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Autoreneintrag · Alain-Fournier
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Porträt Alain-Fournier
Alain-Fournier
1886 – 1914
– Autorenporträt –

Alain-Fournier

1886 – 1914 · 27 Jahre

Französischer Erzähler, der mit seinem einzigen vollendeten Roman „Der große Meaulnes“ zum Kultbuch für junge Leser wurde und mit 27 Jahren im Ersten Weltkrieg fiel.

Kurzbiografie↑

Unter dem Namen Alain-Fournier trat der französische Schriftsteller Henri-Alban Fournier hervor, der am 3. Oktober 1886 in La Chapelle-d'Angillon zur Welt kam. Bekannt wurde er durch einen einzigen vollendeten Roman: Le grand Meaulnes, auf Deutsch Der große Meaulnes. Das Buch erschien 1913 und fand rasch großen Zuspruch. Nur wenig später fiel Alain-Fournier im Ersten Weltkrieg, am 22. September 1914 bei den Kämpfen um Les Éparges südlich von Verdun. Sein früher Tod und der Nachruhm seines Romans machten ihn zu einer festen Größe der französischen Literatur.


Biografie↑

Als erstes Kind eines Lehrerehepaares wurde Henri-Alban Fournier 1886 im zentralfranzösischen Berry geboren. Seine Kindheit verbrachte er mit seiner drei Jahre jüngeren Schwester Isabel auf dem Land. Mit zwölf Jahren schickte man ihn in eine Pariser Pension, eine Privatschule mit Internat, denn er sollte dort ein renommiertes Gymnasium besuchen, das Lycée Voltaire, und später als Wissenschaftler arbeiten.

Mit fünfzehn wechselte er auf das Gymnasium von Brest, das Vorbereitungsklassen für die französische Marineschule führte. Er hatte beschlossen, Marineoffizier zu werden. Ein Jahr später gab er diesen Plan wieder auf und legte mit siebzehn das Abitur in Bourges ab. Ab Oktober 1903 besuchte er die Vorbereitungsklassen für die Elitehochschule für Lehrer, die ENS, am Lycée Lakanal in Sceaux bei Paris. Dort schloss er Freundschaft mit Jacques Rivière, mit dem er gemeinsam sein literarisches Interesse entwickelte und der 1908 sein Schwager wurde.

Am Himmelfahrtstag 1905, mit knapp neunzehn Jahren, begegnete er flüchtig einer jungen Frau, Yvonne de Quièvrecourt, in die er sich schwärmerisch verliebte. Nach einem weiteren kurzen Treffen verlor er sie aus den Augen und erfuhr zwei Jahre später enttäuscht, dass sie inzwischen geheiratet hatte. Auch seine Hoffnungen auf einen Studienplatz an der ENS erfüllten sich nicht. Nach einem dritten Jahr Vorbereitungsklasse am Lycée Louis-le-Grand scheiterte er zum zweiten Mal an der Aufnahmeprüfung und musste seinen Wunsch nach einer Laufbahn als Gymnasial- oder Universitätsprofessor aufgeben.

Von 1907 bis 1909 leistete er zunächst seinen Militärdienst. Während eines Urlaubs besuchte er den Wallfahrtsort Lourdes, der ihn beeindruckte. Ende 1907 veröffentlichte er unter dem Pseudonym Alain-Fournier einen ersten längeren Text, den Essay Le Corps de la femme. 1909, gegen Ende seiner Militärzeit, versuchte er die Prüfung zur Licentia docendi abzulegen, um angestellter Englischlehrer werden zu können; offenbar schlecht vorbereitet, scheiterte er.

Zurück in Paris arbeitete er von April 1910 bis 1912 als freier Literaturkritiker bei der Zeitung Paris-Journal. In diese Zeit fiel eine wechselhafte Beziehung zu der Modistin Jeanne Bruneau. Ende 1910 lernte er den dreizehn Jahre älteren Romancier Charles Péguy kennen, der ihn zur katholischen Frömmigkeit seiner Kindheit zurückzuführen versuchte. Durch ihn erhielt er die wenig arbeitsintensive Stellung eines Privatsekretärs beim Bankier Claude Casimir-Périer, die er ab 1912 innehatte.

In diesen Jahren schrieb er an dem Roman, der ihn berühmt machen sollte. Le grand Meaulnes erschien zunächst von Juli bis November 1913 in fünf Fortsetzungen in der jungen Zeitschrift La Nouvelle Revue Française, bei der sein Schwager Rivière seit dem Vorjahr als Redaktionssekretär tätig war. Im Herbst kam der Roman auch als Buch heraus. Der Erfolg war sofort beachtlich, das Werk kam in die engste Wahl für den Prix Goncourt.

Bei einem Wiedersehen 1913 mit Yvonne de Quièvrecourt, die inzwischen zwei Kinder hatte, tröstete ihn, dass er seit kurzem eine attraktive Geliebte hatte: die bekannte Schauspielerin Madame Simone, Frau seines Chefs Casimir-Périer. Sie regte ihn zu einem neuen Roman an, der jedoch unvollendet blieb und erst nach seinem Tod gedruckt wurde: Colombe Blanchet.

Als am 1. August 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde Alain-Fournier als Leutnant der Reserve eingezogen. Bei den Kämpfen um Les Éparges kehrte er am 22. September mit seinen Leuten von einer Patrouille nicht zurück und blieb vermisst. Erst 1991 wurden seine sterblichen Überreste anhand der Erkennungsmarke in einem Massengrab identifiziert und auf den Soldatenfriedhof von Saint-Remy-la-Calonne umgebettet.


Literarische Merkmale↑

Zeit seines kurzen Lebens veröffentlichte Alain-Fournier nur einen vollendeten Roman. In Le grand Meaulnes flossen erkennbar Erfahrungen seiner Jugend ein: die ländliche Welt des Berry, in der er aufwuchs, und die schwärmerische, folgenlose Begegnung mit einer jungen Frau, die ihn jahrelang beschäftigte. Sein weiteres Schaffen blieb Fragment oder erschien erst nach seinem Tod, darunter der unvollendete Roman Colombe Blanchet und die später unter dem Titel Miracles gesammelten Gedichte und Erzählungen.


Rezeption↑

Sein früher Tod trug nicht unwesentlich zur enormen Verbreitung bei, die Le grand Meaulnes in der Zwischenkriegszeit und darüber hinaus erfuhr. Der Roman wurde zum Kultbuch für Generationen junger Leser. Schon bei seinem Erscheinen 1913 war der Zuspruch beachtlich, das Werk gelangte in die engste Wahl für den Prix Goncourt. Auch in Deutschland fand der Roman viele Leser und ist bis heute in verschiedenen Übertragungen bei mehreren Verlagen erhältlich. Als späte Ehrung wurde am 9. September 2014 der Asteroid (13534) Alain-Fournier nach ihm benannt.

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