1909 – 1967
Ciro Alegría
Kurzbiografie↑
Der peruanische Schriftsteller Ciro Alegría wurde 1909 geboren und starb 1967. Er zählt zu den führenden Vertretern des indigenistischen Romans, einer Literatur, die sich vom europäischen Glauben an den Fortschritt abwendet und Lösungen für die Zukunft in den eigenen, altüberlieferten Wurzeln sucht. Alegría erzählte vom Leben der indigenen Bevölkerung in den Anden Nordperus, von Landraub, Armut und dem Kampf ums Überleben. Als sein wichtigstes Buch gilt der Roman El Mundo es ancho y ajeno. Neben dem Schreiben war er als Journalist tätig und saß für kurze Zeit im peruanischen Parlament.
Biografie↑
Geboren wurde Ciro Alegría Bazán am 4. November 1909. Über den Geburtsort gehen die Angaben auseinander: Wikidata nennt den Distrikt Sartimbamba, die Deutsche Nationalbibliothek dagegen Huamachuco. Nach der Darstellung der Wikipedia kam er auf dem Gehöft Quilca bei Huamachuco in der Region La Libertad zur Welt.
Die Familie gehörte zu den Großgrundbesitzern des Landes. Sein Vater José Eliseo Alegría Lynch stand unter dem Einfluss des peruanischen Anarchisten Manuel González Prada. Gegen den Willen des Großvaters führte er auf der familieneigenen Hazienda eine kleine Landreform zugunsten der indigenen Landarbeiter durch. Außerdem heiratete er Herminia Bazán Lynch, die Tochter des Vorarbeiters. Der Großvater Teodoro Alegría, der als Abgeordneter in Lima lebte, reagierte hart: Er nahm dem Vater die Leitung der Hazienda und verbannte ihn auf den abgelegenen Posten Quilca. Dort wurde Ciro Alegría geboren, und dort verbrachte er seine früheste Kindheit in indigener Umgebung.
Mit Beginn der Schulpflicht trennte der Großvater den Jungen von der Familie und schickte ihn nach Trujillo, der Hauptstadt der Region La Libertad. Sein erster Lehrer dort war der peruanische Dichter César Vallejo. Ein Familiendetail bleibt zwiespältig: Beide Großmütter waren Cousinen und rein irischer Abstammung, doch Alegría behauptete zeitlebens, seine Großmutter mütterlicherseits habe indianische Vorfahren gehabt.
Als Jugendlicher engagierte er sich in der Partei APRA. Das brachte ihn ins Gefängnis, wo er gefoltert wurde. Mit 21 Jahren wurde er schließlich nach Chile abgeschoben. Dreißig Jahre lang lebte er im Exil: zuerst in Chile, dann in den Vereinigten Staaten, danach in Puerto Rico und zuletzt in Kuba. Fast sein ganzes Erwachsenenleben hindurch schrieb er aus der Ferne über seine Heimat Peru. Während der Zeit in New York trat er aus der APRA aus.
Erst mit 51 Jahren kehrte er nach Peru zurück. Dort wurde er 1960 in die Peruanische Akademie der Spanischen Sprache aufgenommen und übernahm den Vorsitz der peruanischen Schriftsteller und Künstler. Auf Bitten seines Freundes, des Präsidenten Fernando Belaúnde Terry, trat er der Partei Acción Popular bei. Für sie zog er 1963 als Abgeordneter ins Parlament ein.
Alegría war dreimal verheiratet und hatte insgesamt acht Kinder. Zu ihnen zählt der Regisseur, Theaterleiter und Autor Alonso Alegría. Am 17. Februar 1967 starb er im Alter von 57 Jahren im Distrikt Chaclacayo.
Literarische Merkmale↑
Episch ist der Grundton seiner Romane. Im Vordergrund stehen die Natur Perus, die überlieferten Gebräuche des Landes und der Kampf der Bewohner ums nackte Überleben. Alegría erzählt vom Leben der indigenen Bevölkerung in den Anden Nordperus; seine Figuren verkörpern weitgehend die alte, traditionelle Lebensweise der Andenvölker.
Alle seine Romane treten für die Aufnahme sämtlicher Peruaner in die Gesellschaft ein. Sie klagen das Elend und die soziale Ungerechtigkeit an, unter denen die untersten Schichten und besonders die Einheimischen zu leiden haben. In El Mundo es ancho y ajeno zeigt sich das an der Handlung selbst: Ein grausamer Großgrundbesitzer nimmt den Dorfbewohnern ihr Land, worauf sie das andine Hochland verlassen und durch ganz Peru ziehen, um irgendwo ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die beiden Hauptfiguren sind gegensätzlich angelegt. Rosendo Maquí ist ein alter, weiser Indianer, tief in den Traditionen verwurzelt. Benito Castro dagegen ist ein junger Mestize, der nach Rosendos Tod in seine indigene Gemeinschaft zurückkehrt, um das Recht der Indigenen auf ihr Land zu verteidigen.
Rezeption↑
Gemeinsam mit José María Arguedas gilt Ciro Alegría als einer der wichtigsten Vertreter des peruanischen indigenistischen Romans. Beide erzählen von unterschiedlichen Regionen: Arguedas' Bücher spielen im Süden Perus, Alegrías Romane im Norden.
Als sein bedeutendstes Werk gilt El Mundo es ancho y ajeno. Der Schriftsteller Mario Vargas Llosa nannte dieses Buch den „Ausgangspunkt der modernen peruanischen Prosa“. Für ihn ist Alegría der erste Klassiker unter den peruanischen Romanciers. Sein Werk zeigt das moderne Peru mit seiner Vielfalt an Ethnien, Kulturen und Gebräuchen.
Auch im Leben wurde ihm Anerkennung zuteil: 1960 nahm ihn die Peruanische Akademie der Spanischen Sprache auf, und er stand den peruanischen Schriftstellern und Künstlern als Präsident vor. Im deutschen Sprachraum ist sein Werk über die Kataloge der Deutschen Nationalbibliothek und des Ibero-Amerikanischen Instituts Preußischer Kulturbesitz in Berlin greifbar.
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