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Porträt Leopoldo Alas
Leopoldo Alas
1852 – 1901
– Autorenporträt –

Leopoldo Alas

1852 – 1901 · 49 Jahre

Spanischer Hochschullehrer und gefürchteter Kritiker, der unter dem Pseudonym Clarín mit „La Regenta" sein Meisterwerk schuf – einen Roman, den man mit Flauberts „Madame Bovary" verglich.

Kurzporträt

Unter dem Pseudonym Clarín wurde Leopoldo Alas (1852–1901) zu einem der prägenden Schriftsteller und Journalisten Spaniens im späten 19. Jahrhundert. Im Hauptberuf war er Professor für Römisches Recht an der Universität Oviedo. Daneben verfasste er gefürchtete, oft skandalträchtige Zeitungsartikel und Literaturkritiken. Sein bekanntestes Werk ist der Roman La Regenta (deutsch Die Präsidentin). Er erschien zwischen 1884 und 1885 in zwei Bänden und wurde mit Gustave Flauberts Ehebruchsroman Madame Bovary verglichen. Auch sein zweiter Roman Su único hijo (deutsch Sein einziger Sohn) liegt auf Deutsch vor. Alas starb 1901 im Alter von erst 49 Jahren in Oviedo.


Biografie

Geboren wurde Leopoldo Enrique García-Alas y Ureña am 25. April 1852 in Zamora als viertes Kind seiner Eltern. Sein Vater Jenaro García Alas y Suárez war dort Gobernador Civil der Provinz, seine Mutter hieß Leocadia. Beruflich bedingte Versetzungen des Vaters prägten die Kindheit. 1854 ging es nach León, wo der Junge eine Jesuitenschule besuchte, 1859 zurück nach Oviedo. Am dortigen Gymnasium lernte er den späteren Schriftsteller Armando Palacio Valdés kennen. Gemeinsam verfassten und spielten die Freunde erste Theaterstücke. Mit sechzehn gab Alas eine humoristische Wochenschrift namens „Juan Ruiz" heraus.

1869 erlangte er den „Bachiller en Artes", das spanische Äquivalent zum Abitur. Er schickte erste Artikel an Zeitungen und Zeitschriften in Madrid, wohin er zum Jurastudium ging. Dieses schloss er bereits 1871 ab. Nach einem zwischenzeitlichen Versuch in den Geisteswissenschaften legte er ein Jura-Doktorat mit einer Dissertation über „El Derecho y la Moralidad" (Recht und Moral) ab. Sein Doktorvater war Francisco Giner de los Ríos, der Begründer der Institución Libre de Enseñanza. Diese Dissertation blieb das einzige Buch, das nicht unter seinem Pseudonym erschien.

In Madrid gründete Alas zusammen mit Palacio Valdés und anderen jungen Intellektuellen eine Tertulia in der Cervecería Inglesa, den „Bilis Club". Im Ateneo lernten sie den etwas älteren Schriftsteller Benito Pérez Galdós kennen. 1872 gründeten sie die kurzlebige Zeitschrift „Rabagas". 1874 begann Alas, professionell in der Zeitschrift El Solfeo zu schreiben. Ab 1875 verwendete er sein Pseudonym „Clarín" – Signalhorn oder Trompete, nach der gleichnamigen Graciosofigur aus Pedro Calderóns La vida es sueño. Bald war Clarín berühmt für seine spitze Feder. Nahezu jeder Artikel wurde heiß diskutiert, manche lösten Skandale aus. Das dürfte auch der Grund gewesen sein, warum eine erste Berufung als Professor nach Salamanca 1878 fehlschlug. Einer der von ihm heftig Angegriffenen, der Conde de Toreno, hatte das Letztentscheidungsrecht und überging ihn.

1882 wurde Clarín schließlich als ordentlicher Professor für Politische Ökonomie und Statistik nach Saragossa berufen. Im selben Jahr heiratete er Onofre García Argüelles y García-Bernardo. Ein Jahr später kehrte er als Professor für Römisches Recht nach Oviedo zurück. 1883 kam sein erster Sohn Leopoldo zur Welt, 1887 der zweite, Adolfo, 1890 die Tochter Elisa. Als Hochschullehrer galt Clarín als streng und unbestechlich und war für ungewöhnliche Lehrmethoden bekannt. Neben Fachbüchern verlangte er von seinen Studenten auch die Lektüre des Don Quijote und anderer literarischer Werke.

In seiner Freizeit schrieb er für Blätter wie El Globo, La Ilustración und Madrid Cómico. An El Imparcial und Madrid Cómico sandte er seine „Paliques", bissige satirische Texte, die ihm weitere Feinde verschafften. 1881 erschienen seine Literaturkritiken in Buchform unter dem Titel Solos de Clarín, mit einem Vorwort des späteren Nobelpreisträgers José Echegaray. Mit 31 Jahren schrieb er sein Meisterwerk La Regenta. Dessen erster Band erschien 1884, der zweite Band 1885. 1890 folgte sein zweiter Roman Su único hijo. Eine persönliche Krise voller religiöser Zweifel in den Jahren 1892/93 schlug sich in seiner Erzählung Cambio de Luz nieder. 1894 versuchte er sich mit dem Theaterstück Teresa auch in der dramatischen Gattung, doch die Uraufführung des Einakters wurde ein Misserfolg. Zuletzt übertrug er als Übersetzer in monatelanger Kleinarbeit Émile Zolas Werk Travail, das 1901 erschien. Bereits krank und erschöpft, schrieb er unablässig kleine Artikel, um sich und seine Kinder zu ernähren. Ein Erholungsversuch bei einem Verwandten in León half nicht mehr. Die Ärzte diagnostizierten die damals unheilbare Tuberkulose. Am 13. Juni 1901 starb Leopoldo Alas im Alter von gerade einmal 49 Jahren in Oviedo.


Literarische Merkmale

Berühmt wurde Clarín zunächst für seine spitze Feder als Journalist und Kritiker. Seine Artikel und die bissigen, satirischen „Paliques" wurden heiß diskutiert, lösten teils Skandale aus und verschafften ihm zahlreiche Feinde. Seine Literaturkritiken sammelte er in Bänden wie Solos de Clarín, Sermón perdido, Nueva campaña und Ensayos y revistas.

Im erzählerischen Werk steht der Roman im Mittelpunkt. Sein Hauptwerk La Regenta wurde mit Flauberts Madame Bovary verglichen, also mit einem Roman über Ehebruch und Verführung. Das ist ein Hinweis auf Claríns Nähe zur realistischen Schilderung von Gesellschaft und gescheiterten Lebensläufen. Daneben schuf er eine große Zahl von Erzählungen und Novellen, darunter Adiós, Cordera, Pipá, Doña Berta und El gallo de Sócrates. Auch persönliche Erfahrungen flossen in sein Werk ein. Die religiösen Zweifel seiner Krise von 1892/93 verarbeitete er in der Erzählung Cambio de Luz.

Sein Schreiben war von einem ausgeprägten Perfektionismus bestimmt, der ihm gerade in seinen letzten, von Krankheit gezeichneten Jahren zu schaffen machte. Der Versuch, mit dem Theaterstück Teresa in der dramatischen Gattung Fuß zu fassen, misslang. Das Drama lag ihm offensichtlich nicht.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten war Clarín eine vieldiskutierte Figur des spanischen Literaturbetriebs. Seine kritischen Artikel wurden heiß debattiert und sorgten wiederholt für Aufsehen, manche für offene Skandale. Sein Ruf als gefürchteter Kritiker brachte ihm so viele Gegner ein, dass ihm 1878 eine erste Professur entging, weil ein von ihm Angegriffener das Entscheidungsrecht besaß.

Nachhaltig wirkt vor allem sein Roman La Regenta. Er wird mit Flauberts Madame Bovary verglichen und liegt auf Deutsch unter dem Titel Die Präsidentin vor, übersetzt von Egon Hartmann und mehrfach bei Suhrkamp-Insel aufgelegt. Auch sein zweiter Roman Su único hijo erschien 2002 in deutscher Übersetzung von Elke Wehr als Sein einziger Sohn und wurde 2003 als Hörbuch eingelesen.

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