Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Werkseintrag · Die Welt ist groß und fremd
Eingang · Werke · Die Welt ist groß und fremd
Abbildung nicht verfügbar
Die Welt ist groß und fremd
1941
– Werkseintrag –

Die Welt ist groß und fremd

1941 · Roman

Ein Dorf hoch in den peruanischen Anden wehrt sich gegen einen Großgrundbesitzer, der ihm den Boden nehmen will – und erfährt, dass die weite Welt draußen für seine Bewohner überall fremd bleibt.

Überblick↑

Der Roman Die Welt ist groß und fremd des peruanischen Schriftstellers Ciro Alegría erschien 1941 unter dem Originaltitel El mundo es ancho y ajeno. Er gilt als Hauptwerk seines Verfassers und als eines der kennzeichnenden Bücher der indigenistischen Literatur, die das Leben der indianischen Bevölkerung Lateinamerikas in den Mittelpunkt rückt. Erzählt wird vom Schicksal einer Dorfgemeinschaft in den peruanischen Anden, der ein Großgrundbesitzer das Land streitig macht. Der Titel greift den Spott der Vertreiber auf: Die Welt sei ja weit genug, die Leute sollten anderswo hingehen. Für die Andenbewohner aber bleibt jeder andere Ort fremd.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Hoch in den Bergen der Anden, im nördlichen Peru, liegt das Dorf Rumi. Seine Bewohner bestellen gemeinsam ihre Felder, und an ihrer Spitze steht der alte Bürgermeister Rosendo Maqui, ein besonnener Mann, der sein Leben lang für die Gemeinschaft gesorgt hat. Über dem Dorf liegt seit langem ein Schatten: Der benachbarte Gutsherr Álvaro Amenábar will das Land der Gemeinde an sich bringen und seinen ohnehin riesigen Besitz vergrößern. In Wahrheit geht es ihm um mehr als um Boden. Für seine Minen und Pflanzungen braucht er Arbeitskräfte, und aus freien Bauern sollen abhängige Tagelöhner werden.

Der Streit wird vor Gericht ausgetragen, doch Richter und Zeugen sind käuflich. Die Dorfbewohner müssen erfahren, wie wenig ihr Recht wiegt, wenn Geld und Einfluss auf der anderen Seite stehen. Manche suchen ihr Glück anderswo im Land und verdingen sich als Arbeiter in fremden Gegenden. Der Roman folgt mehreren von ihnen einzeln: Amadeo Illas, Calixto Páucar, Augusto Maqui, Demetrio Sumallacta, Juan Medrano und Benito Castro. Was sie draußen erleben, ist hart, oft bitter. Andere bleiben und wehren sich auf ihre Weise, einige schließen sich sogar der Bande des berüchtigten Räubers Fiero Vásquez an.

So entsteht das Bild einer Gemeinschaft, die zwischen Ausharren und Aufbruch schwankt. Die Frage, die über allem steht: Kann ein Dorf überleben, wenn ihm der Boden genommen wird, auf dem es steht?

Die Handlung im Detail↑

In den Höhen der Kordilleren, im Departement La Libertad im Norden Perus, lebt die Dorfgemeinschaft von Rumi. Ihr Bürgermeister Rosendo Maqui verteidigt das gemeinsame Land gegen den Gutsherrn Álvaro Amenábar. Dieser stützt sich auf bestochene Richter und falsche Zeugen, um das Gebiet seinem Besitz einzuverleiben. Sein eigentliches Ziel ist es, die Bauern zu Landarbeitern zu machen, denn seine Minen und Kokapflanzungen verlangen viele Hände.

Als der Gutsherr sich schließlich durchsetzt, ziehen die Vertriebenen in die Höhen von Yanañahui. Dort ist der Boden steinig, das Klima rau und der Ertrag gering, doch wenigstens bleibt die Gemeinschaft bestehen. Viele halten es nicht aus und gehen fort, um anderswo in Peru Arbeit zu suchen. Mehrere Kapitel folgen ihren Wegen. Amadeo Illas, Calixto Páucar, Augusto Maqui, Demetrio Sumallacta, Juan Medrano und Benito Castro erleben Ausbeutung, Krankheit und für manche den Tod. Wer fortgeht, findet keine bessere Welt, sondern eine fremde.

Amenábar setzt seine Angriffe fort. Ein indigenistischer Anwalt führt die Sache der Dorfbewohner vor das Obergericht, doch die Prozessakte wird von Männern des Gutsherrn gestohlen und verbrannt. Einige Bauern schließen sich der Bande des Fiero Vásquez an und rächen sich auf eigene Faust an Amenábars Leuten. Rosendo Maqui wird beschuldigt, Vieh gestohlen, zur Gewalt angestiftet und Banditen Unterschlupf gewährt zu haben. Der alte Bürgermeister kommt ins Gefängnis. Dort stirbt er, nachdem ihn Wärter geschlagen haben.

Jahre vergehen. Dann kehrt Benito Castro zurück, Rosendos Ziehsohn, der sechzehn Jahre fort war. Er hat das Land durchwandert und viel Unrecht gesehen, außerdem hat er lesen und schreiben gelernt. Er bringt neue Vorstellungen mit: Aberglaube und überholte Gewohnheiten sollen weichen, das Beste der alten Ordnung aber bleiben, vor allem die gegenseitige Hilfe. Benito wird zum Bürgermeister gewählt. Unter seiner Führung erholt sich das Dorf in Yanañahui und beginnt aufzublühen.

Doch Amenábar strengt einen zweiten Grenzprozess an. Auf Benitos Betreiben greifen die Bauern zu den Waffen, um sich nicht ein zweites Mal vertreiben zu lassen. Die Landpolizei schlägt den Aufstand gemeinsam mit den Aufsehern des Gutsherrn brutal nieder. Ein Aufständischer nach dem anderen fällt im Feuer des Maschinengewehrs. Am Ende ist die Gemeinschaft ausgelöscht.

Stil↑

Angelegt ist der Roman als breites Bild eines ganzen Dorfes, nicht als Geschichte eines einzelnen Helden. Die Gemeinschaft von Rumi ist die eigentliche Hauptfigur, und die Handlung folgt ihrem Weg über viele Jahre hinweg. Zwischen die Kapitel über den Rechtsstreit schiebt Alegría eigene Kapitel, in denen er einzelne Bauern auf ihren Wanderungen durch Peru begleitet. So verbindet sich die Geschichte eines Dorfes mit einem Panorama des Landes. Der Titel wirkt als Leitgedanke, der immer wieder aufscheint: Die Welt ist weit, aber sie gehört den Bauern der Anden nicht. Landschaft und Arbeit der Andenbewohner sind ausführlich geschildert und tragen die Erzählung mit.

Rezeption↑

Seit dem Erscheinen 1941 zählt das Buch zu den bekanntesten Werken der indigenistischen oder regionalistischen Literatur Lateinamerikas und gilt als Hauptwerk Ciro Alegrías. Im spanischen Sprachraum wurde es immer wieder neu aufgelegt; bis 2009 schätzt man mehr als achtzig Ausgaben. Übersetzungen erschienen unter anderem ins Englische, Französische, Italienische, Deutsche und Russische. Damit fand die Geschichte des Dorfes Rumi ein Publikum weit über Peru hinaus.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten