem Gotenreich unabhängig zu machen.
Nach Theoderichs Tod wird dessen junger Enkel Athalarich König, der an Herzproblemen leidet. Zunächst führt seine Mutter Amalaswintha für ihn die Regierung, doch bald wendet sich der junge König gegen sie und will selbst herrschen. Cethegus, dem der König im Weg steht, fädelt eine Liebesaffäre ein und übergibt einer Mutter einen vermeintlichen Liebestrank, der in Wahrheit giftig ist. Als dieser bei Athalarich angewendet wird, stirbt der junge König. Amalaswintha wird Königin, was die Gotenpartei schwächt und die Stellung des Cethegus stärkt.
Um seine Macht über die Königin zu festigen, will Cethegus sie von Ravenna nach Rom holen. Doch die Gotenherzöge Thulun, Ibba und Pitza treffen ein und ringen ihr einen Vertrag ab, der ihre Stellung schwächt. Cethegus überredet die Königin, die Herzöge ermorden zu lassen, was gelingt; dann lässt er sie im Stich. Zur selben Zeit berät der oströmische Kaiser Justinian mit seinen Feldherren Belisar und Narses. Er beschließt, Belisar mit Truppen nach Italien zu schicken, und beauftragt Cethegus und den Gesandten Petros, in Italien Zwietracht zu säen. Seine Gattin Theodora erteilt Petros heimlich zusätzlich den Auftrag, Amalaswintha zu töten, da diese ihr gefährlich werden könnte.
In Ravenna legt Petros der Königin nahe, zugunsten ihres Vetters Theodahad zurückzutreten, des letzten männlichen Amalers, der als feige und selbstsüchtig gilt. Amalaswintha folgt dem Rat, warnt aber Theodahad, das Gotenvolk nicht an die Oströmer zu verkaufen. Da er nicht auf sie hört, flieht sie in die Villa des ehemaligen Kanzlers, um der Volksversammlung von seinem Verrat zu berichten. Dort wird sie von Gothelindis, der Gattin Theodahads, überrascht und getötet. Petros kündigt nun im Namen Justinians die Vereinbarungen auf und erklärt dem Gotenreich den Krieg. Belisar landet mit den kaiserlichen Truppen auf Sizilien. Die Gotenpartei um Hildebrand verurteilt Gothelindis wegen Mordes zum Tode, setzt Theodahad wegen Verrats ab und erklärt ihn für vogelfrei. Zum neuen König wählen die Goten Witichis, der Gerechtigkeitssinn und Vernunft bewiesen hat.
Belisar steht bald vor Neapel, das nach fünfzehn Tagen durch Verrat fällt; Totila entkommt knapp. Witichis fürchtet, auch Rom werde überlaufen, und beschließt, die Stadt aufzugeben, um wenigstens den Norden zu halten. Kaum haben die Goten Rom verlassen, ruft der neugewählte Papst Silverius die Bürger auf, ihren Treueeid zu brechen, und will Belisar die Schlüssel der Stadt übergeben. Doch Cethegus kommt ihm zuvor, weist ihm den Plan eines Priesterreiches nach und erreicht, dass Belisar den Bischof an den Hof von Byzanz schickt. Zugleich bringt Cethegus den Feldherrn dazu, nur unter seinen Bedingungen in Rom einzuziehen, was ihm einen großen Vorteil verschafft.
Vor Ravenna liegen sowohl Witichis als auch das Geschlecht der Wölsungen, denn die Bürger erkennen nur Mataswintha, die Enkelin Theoderichs, als Königin an. Darum verlangt Hildebrand von Witichis, seine Frau Rauthgundis aufzugeben und Mataswintha zu heiraten. Schweren Herzens und erst nach dem Zuspruch seiner Frau willigt der König ein. So vereinigen sich die Goten wieder. Doch in der Hochzeitsnacht erklärt Witichis der Mataswintha, dass er sie niemals lieben könne. Tief verletzt schwört sie, ihm und dem Gotenreich das Verderben zu bringen.
Die Goten ziehen vor Rom und besiegen Belisar in offener Schlacht, sodass er in die Stadt flüchten muss. Die lange Belagerung aber ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt, denn Mataswintha trifft sich allabendlich mit Cethegus und verrät ihm die Pläne der Goten. Ein Großangriff des Witichis gelingt beinahe, scheitert jedoch, als sich ihm Cethegus in den Weg stellt. Nach über einem Jahr sind drei Viertel der gotischen Kämpfer durch Hunger, Kampf und Seuchen umgekommen. Witichis muss sich nach Ravenna zurückziehen, wo ihn Belisar und Cethegus einschließen. Die Bündnisse zerfallen, auch der fränkische Verbündete lässt ihn im Stich. Von Zweifeln geplagt, bietet Witichis Belisar an, an seiner Stelle die Krone zu tragen. Belisar nimmt zum Schein an; als Witichis den Großteil seiner Truppen aus der Stadt führt und die Tore öffnet, wird er gefangen genommen und in den Kerker geworfen. Belisar lässt das Banner Justinians hissen. Witichis' frühere Frau Rauthgundis versucht ihn zu befreien; die Flucht gelingt zunächst, doch beide werden ermordet.
Nachdem die Nachricht vom Mord an Witichis und an Hildebad, dem Bruder Totilas, die Goten erreicht, wählen die verbliebenen Anführer Totila zum König. Dem jungen König gelingt es, Ravenna und Rom einzuschließen und fast ganz Norditalien friedlich zurückzugewinnen. Die von Ostroms harter Steuerpolitik enttäuschten Städte des Südens öffnen ihm ihre Tore, auch die Seefestung Neapel. Einen erneuten Vorstoß Belisars, der seinen Feldzug nur aus eigenen Mitteln finanziert, schlägt Totila schwer zurück. Schließlich bewegt er die ausgehungerte Bevölkerung Roms dazu, die Tore zu öffnen, und verspricht Milde. Nur Cethegus weigert sich, seine Stadt aufzugeben, und besetzt mit Söldnern das Kapitol. Doch die Goten nehmen auch die letzten Teile der Stadt; Cethegus muss schwer verletzt fliehen, und Totila wird als Befreier gefeiert.
Sofort schickt Totila eine Gesandtschaft nach Konstantinopel, um Frieden zu erbitten; ihr gehören der ehemalige Kanzler Cassiodor und Totilas römischer Freund Julius Montanus an. Doch auf Betreiben des Cethegus und der Kaiserin Theodora lehnt Justinian ab; insgeheim will er die Goten erneut überfallen, sobald wieder Gelder für einen Feldzug bereitstehen. Die Goten antworten mit einem Angriff über See auf Byzanz. Als ihre Truppen schon kurz vor Konstantinopel stehen, bietet Totila noch einmal Frieden an. Der Kaiser erbittet Bedenkzeit in Gestalt eines sechs Monate langen Waffenstillstands – während die Regierung in Byzanz insgeheim bereits einen neuen Krieg gegen die Goten vorbereitet.
Justinian ernennt Narses zum Oberbefehlshaber und schickt ihn mit einem großen Heer nach Italien. In der Schlacht bei Busta Gallorum wird Totila von seinem korsischen Weggefährten Furius Ahalla verraten, der aus enttäuschter Liebe zur Seite der Feinde überläuft; Ahalla verwundet Totila im Reiterkampf tödlich, kommt dabei aber selbst um. Die Goten wählen darauf Teja zu ihrem letzten König. Er führt die Reste seines Volkes zum Vesuv, wo er einen Gebirgspass gegen die Übermacht der Byzantiner stundenlang im Alleingang verteidigt und ihnen schwere Verluste zufügt. Am Ende stürmt Cethegus mit dem Speer auf ihn los: Die beiden Erzfeinde töten sich gegenseitig.
Als schon alles verloren scheint, taucht die totgeglaubte Flotte des mit den Goten verbündeten Wikingerfürsten Harald vor der Küste auf. Er verhandelt mit Narses und erreicht für die überlebenden Goten freien Abzug nach „Thuleland“. Beim Vorbeimarsch der Goten erweist Narses ihnen seine Hochachtung und nennt Teja den größten Helden aller Zeiten.
Stil↑
Angelegt ist das Werk als weit ausgreifender historischer Roman, der ein ganzes Zeitalter umspannt. Seine Bücher tragen jeweils den Namen eines Herrschers und bilden so die rasche Abfolge der Gotenkönige ab. Der Erzähler bewegt sich zwischen den Lagern der Goten, der Römer und des oströmischen Kaiserhofs und verbindet Schlachten, Ränke und Liebesbeziehungen zu einem breiten Panorama.
Erkennbar ist Dahns Vorliebe für das Bild des „Volkskönigs“, das er vor allem in der Gestalt des Witichis verwirklicht sah. Diesem Anliegen ordnet er an einer Stelle sogar die überlieferten Tatsachen unter: Während die meisten Erzählstränge der historischen Quellenlage folgen, weicht Dahn beim Ende des Witichis bewusst von ihr ab. Der geschichtliche Witichis starb nicht als Märtyrer für die Sache der Goten, sondern verbrachte seinen Lebensabend als Günstling Justinians in Konstantinopel. Indem Dahn ihn stattdessen als Opfer eines hinterhältigen Mordes zeigt, bewahrt er seinen Helden vor dem Makel des Verrats.
Rezeption↑
Über viele Jahre hinweg fand der Roman ein außerordentlich großes Publikum und zählt zu den bekanntesten Werken seines Verfassers. Anfangs wurde er von der Kritik als „Professorenroman“ abgetan, da Dahn hauptberuflich Rechtsgelehrter war. Diese Vorbehalte verstummten jedoch bald, als sich das Buch im jungen Deutschen Kaiserreich zu einem vielgelesenen „Jungenroman“ entwickelte. Später wurde das Werk auch von den Nationalsozialisten geschätzt und für deren Zwecke vereinnahmt, was seiner Beliebtheit über Generationen hinweg keinen dauerhaften Abbruch tat.
Sein Stoff wirkte auch über das Buch hinaus. 1893 entstand unter dem Titel Mataswintha eine Bearbeitung des Stoffes. Im 20. Jahrhundert wurde der Roman fürs Kino verfilmt: 1968 kam Kampf um Rom unter der Regie von Robert Siodmak in die Kinos. So blieb die Geschichte vom Untergang der Goten über Generationen lebendig.
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