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Werkseintrag · Die Frau in Weiß
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Cover Die Frau in Weiß
Die Frau in Weiß
1860
– Werkseintrag –

Die Frau in Weiß

1860 · Roman

Eine nächtliche Begegnung mit einer verstörten Fremden in Weiß zieht einen jungen Zeichenlehrer in ein Geflecht aus Verlobung, Betrug und einem Geheimnis, das einen angesehenen Adligen zu Fall bringen könnte.

Überblick

Der Roman Die Frau in Weiß von Wilkie Collins erschien zunächst 1859 bis 1860 als Fortsetzungsgeschichte. Abgedruckt wurde er in der von Charles Dickens herausgegebenen Zeitschrift All the Year Round und zugleich im amerikanischen Magazin Harper's Weekly. Die Buchausgabe kam 1860 heraus. Ein Jahr später folgte die deutsche Erstausgabe in der Übersetzung von Marie Scott. Das Buch gilt als eines der frühen und prägenden Werke des englischen Kriminal- und Geheimnisromans. Es verbindet eine rätselhafte Frauengestalt, einen skrupellosen Adligen und die geduldige Aufklärung eines Verbrechens zu einer bis heute wirkungsvollen Spannungsgeschichte.

Inhalt (ohne Spoiler)

Der Kunstlehrer Walter Hartright soll die beiden Halbschwestern Marian Halcombe und Laura Fairlie unterrichten, die in Limmeridge House in Cumberland leben. In der Nacht vor seiner Abreise begegnet ihm bei London eine verängstigte Frau, ganz in Weiß gekleidet. Er begleitet sie ein Stück, doch sie verschwindet, ohne ihren Namen zu nennen. Nur so viel erfährt er: Als Kind war sie einmal in Limmeridge House. Später hört er ein Gespräch, das ihn vermuten lässt, die Fremde sei aus einem Irrenhaus geflohen.

In Limmeridge House verliebt sich Walter in die schöne Laura, und sie scheint seine Gefühle zu erwidern. Doch Laura ist bereits mit dem undurchsichtigen Sir Percival Glyde verlobt. Als ehrenhafter Mann verlässt Walter das Haus, ohne ihr seine Liebe zu gestehen. Kurz zuvor erhält Laura einen anonymen Brief, der sie vor der Heirat warnt. Er stammt von der Frau in Weiß, die Laura verblüffend ähnlich sieht. Diese deutet an, Sir Percival hüte ein furchtbares Geheimnis, das ihn vernichten könne – verschwindet aber wieder, ohne es preiszugeben. Wer die rätselhafte Frau ist und was Sir Percival verbirgt, wird zur treibenden Frage der Geschichte.

Die Handlung im Detail

Der Kunstlehrer Walter Hartright nimmt eine Stelle in Limmeridge House in Cumberland an, um dort die Halbschwestern Marian Halcombe und Laura Fairlie im Zeichnen zu unterrichten. Am Abend vor der Abreise verabschiedet er sich von seiner Familie und tritt erst nach Mitternacht den Heimweg an. Vor London spricht ihn eine verängstigte, weiß gekleidete Frau an. Er begleitet sie in die Innenstadt, wo sie ihn verlässt, ohne ihren Namen zu verraten. Sie erwähnt jedoch, dass sie als Kind einmal in Limmeridge House war. Nach ihrem Verschwinden hört Walter ein Gespräch, aus dem er schließt, die Frau sei aus einem Irrenhaus entflohen.

In Limmeridge House erzählt Walter der klugen Marian von seinem Erlebnis. Gemeinsam versuchen sie, das Geheimnis zu lüften, und erkennen die Fremde als ehemalige Schülerin von Marians und Lauras Mutter. Walter verliebt sich unterdessen in Laura, die seine Gefühle zu erwidern scheint. Doch Laura ist mit Sir Percival Glyde verlobt. Nachdem Marian ihn an seine Pflicht als Gentleman erinnert, verlässt Walter das Haus, ohne Laura seine Liebe zu gestehen.

Kurz vor seiner Abreise erhält Laura einen anonymen Brief, der sie vor der Heirat mit Sir Percival warnt. Er stammt von der Frau in Weiß, die Laura auffallend ähnelt. Walter trifft die Fremde noch einmal; sie vertraut ihm an, Sir Percival habe ein furchtbares Geheimnis, das ihn zu Fall bringen könne, verschwindet aber erneut, ohne es zu nennen. Da es keinerlei Verdacht und schon gar keine Beweise gegen Sir Percival gibt, heiraten er und Laura. Schon im Ehevertrag bringt er sie um ihr Vermögen. Nach der Hochzeitsreise zieht das Paar auf Sir Percivals Anwesen Blackwater Park, wohin Marian ihre Schwester begleitet. Walter kehrt zunächst nach London zurück und schließt sich dann einer Expedition nach Mittelamerika an, um Laura zu vergessen.

Auf Blackwater Park verändert sich Sir Percival. Sein bislang tadelloses Verhalten wird brüsk und jähzornig. Beruhigen lässt er sich nur von seinem italienischen Freund, dem Conte Fosco, der mit seiner Frau zu Besuch ist – einer enterbten Tante Lauras. Als Sir Percival seine Frau zu einer Unterschrift unter ein Dokument drängt, ohne ihr dessen Inhalt zu zeigen, wird er handgreiflich. Die energische Marian wendet sich in ihrer Not an den alten Familienanwalt.

Bei einem Spaziergang überrascht die Frau in Weiß Laura erneut. Inzwischen ist bekannt, dass sie Anne Catherick heißt und dass ihre Mutter im nahen Dorf wohnt. Wieder spricht Anne vom Geheimnis, verschwindet jedoch abermals. Sir Percival sucht sie fieberhaft und lockt sie schließlich durch eine List nach London, bevor sie das Geheimnis verraten kann.

Sir Percival ist hoch verschuldet und will deshalb sofort an Lauras Erbe gelangen. Marian belauscht, wie er mit Conte Fosco verschiedene Wege erwägt – darunter sogar Lauras Tod. Als Marian erkrankt, gelingt den beiden Männern ihr Plan: Sie bringen Laura nach London und lassen sie dort unter dem Namen Anne Cathericks in ein Sanatorium einweisen. Anne Catherick, die an einem schweren Herzfehler leidet und vor Aufregung stirbt, wird an Lauras Stelle beerdigt. So fällt Sir Percival Lauras Erbe zu, und auch die Contessa Fosco erbt als Lauras Tante eine größere Summe.

Marian findet Laura im Sanatorium und verhilft ihr zur Flucht. Doch nicht einmal ihr Onkel glaubt den beiden, dass es sich wirklich um seine Nichte handelt. Nur Walter Hartright, den die beiden zufällig treffen, erkennt die Frau, die er nie vergessen konnte. Er macht sich daran, ihre Identität zu beweisen. Durch geduldiges Zusammentragen und Vergleichen von Aussagen und Daten gelingt ihm das schließlich. Zugleich deckt er Sir Percivals Geheimnis auf: Dessen Eltern waren nie verheiratet. Damit war Sir Percival nicht der rechtmäßige Erbe und hatte auch keinen Anspruch auf seinen Titel. Am Ende kehren Walter und Laura, inzwischen verheiratet und Eltern eines Sohnes, mit Marian nach Limmeridge House zurück und finden dort ihr Glück.

Stil

Erzählt wird die Geschichte als Sensations- und Geheimnisroman, der seine Wirkung aus stetig wachsender Spannung zieht. Die Handlung schreitet in Rätseln voran: eine unheimliche Begegnung, ein anonymer Brief, ein angedeutetes Geheimnis, das lange verborgen bleibt. Erst nach und nach fügen sich die Teile zusammen. Bezeichnend ist, dass die Wahrheit am Ende nicht durch Zufall ans Licht kommt, sondern durch akribisches Sammeln und Vergleichen einzelner Aussagen und Daten. Die Aufklärung erscheint so wie die geduldige Rekonstruktion eines Falls aus vielen Zeugnissen. Getragen wird das Ganze von einprägnanten Figuren – der verletzlichen Laura, der tatkräftigen Marian, dem undurchsichtigen Sir Percival und dem kultivierten, aber gefährlichen Conte Fosco.

Rezeption

Der Roman erschien zunächst als Fortsetzungsgeschichte. In der von Charles Dickens herausgegebenen Zeitschrift All the Year Round und im amerikanischen Harper's Weekly folgten die Leser Woche für Woche der Handlung. Rasch erschien das Werk auch als Buch, und schon ein Jahr später lag eine deutsche Übersetzung vor. In der Literaturgeschichte gilt Die Frau in Weiß als ein wegweisendes Werk des englischen Geheimnis- und Kriminalromans.

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