Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Werkseintrag · Fredman's Songs
Eingang · Werke · Fredman's Songs
Cover Fredman's Songs
Fredman's Songs
1791
– Werkseintrag –

Fredman's Songs

1791 · Lyrik

Die Liedersammlung „Fredmans sånger“ des schwedischen Dichters Carl Michael Bellman mischt derbe Bibelparodien, Trinklieder und zarte lyrische Stücke – in den Parodien treten fromme Gestalten des Alten Testaments plötzlich als Zecher auf. Mehrere ihrer Lieder sind bis heute vielen Schweden auswendig vertraut.

Überblick↑

Bei Fredmans sånger handelt es sich um eine Sammlung von 65 Gedichten und Liedern des schwedischen Dichters Carl Michael Bellman. Sie erschien 1791 als Nachfolgeband zu den ein Jahr zuvor veröffentlichten Fredmans epistlar. Anders als jene versammelt dieser Band Lieder aus einem längeren Zeitraum und mischt sehr verschiedene Töne: derbe Bibelparodien, Trinklieder, verspielte Schäferstücke im Stil des Rokoko und zarte lyrische Passagen. Mehrere dieser Lieder, darunter „Gubben Noak“ und „Fjäriln vingad“, sind bis heute vielen Schweden auswendig vertraut.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Wer die Sammlung aufschlägt, findet keine durchlaufende Geschichte, sondern eine bunte Folge von Liedern und Gedichten. Sie kreisen immer wieder um Wein, Rausch und Geselligkeit. Ein Teil geht auf öffentliche Auftritte Bellmans zurück, die er unter dem Namen „Bacchi orden“, also „Orden des Bacchus“, veranstaltete – eine spöttische Nachahmung der feierlichen Ritterorden und Gesellschaftszirkel seiner Zeit.

Neben den Trinkliedern stehen Bibelparodien, in denen altbekannte Gestalten des Alten Testaments in einem ganz weltlichen, meist angetrunkenen Licht erscheinen. Dazwischen finden sich Schäferstücke und ruhige, lyrische Stücke, die einen ganz anderen, feinen Ton anschlagen. Bevölkert wird das Ganze von einer Reihe wiederkehrender Figuren, vor allem Menschen, die dem Trunk verfallen sind.

Die Handlung im Detail↑

Der Band gliedert sich lose nach Themen und Anlässen. Die Lieder 1 bis 6 stammen aus Bellmans Auftritten als „Bacchi orden“. Diese Vorführungen waren größtenteils Verspottungen der ritterlichen und gesellschaftlichen Orden seiner Zeit, denen Bellman zum Teil selbst angehörte. Solche Orden pflegten strenge Zeremonien, und von ihren Mitgliedern wurde oft ein anständiges, „christliches“ Leben erwartet. Um in den Bacchus-Orden aufgenommen zu werden, musste der Anwärter dagegen mindestens zweimal öffentlich betrunken im Rinnstein gelegen haben.

Ein zweiter großer Strang sind die Bibelparodien. Bellman schrieb Trinklieder und Bibelparodien und verband beide Gattungen miteinander: Die heiligen Männer des Alten Testaments erscheinen als Trunkenbolde. Diese Parodien wurden im ganzen Land beliebt und verbreiteten sich anonym über Flugblätter und Abschriften. Einige davon stießen die kirchlichen Behörden vor den Kopf. Ein Schreiben des Domkapitels von Lund aus dem Jahr 1768 belegt, dass die Kirche versuchte, alle Drucke und Abschriften eines der beliebtesten Lieder, „Gubben Noak“, sowie weiterer Stücke einzusammeln. „Gubben Noak“ und acht weitere Bibelparodien bilden die Lieder 35 bis 43.

Auch sonst sind die Lieder thematisch geordnet. Die Nummern 18 bis 21 handeln vom Tod, die Nummern 35 bis 43 sind die biblischen Parodien, und die Nummern 47 bis 54 gehören zu einem Singspiel über „Bacchus' Bankrott“ (Bacchi konkurs).

Durch die Sammlung ziehen zahlreiche Gestalten, meist Menschen, die dem schweren Trinken verfallen sind. Mit Namen genannt werden unter anderem der Schatzmeister Kolmodin, Holmström, der Wirt Nystedt, der Brauer Meissner, der königliche Pauker Steindecker, der Brauer und Branntweinbrenner Lundholm, der Zollbeamte Appelstubbe, der Werkstattbesitzer Österman, der Bäcker Halling, der Zollbeamte Agrell, ferner Kämpendal, Nybom, Planberg, der Student und Dichter Joseph Israelson sowie der Musiker Knapen. Hinzu treten biblische Gestalten wie Adam und Susanna und Figuren der antiken Mythologie wie Bacchus und Venus.

Stil↑

Kennzeichnend für die Sammlung ist ihre erstaunliche Bandbreite. In einem einzigen Band stehen grobe Trinklieder neben Bibelparodien, Schäferstücke im Geschmack des Rokoko neben zarten lyrischen Stücken. Bellman scheut die Vermischung nicht, sondern sucht sie geradezu: Am reizvollsten sind gerade jene Lieder, in denen sich Trinklied und Bibelstoff durchdringen und die frommen Gestalten des Alten Testaments plötzlich als Zecher auftreten.

Zu den Mitteln gehört die Travestie, also die spöttische Umkleidung eines ehrwürdigen Stoffes in einen niederen, alltäglichen Ton. Ordensfeiern, kirchliche Würde und biblische Erzählungen werden ins Weltlich-Trunkene gewendet. Dass viele der Lieder als Gesang gedacht sind und über Flugblätter kursierten, prägt ihren eingängigen, leicht merkbaren Charakter.

Rezeption↑

Große Wirkung entfalteten vor allem die Bibelparodien, die sich anonym über Flugblätter und Abschriften im ganzen Land verbreiteten. Ihre Beliebtheit rief auch Widerstand hervor: Die kirchlichen Behörden nahmen an der spöttischen Behandlung heiliger Gestalten Anstoß und versuchten, die Drucke und Abschriften des besonders verbreiteten „Gubben Noak“ einzuziehen. Der Versuch zeigt zugleich, wie weit diese Lieder bereits gestreut waren.

Aufhalten ließen sich die Lieder dadurch jedoch nicht. Mehrere Stücke der Sammlung, darunter „Gubben Noak“ und „Fjäriln vingad“, gehören bis heute zum vertrauten Liedgut und werden von vielen Schweden auswendig gekonnt.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten