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Werkseintrag · Das Leben ist ein Traum
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Das Leben ist ein Traum
1636
– Werkseintrag –

Das Leben ist ein Traum

1636 · Drama

Ein junger Prinz, von Geburt an im Turm eingekerkert, weil die Sterne ihm Tyrannei vorhersagen – und die Frage, ob das Leben, das er führt, überhaupt wirklich oder nur ein Traum ist.

Überblick

Das Versdrama La vida es sueño gehört zu den berühmtesten Bühnenwerken Pedro Calderón de la Barcas. Auf Deutsch heisst es meist Das Leben ein Traum oder Das Leben ist ein Traum. Es zählt zu den grossen Klassikern des spanischen Barocktheaters. In drei Akten verhandelt das Stück eine Frage: Ist der Mensch seinem vorhergesagten Schicksal ausgeliefert, oder kann er aus freiem Willen handeln? Calderón schrieb das Drama 1634/35. Die Uraufführung fand 1635 im Madrider Palacio Real statt. Gedruckt erschien es erstmals 1636, herausgegeben vom Bruder des Dichters in dessen Sammelbänden dramatischer Werke.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht der junge Prinz Sigismund, Sohn des polnischen Königs Basilius. Schon vor seiner Geburt haben die Sterne dem Vater geweissagt, der Sohn werde als künftiger Herrscher zum Tyrannen werden. Aus Sorge um sein Reich lässt der König den Knaben in einem abgelegenen Turm einsperren. Dort wächst Sigismund unter der Aufsicht des Erziehers Clotaldo auf und kennt die Welt nur aus Erzählungen.

Als die Frage nach der Thronfolge drängt, will Basilius die alte Weissagung doch noch einmal auf die Probe stellen. Er lässt seinen Sohn in einen tiefen Schlaf versetzen und an den Hof bringen. Dort wird dieser plötzlich mit aller Macht und allem Glanz des Königtums konfrontiert. Wie der junge Mann auf seine erste Begegnung mit der Welt reagiert, was die Sterndeutung wert ist und ob das, was er erlebt, überhaupt wirklich ist – darum kreist das Drama.

Verflochten in diesen Hauptstrang ist die Geschichte der jungen Rosaura. Sie kommt aus Moskau nach Polen, um eine alte Kränkung zu rächen, und gerät dabei in die Wirren am Hof. An ihrer Seite zieht der Narr Clarin durchs Stück, eine für das spanische Barocktheater typische "gracioso"-Figur.

Die Handlung im Detail

König Basilius von Polen, zugleich leidenschaftlicher Sterndeuter, liest aus den Gestirnen, dass sein neugeborener Sohn Sigismund (im Original Segismundo) als künftiger König das Land in eine Schreckensherrschaft stürzen werde. Um diesem Schicksal zuvorzukommen, lässt er das Kind in einem einsamen Turmverlies einsperren. Dort wächst Sigismund auf, fern vom Hof, allein in Gesellschaft seines Lehrmeisters Clotaldo, der ihm die Welt nur in Erzählungen vermittelt.

Inzwischen kommt die junge Moskoviterin Rosaura nach Polen. Sie war dem Charme Astolfos erlegen, eines Moskauer Grafen und Neffen des polnischen Königs, der sie aber bald verlassen hat. In Männerkleidung und in Begleitung des Narren Clarin folgt sie ihm, um die verlorene Ehre wiederherzustellen. Auf ihrem Weg stößt sie zufällig auf den abgelegenen Turm und wird Zeugin des Schicksals Sigismunds; sein Unglück tröstet sie über das eigene hinweg. Clotaldo greift sie auf und will sie zum König führen. Beim Aufgreifen erkennt er an Rosauras Schwert die Waffe seines eigenen Sohnes wieder und glaubt nun, diesen vor sich zu haben. Die Loyalität zum König – auf das Sprechen mit dem Gefangenen steht der Tod – ringt in ihm mit dem Vatergefühl. Dass Basilius inzwischen die Existenz Sigismunds öffentlich bekanntgemacht hat, rettet Rosaura das Leben.

Astolfo verbündet sich derweil mit seiner Cousine Estrella, um einer möglichen Rückkehr des leiblichen Thronfolgers zuvorzukommen; die beiden wollen gemeinsam die Krone für sich sichern.

Basilius wagt nun den Versuch, seinen Sohn doch noch auf die Probe zu stellen. Er lässt Sigismund mit einem Schlafmittel betäuben und an den Hof bringen. Dort erwacht der Prinz unvermittelt mitten in königlicher Pracht, wird über seine wahre Herkunft aufgeklärt und mit allen Mitteln der Macht ausgestattet. Doch der lange eingesperrte Sigismund verfällt der Gewalt: Er tötet einen Diener und versucht, sich an Rosaura zu vergehen, die ihm am Hof als angebliches Kammermädchen Estrellas begegnet. Damit scheinen sich alle düsteren Vorzeichen zu erfüllen.

Der König lässt seinen Sohn erneut betäuben und in den Turm zurückbringen. Damit Sigismund den Schock der Erfahrung verkraftet, soll ihm Clotaldo einreden, der Tag der Herrschaft sei nur ein kurzer Traum gewesen. Rosaura unterdessen weiß die sich anbahnende Heirat zwischen Astolfo und Estrella durch eine List zu verhindern.

Das Volk erfährt jedoch von der Existenz des rechtmäßigen Thronerben. Aufständische dringen in den Turm ein, befreien Sigismund und rufen ihn zum König aus. Es kommt zum Kampf gegen die Truppen seines Vaters Basilius. Diesmal aber ist der Prinz ein anderer: Aus der Lehre, dass alles Erlebte vielleicht nur ein Traum sei, hat er eine neue Haltung gewonnen – wer nicht weiß, ob die Welt wirklich ist, der soll wenigstens recht handeln. Sigismund siegt, schont aber den unterlegenen Vater und tritt ihm mit Demut entgegen.

Im Schlussbild stellt sich Rosaura ihm ein letztes Mal entgegen, um ihre Ehre einzufordern. Obwohl Sigismund sie selbst begehrt, verzichtet er auf sie: Er zwingt Astolfo, sie zu heiraten und so ihre Ehre wiederherzustellen. Er selbst wählt die standesgemäße Verbindung mit Estrella. Clotaldo schließlich erkennt in Rosaura nicht – wie zunächst vermutet – seinen Sohn, sondern seine Tochter wieder. Aus dem Tyrannen, den die Sterne vorhergesagt hatten, ist ein weiser und gerechter Herrscher geworden.

Stil

Calderón schrieb das Werk als Versdrama in drei Akten. Damit folgt er der strengen Form des spanischen Barocktheaters, das im 17. Jahrhundert seine Blüte erlebte. Hauptstrang und Nebenhandlung sind kunstvoll ineinander verflochten. Die königliche Schicksalsgeschichte Sigismunds wird durch die Ehrenhandlung um Rosaura und Astolfo ergänzt und gespiegelt. Mit der Figur des Clarin nimmt Calderón die für das spanische Barock typische Rolle des "gracioso" auf – eine komische Narrenfigur, die das ernste Geschehen ironisch begleitet.

Rezeption

Das Drama La vida es sueño gilt als eines der bekanntesten Werke Calderóns und als ein Hauptwerk des spanischen Theaters überhaupt. Schon der Druck wurde unmittelbar nach der Uraufführung von 1635 durch den Bruder des Dichters in dessen Sammelausgaben dramatischer Werke besorgt. Das ist ein Zeichen für die rasche Anerkennung. Im deutschen Sprachraum ist das Stück unter den Titeln Das Leben ein Traum, Das Leben ist Traum und Das Leben ist ein Traum verbreitet. Bis heute ist es fester Bestandteil des Repertoires.

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