1824 – 1889
Wilkie Collins
Kurzporträt↑
Zu den großen Erzählern des viktorianischen England zählt William Wilkie Collins (1824–1889). Er gilt heute als einer der Begründer des Kriminal- und Spannungsromans. Mit Die Frau in Weiß und Der Monddiamant schuf er Werke, die man rückblickend als frühe Mystery Thriller und Detektivromane beschreibt. Zu Lebzeiten war Collins einer der populärsten und bestbezahlten Autoren seiner Zeit. Er war ein enger Freund von Charles Dickens und ein außerordentlich produktiver Schriftsteller. Er hinterließ 27 Romane und mehr als 50 Erzählungen. Nach seinem Tod geriet er zunächst in Vergessenheit, ehe ihn das spätere 20. Jahrhundert wiederentdeckte.
Biografie↑
Geboren wurde Wilkie Collins in London. Das genaue Geburtsdatum ist in den Quellen nicht einheitlich überliefert. Wikidata nennt den 8. Januar 1824. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet lediglich den Januar 1824 ohne genauen Tag. Sein Vater William Collins war Landschaftsmaler. Er sah die Zukunft seines Sohnes zunächst nicht in der Kunst, sondern im Teehandel. Der junge Collins zeigte jedoch wenig Neigung zum Geschäftlichen. Deshalb wandte er sich dem Studium der Rechtswissenschaften am Lincoln’s Inn zu. Dort erhielt er 1851 die Zulassung als Anwalt. Sein jüngerer Bruder war der präraffaelitische Maler Charles Allston Collins.
Seine eigentliche Berufung fand Collins jedoch im Schreiben. Bereits 1843 erschien The Last Stagecoachman im Illuminated Magazine. Seine erste Buchveröffentlichung war eine Biografie seines Vaters. Sie kam ein Jahr nach dessen Tod 1847 heraus. Von da an veröffentlichte er in rascher Folge. 1850 erschien der historische Roman Antonina. 1852 folgte Basil. Weitere Werke kamen fast in jährlichem Rhythmus hinzu. So wurde Collins zu einem der populärsten und bestbezahlten Autoren seiner Zeit.
Seine bekanntesten Werke sind Die Frau in Weiß aus dem Jahr 1860 und Der Monddiamant von 1868. Beide Romane würde man heute als Mystery Thriller bezeichnen, im Fall des Monddiamant als Detektivroman. Collins lässt sich mit einigem Recht als einer der Begründer dieser Gattungen ansehen. Mit dem Roman Gesetz und Frau von 1875 schrieb er einen Kriminalroman mit einer weiblichen Ermittlerin. Das Spätwerk The Haunted Hotel von 1879 hebt sich durch seinen psychologischen Gehalt von der Masse ab. Es enthält möglicherweise die erste Darstellung des Hirntods in der englischsprachigen Literatur.
Eng verbunden war Collins mit Charles Dickens, mit dem er auch gemeinsam Texte verfasste. Einer der bekanntesten dieser gemeinschaftlichen Romane ist The Lazy Tour of Two Idle Apprentices. Sein letzter Roman Blind Love blieb unvollendet. Die Kapitel ab dem neunundvierzigsten wurden nach Collins’ Aufzeichnungen von Walter Besant zu Ende geschrieben. Wilkie Collins starb am 23. September 1889 im Alter von 65 Jahren in London. Er wurde dort auf dem Kensal Green Cemetery beigesetzt.
Literarische Merkmale↑
Charakteristisch für das Schaffen von Collins ist die enge Verbindung von Spannung und psychologischer Durchdringung. In Werken wie Die Frau in Weiß und Der Monddiamant entwickelte er Erzählformen, die man heute dem Mystery Thriller und dem Detektivroman zurechnet. Damit gehört er zu den Begründern dieser Gattungen. Sein Spätwerk The Haunted Hotel zeigt, dass es ihm nicht allein um äußere Spannung ging. Der Roman fällt durch seinen psychologischen Gehalt auf und enthält möglicherweise die erste Darstellung des Hirntods in der englischsprachigen Literatur. Mit Gesetz und Frau stellte Collins eine weibliche Ermittlerin in den Mittelpunkt eines Kriminalromans und erweiterte so die Möglichkeiten des Genres.
Rezeption↑
Schon zu Lebzeiten zählte Wilkie Collins zu den populärsten und bestbezahlten Autoren seiner Zeit. Heute gilt er als einer der großen viktorianischen Schriftsteller und als Verfasser früher Mystery Thriller. Lange stand er allerdings im Schatten seines engen Freundes Charles Dickens, mit dem er gemeinsam an Texten arbeitete. Nach seinem Tod geriet sein Werk weitgehend in Vergessenheit. Erst im späteren 20. Jahrhundert wurde Collins wiederentdeckt und wird seither erneut verlegt. Auch im deutschen Sprachraum wirkte sein Werk nach. In den 1970er Jahren entstanden für den WDR mehrteilige Fernsehverfilmungen mehrerer seiner Romane, darunter Die Frau in Weiß und Der Monddiamant. Sie wurden in der ARD mit hoher Sehbeteiligung ausgestrahlt.
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