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Porträt Al-Mutanabbi
Al-Mutanabbi
0920 – 0965
– Autorenporträt –

Al-Mutanabbi

0920 – 0965 · 45 Jahre

Wandernder Hofdichter des 10. Jahrhunderts, der Fürsten pries, sich selbst am lautesten lobte und die arabische Dichtung nach ihm nachhaltig prägte.

Kurzbiografie↑

Zu den bekanntesten Dichtern der arabischen Literatur zählt Abū t-Tayyib Ahmad ibn al-Husain, genannt al-Mutanabbī. Er lebte im 10. Jahrhundert, zur Zeit der Abbasiden, und stammte aus ärmlichen Verhältnissen in Kufa. Sein Leben verbrachte er als wandernder Dichter, der von Hof zu Hof zog und Fürsten in kunstvollen Versen pries. Er verfasste an die 326 Kassiden; drei Viertel seiner Gedichte sind Lobgedichte. Sein Beiname bedeutet „der, der sich als Prophet ausgibt“.


Biografie↑

Geboren wurde al-Mutanabbī im Stadtteil Kinda der Stadt Kufa. Über das Jahr gehen die Angaben auseinander: Wikidata nennt 920, die Deutsche Nationalbibliothek 915, andere Überlieferungen sprechen von 915 oder 917. Seine Familie war arm, sein Vater soll Wasserträger gewesen sein. In Kufa wuchs er auf und erhielt dort seine erste Ausbildung, nachdem man seinen wachen Geist bemerkt hatte.

Ende 924 fielen die Qarmaten in Kufa ein und plünderten die Stadt. Der Junge floh mit seiner Familie und verbrachte etwa zwei Jahre in der Samāwa, dem Wüstengebiet zwischen Kufa und Palmyra. Bei den Banū Kalb lernte er dort die Feinheiten der arabischen Sprache. 927 kehrte er nach Kufa zurück und fasste den Entschluss, Dichter zu werden. Aus Interesse an der schiitischen Lehre der Qarmaten suchte er deren Nähe und schloss sich Abū l-Fadl an, der seine religiösen und philosophischen Vorstellungen dauerhaft prägte.

Ende 928 verließ er Kufa und ging nach Bagdad. Dort wurde er Lobredner von Muhammad ibn ʿUbaid Allāh al-ʿAlawī. Danach zog er als fahrender Dichter durch Syrien. Die Anerkennung, die er für sich beanspruchte, blieb ihm nach eigener Ansicht versagt. Also wollte er seine Ziele mit Gewalt durchsetzen: In Latakia zettelte er einen Aufstand an und griff dabei die qarmatische Ideologie auf, die bei den Banū Kalb Anklang fand. Der Stamm unterstützte und versteckte ihn. Nach ersten Erfolgen schlugen ichschididische Truppen ihn 933 bei Homs. Es folgten eine Gerichtsverhandlung, ein Urteil und Haft. Aus dieser Zeit stammt sein Beiname al-Mutanabbī.

Etwa zwei Jahre saß er ein. Nachdem er seine Ansichten widerrufen hatte, kam er frei und nahm 937 in Syrien sein Wanderleben wieder auf. 939 wurde er Lobdichter des Emirs Badr al-Harschānī in Damaskus, der ihn rund zwei Jahre förderte. Intrigen belasteten das Verhältnis, und al-Mutanabbī suchte Schutz in der Wüste. Erst 948 fand er einen neuen Mäzen: den Hamdaniden Saif ad-Daula. Neun Jahre blieb er in Aleppo. Beide begegneten einander mit außerordentlichem Respekt, und der Dichter nahm eine bevorzugte Stellung am Hof ein. Auch diese Verbindung zerbrach an Intrigen und Rivalitäten.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Damaskus ging er nach Fustāt, dem heutigen Kairo. Dort dichtete er zum Lob des Regenten Kāfūr, den er in Wahrheit verachtete. An dessen Hof kam er wahrscheinlich nur, weil Kāfūr ihm die Statthalterschaft von Sidon in Aussicht gestellt hatte. Als sich diese Hoffnung zerschlug, verließ er den Regenten und suchte vergeblich einen neuen Gönner. Am 20. Januar 962 verließ er Fustāt heimlich, nachdem er eine bitterböse Satire auf Kāfūr verfasst hatte.

Er wanderte nach Kufa und ging von dort weiter nach Bagdad. Der Versuch, die Gunst des Buyiden-Wesirs al-Muhallabī zu gewinnen, scheiterte. 964 hielt er sich zeitweise wieder in Kufa auf und verbrachte die Tage mit Gedichteschreiben und Vorträgen. 965 fand er im Buyiden-Wesir Ibn al-ʿAmīd in Arraǧān einen neuen Mäzen. Kurz darauf schloss er sich dem Buyiden Adud ad-Daula in Fars an, verließ dessen Hof in Schiras aber aus unbekannten Gründen wieder und wandte sich abermals nach Bagdad.

Bei Dair al-ʿAqūl südöstlich von Bagdad am Tigris überfielen Beduinen ihn und seine Familie. Im Spätsommer 965 starb er dort im Kampf, zusammen mit seinem Sohn. Als Mörder gilt vermutlich Fātik ibn Abū Dschahal al-Asadī, der sich für ein Schmähgedicht auf seinen qarmatischen Stammesführer rächen wollte. Das Todesjahr 965 nennen sowohl Wikidata als auch die Deutsche Nationalbibliothek übereinstimmend; Wikidata verzeichnet als Sterbeort An Numaniyah.

Seine Haltung zur Welt war stoisch und pessimistisch. Er sah in ihr einen Ort der Verführung und des Schlechten, in dem die Unvernunft regiere und allein der Tod einen Ausweg biete. Die Araber hielt er den „barbarischen Fremden“ für weit überlegen, und unter den Arabern noch die Südaraber den Nordarabern; seine eigene Familie soll auf den südarabischen Stamm der jemenitischen Dschuʿfī zurückgehen. Seines Talents war er sich mehr als bewusst und trat entsprechend eingebildet auf. Zugleich wirkt er zwiegespalten: Er strebte nach Reichtum und Macht und lehnte beides zugleich aus tiefstem Herzen ab. Von außergewöhnlicher moralischer Strenge und Geradheit in seinem Handeln ist überliefert. Über kaum einen Dichter kursieren so viele Anekdoten, und wie viel daran wahr ist, lässt sich bis heute nicht klären. Manche brachte er womöglich selbst in Umlauf, denn er wollte, dass seine Gedichte im Rahmen solcher Geschichten gehört und gelesen wurden.


Literarische Merkmale↑

In der Endphase der frühabbasidischen Hofdichtung steht al-Mutanabbī neben al-Buhturī und Abū Tammām, die er sehr bewunderte. Man rechnet die drei zu den „Neoklassikern“, die sich an den überlieferten Formen der Dichtung orientierten.

Sein Schaffen lässt sich grob in vier Perioden gliedern. Die erste beginnt um 928 mit den Wanderjahren; diese Gedichte gelten als eher mittelmäßig und unreif, lassen sein Können aber schon ahnen. Es entstanden vor allem neuklassische Kassiden, dazu ein Klagegedicht und einige Gelegenheitsgedichte. Die zweite Phase fällt in die Zeit seiner Rebellionsgedanken: Die Form wird sehr frei, der Stil spiegelt seinen Aufruhr. Mit dem Mäzen Badr al-Harschānī setzt die dritte Manier ein, in der viele Lob- und Gelegenheitsgedichte entstanden, ausschließlich Kassiden und ein Jagdgedicht; formal kehrt er teilweise zur ersten Manier zurück, behält aber die Freiheiten der zweiten bei. Die vierte Phase begann etwa 940 nach dem Bruch mit Badr al-Harschānī, und ihr blieb er bis zu seinem Tod treu. Sie verbindet die neuklassische Tradition mit der freieren Form seiner Rebellionsjahre. In dieser Zeit entstanden Lob- und Trauergedichte sowie Gelegenheitsverse. Im Orient gelten die Gedichte aus der Zeit bei Saif ad-Daula als Höhepunkt seines Schaffens.

Seine Verse sind inhaltsreich und wirken oft regelrecht episch, auch wenn immer wieder pessimistische Töne durchbrechen. Besonders die Schilderung von Schlachten lag ihm, wobei er stimmungsvolle Bilder und Vergleiche einflocht. Gern griff er auch auf Ausdrücke aus der Medizin zurück, um etwas zu beschreiben. Daneben finden sich rassistische Verse gegen Nichtaraber. Im Selbstlob war er ein Meister. Sein Dīwān, die Sammlung seiner Gedichte, enthält Lobgedichte, Selbstlob, Klagen, Satiren, Werbungen und Weisheiten.


Rezeption↑

Als Dichter wirkte al-Mutanabbī weit über seine Lebenszeit hinaus: Mit seinen Werken und seinem Umgang mit der arabischen Sprache prägte er alle nachfolgenden Dichter. Schon zu Lebzeiten hatte er nicht nur Bewunderer, sondern auch Neider, auf die manche der abschätzigen Geschichten über ihn zurückgehen dürften. Andere Erzählungen lesen sich eher wie eine Verehrung des Poeten.

In Bagdad trägt die Mutanabbi-Straße seinen Namen, bekannt für ihren Büchermarkt.

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