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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Der blaue Boll
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Der blaue Boll
1926
– Werkseintrag –

Der blaue Boll

1926 · Drama

Ein satter, vom Leben gelangweilter Gutsherr trifft eine junge Frau mit einem furchtbaren Plan – und beginnt, um seine eigene Seele zu ringen.

Überblick↑

Das Drama Der blaue Boll stammt von Ernst Barlach und erschien 1926. Es ist sein sechstes Bühnenwerk und wurde noch im selben Jahr uraufgeführt. In sieben Bildern zeigt es die innere Suche des Gutsbesitzers Kurt Boll, der zwischen einem satten, an den Körper gebundenen Leben und der Sehnsucht nach einer höheren, göttlichen Erlösung schwankt. Weil Boll gern über die Maßen isst und trinkt, läuft sein Gesicht oft blau an – daher sein Beiname. Als Vorbild für die Titelfigur diente Barlach sein Freund Theodor Däubler. In die Handlung sind Örtlichkeiten der Stadt Güstrow eingeflochten, unter anderem der Dom.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Kurt Boll ist ein wohlhabender, vom Leben gelangweilter Gutsbesitzer. An einem nebligen, kühlen Morgen kommt er mit seiner Frau Martha in die Kleinstadt, um Besorgungen zu machen. Später sind beide beim benachbarten Gutsbesitzer Otto Prunkhorst zum Essen verabredet. Auf der Straße begegnet Boll flüchtig der einfachen Grete Grüntal, der Frau eines Schweinehirten. Diese kurze Begegnung bringt ihn ins Grübeln über sein eigenes Leben.

Grete trägt einen dunklen Entschluss mit sich: Sie will sich und ihre drei Kinder umbringen. Sie überredet Boll, ihr das Gift dafür zu besorgen. Zwischen dem satten, grüblerischen Gutsherrn und der jungen, zugleich sinnlichen wie unheimlichen Frau entspinnt sich ein eigenartiges Kräftemessen. Eine Rolle spielt dabei auch der geheimnisvolle Wirt Elias, in dessen Haus die Ereignisse zuspitzen. Wie Boll auf Gretes Vorhaben reagiert und was seine Begegnung mit ihr in ihm auslöst, bildet den Kern des Stücks.

Die Handlung im Detail↑

An einem nebligen, kühlen Morgen kommt Kurt Boll, ein gutsituierter und vom Leben gelangweilter Gutsbesitzer, mit seiner Frau Martha in die Kleinstadt, um Besorgungen zu machen. Anschließend sind beide mit dem benachbarten Gutsbesitzer Otto Prunkhorst zum Essen verabredet. Boll ist von kräftiger Statur, zugleich aber grüblerisch veranlagt.

Auf der Straße begegnet er flüchtig der einfachen Grete Grüntal, der jungen, sinnlichen, zugleich dämonisch wirkenden Frau des Schweinehirten Grüntal. Diese Begegnung bringt Boll dazu, über sein eigenes Leben nachzudenken. Grete offenbart ihm ihren Entschluss: Sie will sich und ihre drei Kinder umbringen. Sie überredet Boll, ihr das Gift dafür zu besorgen. Boll gelingt es jedoch nicht, ihr das Gift zu beschaffen.

Im Gästezimmer des geheimnisvollen Wirtes Elias erkennt Grete schließlich, wie verwerflich ihre Tat wäre. Boll kommt hinzu und findet sie ohnmächtig vor. Er versucht, sie zu retten – und es gelingt ihm. Durch diese Rettung ist Boll am Ende lebensfroher als zuvor: Er hat eine innere Wandlung durchgemacht. Der Ringkampf mit sich selbst, den das Stück ausdrückt, verdichtet sich in dem Satz, der Boll gegen den alten Boll den neuen behaupten lässt.

Stil↑

Angelegt ist das Werk in sieben Bildern. Diese Bauform reiht Szenen aneinander, statt einen durchlaufenden Akt-Aufbau zu wählen, und gibt der inneren Verwandlung der Hauptfigur Raum. Die Sprache und die Figurenwelt tragen deutlich die Handschrift des Dramatikers Barlach: Neben den Bürgern der Kleinstadt – dem Bürgermeister, dem Schuhmachermeister Holtfreter, dem Uhrmacher Virgin und dem Kutscher Saugwurm – treten geheimnisvolle Gestalten wie der Wirt Elias und sogar drei Tote auf. So mischen sich handfestes Alltagsleben und eine überirdische, ins Religiöse weisende Ebene.

Die Handlung ist an einen erkennbaren Ort gebunden. In das Stück sind zahlreiche Güstrower Schauplätze eingeflochten: Der Schuhmacher Holtfreter wohnt im Grünwinkel, einer Straße im Zentrum, der Wohnort des Schweinehirten liegt westlich der Stadt, und die Haupthandlung spielt im Güstrower Dom. Diese genaue Verankerung im Vertrauten verleiht dem Ringen der Figur um Erlösung einen greifbaren Hintergrund.

Rezeption↑

Aufgenommen wurde das Drama mit großem Erfolg. Ein Zeugnis seiner Nachwirkung ist die Fernsehaufzeichnung von 1988 unter der Regie von Margot Thyrêt, die eine 1985 an den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin unter der Regie von Rolf Winkelgrund entstandene Bühneninszenierung festhielt. Auch später fand das Stück den Weg auf die Bühne, wie Aufführungen um das Jahr 2000 belegen.

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