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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Aurélien
Eingang · Werke · Aurélien
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Aurélien
1944
– Werkseintrag –

Aurélien

1944 · Roman

Ein Kriegsheimkehrer und eine verheiratete Frau lieben einander und verfehlen sich doch immer wieder – über zwei Jahrzehnte und zwei Kriege hinweg.

Überblick↑

Der Roman Aurélien von Louis Aragon erschien 1944 bei Gallimard. Er gehört zu Aragons Romanzyklus Le Monde réel (Die wirkliche Welt). Im Mittelpunkt steht die unglückliche Liebe zwischen dem Weltkriegsveteranen Aurélien Leurtillois und der verheirateten Bérénice Morel. Das Buch verbindet das Bild der Pariser Nachkriegsjahre mit einer Liebesgeschichte, die über zwei Jahrzehnte und zwei Kriege hinweg reicht.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Zentrum steht Aurélien Leurtillois, ein Veteran des Ersten Weltkriegs. Zuletzt hat er 1917/18 als Leutnant der Orient-Armee in Saloniki gedient, wo er sich ein Sumpffieber zuzog, das ihn seither anfallsweise heimsucht. Im Paris der ersten Nachkriegsjahre lebt er von den Einnahmen seines verpachteten Guts und gibt sich dem Müßiggang hin.

Sein Leben gerät in Bewegung, als er Bérénice kennenlernt, eine Verwandte seines Jugendfreundes Edmond, die zu Besuch in der Stadt ist. Zuerst findet er sie sogar unansehnlich, doch bald verbringen die beiden viel Zeit miteinander und fühlen sich zueinander hingezogen. Bérénice ist jedoch verheiratet, und über der zarten Annäherung liegt von Anfang an ein Schatten. Ein dramatischer Zwischenfall im Umkreis von Edmonds Familie stellt die Verbindung auf eine harte Probe.

Der Roman erzählt, wie zwei Menschen einander nahekommen und doch immer wieder verfehlen. Er entfaltet ein Bild der Pariser Gesellschaft jener Jahre, ihrer Künstler, Lebemänner und Geschäftemacher, und stellt die Frage, ob eine Liebe bestehen kann, die sich am unerreichbaren Ideal misst.

Die Handlung im Detail↑

Aurélien Leurtillois lebt nach dem Krieg untätig in Paris und verliebt sich in Bérénice, obwohl er sie zunächst „schlichtweg hässlich“ findet. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander und sind einander zugeneigt. Dann jedoch unternimmt Blanchette, die Frau seines Jugendfreundes Edmond, einen Suizidversuch. Blanchette war selbst kurz zuvor in Aurélien verliebt gewesen. Nach diesem Vorfall zieht sich Bérénice stark zurück, und Aurélien verzweifelt daran.

Die Silvesternacht verbringt er stark betrunken mit einer Prostituierten aus seinem Stammlokal. Als er heimkehrt, erfährt er, dass Bérénice die Nacht auf einem Sessel im Treppenhaus seines Mietshauses zugebracht hat; am Morgen ließ die Wirtschafterin sie in seine Wohnung. Sie war bereit gewesen, für ihn ihren Mann zu verlassen. Nun aber empfindet Aurélien, dass eine Bitte um Vergebung unmöglich ist, denn Bérénice ist „vom Absoluten besessen“.

Später erfährt Aurélien, dass Bérénice eine Zeit lang mit dem erfolglosen jungen Pariser Dichter Paul Denis auf dem Land gelebt hat. Es lastet schwer auf ihm, dass sie sich von ihm ab- und der in seinen Augen schlechteren Partie zugewandt hat. Die beiden Männer treffen in Paris zufällig aufeinander. Sie reizen einander, bleiben aber dennoch stundenlang zusammen. Schließlich stürzt sich Paul in eine Schlägerei und wird tödlich verletzt – kurz zuvor hatte er gesagt, er wolle sich umbringen.

Bérénice kehrt zu ihrem einarmigen Mann in die Provinz zurück. Aurélien findet keinen rechten Platz mehr in der Pariser Gesellschaft. Durch die Beteiligung an einer unsauberen Spekulation Edmonds verliert er die Quelle seiner Einkünfte. Er zieht nach Lille, leitet dort erfolgreich eine Fabrik und gründet eine Familie.

Achtzehn Jahre später, in der Spätphase der deutschen Invasion des Zweiten Weltkriegs, kommt Aurélien als Hauptmann beim Rückzug einer Panzereinheit in die Heimatstadt von Bérénice. Er trifft sie dort mit ihrem Mann lebend an. Die Ehe besteht seit damals nur noch der Form halber. Ihm wird bewusst, dass Bérénice ihn für die Liebe ihres Lebens hielt und sich fortan von der Männerwelt losgesagt hatte. Obwohl mittlerweile glücklich verheiratet, gesteht Aurélien ihr die gleichen Gefühle.

Auf einem gemeinsamen Ausflug, bei einer Meinungsverschiedenheit, bemerkt Aurélien, wie unterschiedlich die beiden in den Jahren der Trennung geworden sind. Beide erkennen, dass der andere nicht dem Traumbild entspricht, das sie all die Jahre mit sich getragen haben. Bei der nächtlichen Heimfahrt gerät ihr Auto in das Maschinengewehrfeuer der anrückenden deutschen Truppen. Aurélien wird am Arm verwundet, den er um Bérénices Schulter gelegt hat. Erst deutlich später bemerkt er, dass sie von derselben Feuergarbe tödlich getroffen wurde.

Stil↑

Bestimmend für den Aufbau des Romans ist die weite Zeitspanne. Die Handlung setzt in den ersten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg ein und reicht bis in die Spätphase des Zweiten Weltkriegs. Ein Sprung von achtzehn Jahren trennt die beiden großen Teile und rückt das späte Wiedersehen in den Rang eines Nachhalls: Was zwischen Aurélien und Bérénice unausgesprochen blieb, kehrt am Ende unter ganz anderen Umständen zurück.

Aragon erzählt die Liebesgeschichte im Rahmen eines breiten Gesellschaftsbildes. Neben dem Paar treten die Kreise der Pariser Nachkriegsjahre hervor: Lebemänner, Künstler, junge Dichter und Geschäftsleute. Die innere Verfassung der Figuren steht im Vordergrund, besonders Auréliens Zögern, seine Selbstbeobachtung und die Vorstellung eines unerreichbaren Ideals, an dem seine Gefühle immer wieder zerbrechen.

Rezeption↑

Als Teil von Aragons großem Romanzyklus Le Monde réel steht Aurélien in einer Reihe von Werken des Autors. Der Roman gilt als eine seiner bekannteren erzählerischen Arbeiten und wird bis heute vor allem für die Verbindung von unglücklicher Liebesgeschichte und zeitgeschichtlichem Panorama gelesen.

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