1832 – 1888
Louisa May Alcott
Kurzbiografie↑
Als Autorin der Jugendbuchreihe Little Women wurde die US-amerikanische Schriftstellerin Louisa May Alcott weltberühmt. Geboren wurde sie am 29. November 1832 in Germantown im US-Bundesstaat Pennsylvania. Ihre bekanntesten Bücher schöpfen aus dem eigenen Leben: Die vier Bände über die March-Töchter beruhen auf Kindheitserlebnissen mit ihren drei Schwestern. Schon früh trieb sie der Wille an, ihre in Armut lebende Familie mit dem Schreiben zu unterstützen. Sie starb am 6. März 1888 im Alter von 55 Jahren.
Biografie↑
Geboren wurde Louisa May Alcott 1832 als zweite von vier Töchtern in Germantown, Pennsylvania. Ihre Mutter Abigail May Alcott war eine Vorreiterin der sozialen Arbeit, ihr Vater Amos Bronson Alcott ein Pädagoge und bekennender Transzendentalist. 1834 zog die Familie nach Boston, wo mit Elizabeth die dritte Tochter zur Welt kam. Der Vater half dort, die experimentelle Temple School zu gründen, und trat mit Ralph Waldo Emerson und Henry David Thoreau dem Transcendental Club bei.
Von frühester Kindheit an lebte Louisa in Armut. Das entsprach einerseits der antimaterialistischen Haltung ihres Vaters, hatte aber auch damit zu tun, dass er nicht mit Geld umgehen konnte. Als sein Schulmodell scheiterte, musste die Familie 1840 nach Concord in Massachusetts umziehen. 1843 kam sie für kurze Zeit in Fruitlands unter, einer transzendentalen Einrichtung. Diese Erfahrung hielt Louisa später in Transcendental Wild Oats fest, das 1876 in dem Band Silver Pitchers erschien. Schließlich erwarben die Alcotts vom Erbe der Mutter und mit Emersons Unterstützung ein Haus in Concord.
Der Vater unterrichtete seine Töchter zu Hause. Viel lernten die Kinder aber durch die zahlreichen Freunde der Familie: In Emersons Bibliothek durften sie stöbern, mit Thoreau erkundeten sie die Natur, und auch Nathaniel Hawthorne und Margaret Fuller gehörten zum Kreis. Schon früh entwickelte Louisa eine Leidenschaft fürs Schreiben und setzte ihre Fantasie in melodramatische Theaterstücke um, die sie mit ihren Schwestern für Freunde aufführte. Am liebsten spielte sie die wilden Rollen: Banditen, Bösewichte, Räuber – ganz wie später ihre Heldin Jo in Little Women.
Unzufrieden mit den ärmlichen Verhältnissen, schwor sich Louisa mit 15 Jahren, reich zu werden. Da arbeitssuchenden Frauen wenige Möglichkeiten offenstanden, nahm sie jede Stelle an und arbeitete unter anderem als Lehrerin, Haushälterin und Näherin. Diese Erfahrungen verarbeitete sie 1873 in der Erzählung Work: A Story of Experience. Zunächst erschienen Gedichte und Kurzgeschichten in beliebten Magazinen. 1854 veröffentlichte sie ihr erstes Buch, Flower Fables, eine Sammlung von Märchen für Emersons Tochter Ellen.
Das Jahr 1856 brachte Einschnitte: Ihre jüngere Schwester Elizabeth, Vorbild für die Figur der Beth, starb an Scharlach, ihre ältere Schwester Anna heiratete. 1862 ging Louisa freiwillig als Krankenschwester in den Sezessionskrieg nach Georgetown. Dort steckte sie sich mit Typhus an und musste ihre Arbeit schon nach sechs Wochen aufgeben. Die Behandlung mit Quecksilber hatte Folgen, die sie bis zum Lebensende begleiteten. Aus ihren Briefen dieser Zeit entstand Hospital Sketches, das 1863 erschien und sie erstmals einem breiteren Publikum bekannt machte. Unter dem Pseudonym A. M. Barnard veröffentlichte sie zudem Schauer- und Gruselromane wie A Long Fatal Love Chase und Pauline's Passion and Punishment. Wie ihre Mutter setzte sie sich für Frauenrechte und das Frauenwahlrecht ein und engagierte sich gegen die Sklaverei.
Auf Anregung ihres Herausgebers Thomas Niles veröffentlichte sie 1868 den ersten Band von Little Women und erzielte damit den großen Durchbruch. 1869 folgte Good Wives, der zweite Roman über die March-Mädchen. Später ergänzten Little Men und Jo's Boys die Familiensaga. Ihre weiteren Bücher folgten demselben Erzählton und fanden großen Anklang. 1877 starb ihre Mutter Abigail. Ihre Nichte Louisa „Lulu“ lebte seit 1879 bei ihr in Boston, wo unter anderem Jo's Boys, Lulu's Library und A Garland for Girls entstanden. In Concord ließ sie sich als erste Frau als Wählerin registrieren. Trotz ihres sich verschlechternden Gesundheitszustands hörte sie nie auf zu schreiben. Zwei Tage nach dem Besuch am Totenbett ihres Vaters starb sie am 6. März 1888 an einem Schlaganfall. Der Sterbeort ist in den Quellen unterschiedlich verzeichnet: Wikidata nennt Boston, die Deutsche Biographie dagegen Roxbury in Massachusetts.
Literarische Merkmale↑
Charakteristisch für Alcotts bekannteste Bücher ist die Nähe zum eigenen Leben. Die Reihe um die March-Töchter beruht auf ihren Kindheitserlebnissen mit den drei Schwestern in Concord; Little Men geht auf Erfahrungen mit ihren Neffen im Orchard House zurück. In der Figur der Jo spiegeln sich verschiedene Seiten der Autorin wider – die Lust an wilden Rollen ebenso wie ihre Arbeit an Schauergeschichten. Neben den bekannten Familienromanen schrieb sie unter dem Pseudonym A. M. Barnard Schauer- und Gruselromane. Ihre späteren Romane und Erzählungen folgten dem Ton von Little Women und fanden weithin Anklang.
Rezeption↑
Berühmt wurde Alcott weltweit vor allem durch Little Women. Ihr Werk Hospital Sketches hatte sie zuvor erstmals einem breiteren Publikum bekannt gemacht. Ihre Bücher fanden großen Anklang beim Publikum. Bis in die Gegenwart wirkt ihre Lebensgeschichte fort: Der Schriftsteller Sebastian Guhr schildert in seinem Roman Mr. Lincoln & Mr. Thoreau das Verhältnis der jungen Louisa May Alcott zu ihrem Lehrer Henry David Thoreau.
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