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Werkseintrag · The Adventures of Augie March
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Cover The Adventures of Augie March
The Adventures of Augie March
1953
– Werkseintrag –

The Adventures of Augie March

1953 · Roman

Ein vaterloser Junge aus dem armen Chicago der Weltwirtschaftskrise schlägt sich durch Gelegenheitsjobs, Liebschaften und abenteuerliche Unternehmungen und versucht dabei, seinen Weg ganz allein zu finden.

Überblick↑

Der Roman The Adventures of Augie March von Saul Bellow erschien 1953 bei Viking Press. Erzählt wird das Leben des Augie March von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter, das in einer armen Gegend von Chicago beginnt und in die Jahre der Weltwirtschaftskrise fällt. Das Buch verbindet die Form des Schelmenromans mit der eines Entwicklungsromans.

Vorausgegangen waren Bellow zwei Bücher, die um das Innenleben ihrer Figuren kreisten: Dangling Man von 1944 und The Victim von 1947. Mit dem Verkauf und der Aufnahme des zweiten war er unzufrieden und suchte etwas Neues. In Frankreich begann er zunächst ein Projekt mit dem Titel The Crab and the Butterfly, von dem nur ein Kapitel erhalten blieb; die Arbeit daran blieb stecken. Erst in Paris kam ihm die Idee zu einem satirischen Buch über das Heranwachsen eines jungen Mannes. Nach seinem eigenen Bericht schrieb er die erste Hälfte fast ohne Unterbrechung und mit wenigen Überarbeitungen nieder. Es wurde der erste Erfolg seiner Laufbahn.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht Augie March, der ohne Vater in einfachsten Verhältnissen in Chicago aufwächst. Seine Mutter erblindet allmählich, sein Bruder George ist geistig behindert, sein Bruder Simon geht früh eigene Wege. Im Haushalt herrscht eine ältere Untermieterin, die sich wie eine Großmutter aufführt und die Familie streng regiert.

Augie zieht ohne festen Plan durch die Jahre. Arbeitsstellen, Liebesbeziehungen, Ausbildung und Lebensstil wechseln bei ihm rasch. Er ist Gehilfe des halbseidenen Geschäftsmanns Einhorn, dressiert Hunde, arbeitet in einem Kohlebergwerk für seinen Bruder und später für einen Gewerkschaftsverband. Zeitweise nimmt ihn ein wohlhabendes Ehepaar auf und will ihn verwöhnen, zeitweise schlägt er sich mit gestohlenen Büchern durch und hilft Freunden aus verzweifelten Lagen. Sein ungewöhnlichstes Abenteuer führt ihn nach Mexiko, an der Seite der eigenwilligen Thea, die mit einem Adler Echsen jagen will.

Immer wieder wird Augie gedrängt, seine Ausbildung fortzusetzen. Bücher liest er durchaus, und er formt sich daraus eine eigene Lebensauffassung. Doch sobald er darüber nachdenken könnte, zur Schule zurückzukehren, kommt etwas oder jemand dazwischen und lenkt ihn auf einen anderen Weg. So bleibt sein Lebenslauf halb selbst gewählt, halb dem Zufall überlassen. Am Ende führt ihn der Krieg zur Handelsmarine.

Die Handlung im Detail↑

Erzählt wird das Aufwachsen Augie Marchs in einem armen Viertel Chicagos. Mit den Brüdern Simon und George lebt er bei der erblindenden Mutter, dazu kommt eine herrische Untermieterin, die in der Familie die Rolle der Großmutter einnimmt. Ein Vater fehlt.

Die erste Liebesgeschichte beginnt Augie als junger Mann mit einer wohlhabenden Cousine seiner Schwägerin. Durch eine Verwechslung, an der er keine Schuld trägt, macht sie mit ihm Schluss. Die Lebensumstände wechseln in raschem Tempo: Einmal wird er von einem reichen Ehepaar, den Renlings, aufgenommen und beinahe verwöhnt, dann kämpft er wieder ums Auskommen, indem er Bücher stiehlt. Bei den Renlings lernt er Thea kennen, mit der sich eine Beziehung anbahnt, obwohl er eigentlich in deren Schwester verliebt ist. Dazwischen liegt eine Affäre mit Sophie, einem griechischen Zimmermädchen.

Mit Thea reist Augie nach Mexiko. Dort soll ein Adler zur Echsenjagd abgerichtet werden, ein Vorhaben, das kaum zu gelingen scheint und zu dem Thea ihn überreden muss. Augie verunglückt schwer mit einem Pferd. Danach entfernen sich die beiden voneinander: Er vertreibt sich die Zeit mit Kartenspiel, sie jagt in den Bergen Schlangen und Echsen. Der Bruch kommt, als Augie sich in einer Nacht bereit erklärt, einer Frau namens Stella zu helfen. Er fährt sie in eine andere Stadt, damit sie einem schwierigen Freund entkommt. Nach der Trennung von Thea kehrt Augie nach Chicago und zu Sophie zurück.

Dann geht er zur Handelsmarine und wird nach New York geschickt. Dort trifft er Stella wieder und heiratet sie. Im Krieg wird sein Schiff versenkt. In einem Rettungsboot verbringt er schwere Tage mit einem Mann, der sich als Wahnsinniger erweist. Nach der Rettung kehrt er zu Stella zurück. Am Schluss leben die beiden in Frankreich ein einigermaßen zweifelhaftes Dasein: Er ist in reichlich undurchsichtige Geschäfte verwickelt, sie versucht sich als Schauspielerin.

Stil↑

Gestaltet ist das Buch als Ich-Erzählung: Augie berichtet selbst von den Stationen seines Lebens, gleich in den ersten Sätzen stellt er sich als jemand vor, der sich seinen Weg allein bahnen will. Die Form des Schelmenromans prägt das Buch von Anfang an, doch die Fragen, die Bellow stellt, sind ausgesprochen modern. Die Handlung ist verwickelt, der Stil voller Anspielungen.

Anders als andere Schelmenromane folgt das Buch keiner klaren Linie. Es erzählt das Heranreifen der Hauptfigur, ohne einzelne Ereignisse besonders herauszuheben oder auf ein Ziel hinzudeuten. So entsteht der Eindruck, Augie sei als ganz gewöhnlicher Mensch in einer unübersichtlichen Welt verloren. Zugleich verstärkt sich der gegenteilige Eindruck: Der gewöhnliche Mensch bestimmt als selbstständiges Wesen sein Schicksal selbst.

Häufig mit komischem Unterton behandelt Bellow gegensätzliche Themen: Entfremdung und Beständigkeit, Armut und Reichtum, Liebe und Verlust. Chicago erscheint dabei doppelgesichtig. Die Stadt macht die Menschen einsam und hält ihnen zugleich Gelegenheiten offen.

Rezeption↑

Ausgezeichnet wurde das Buch 1954 mit dem National Book Award für Belletristik. Die Zeitschrift Time zählte es zu den hundert besten in englischer Sprache geschriebenen Büchern, ebenso die Herausgeber der Modern Library. Für Bellow bedeutete der Roman den ersten Erfolg seiner schriftstellerischen Laufbahn.

Der Romancier Nathaniel Rich sieht in dem Buch einen der großen Mythen der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Er beschreibt Augie als einen Helden neuen Typs, der sich seinen Weg selbst bahnen muss, ähnlich wie frühere Helden, die aus einem unterdrückten Volk hervorgingen. Bellow selbst dachte in ähnlichen Bahnen: Als jüdischer Einwanderer musste er sich, wie seine Hauptfigur, seinen Platz in der Literatur erst erkämpfen, und am Anfang seiner Laufbahn scheiterte er damit oft.

Andere Kritiker lesen das Buch als Abrechnung mit der überlieferten Vorstellung vom amerikanischen Helden. Der Schriftsteller Leonard Kriegel nennt es die amerikanische Suche nach genauer Prüfung. Augie hat vieles mit früheren literarischen Helden gemein: Er stammt aus armem Haus, kennt seinen Vater nicht und lässt sich weder von feiner Kleidung noch von gesellschaftlicher Stellung oder Geld einfangen. Klug, mitfühlend und aufmerksam ist er obendrein. Doch anders als jene bindet er sich weder an sich selbst noch an andere, und darum bleibt ihm ihr Erfolg versagt. Daraus, so diese Lesart, gewinnt Bellow sein Argument: Ein scharfer Verstand und reine Ideale nützen nichts, solange sie nicht mit tätigen Zielen und einem klaren Verständnis der gesellschaftlichen Verhältnisse verbunden sind.

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