1898 – 1987
Taufik Al-Hakim
Kurzbiografie↑
Der ägyptische Schriftsteller Taufiq al-Hakim wurde 1898 in Alexandria geboren und starb 1987 in Kairo. Er gehörte zu den Gründern des modernen ägyptischen Schauspiels und schrieb mehr als fünfzig Dramen. Bekannt wurde er zuerst mit dem Stück Menschen der Höhle, das die alte Legende von den Sieben Schläfern von Ephesus aufgreift. In Paris hatte er das europäische Theater kennengelernt; nach der Rückkehr in seine Heimat verband er dessen Formen mit Stoffen aus arabischer und antiker Überlieferung. Neben seinen Bühnenwerken arbeitete er als Journalist und war für die Ägyptische Nationalbibliothek tätig.
Biografie↑
Geboren wurde Taufiq al-Hakim am 9. Oktober 1898 in Alexandria, das damals zum Khedivat Ägypten gehörte. Seine Familie war wohlhabend, der Vater ägyptischer Richter. Der Sohn schlug zunächst denselben Weg ein und studierte Rechtswissenschaft in Kairo.
Ab 1926 setzte er das Studium in Paris fort. Dort lernte er das europäische Theater kennen und fasste eine dauerhafte Zuneigung zu ihm. Diese Pariser Jahre prägten seine spätere Arbeit für die Bühne.
1930 kehrte er nach Ägypten zurück. Er arbeitete für das Justizministerium und danach für das Erziehungsministerium. 1936 gab er diese Ämter auf und widmete seine Zeit ganz dem Schreiben. Später war er außerdem als Journalist für die Tageszeitung Akhbar al-Jom tätig und arbeitete als Angestellter der Ägyptischen Nationalbibliothek.
Seinen ersten Ruhm gewann al-Hakim mit dem Drama Menschen der Höhle. Das Stück greift die Legende von den Sieben Schläfern von Ephesus auf und handelt vom Kampf des Menschen gegen die Zeit. Danach folgte eine ganze Reihe von Stücken, in denen es weniger um Handlung als um Gedanken und Sinnbilder ging.
1934 erschien Scheherazade, das auf den Erzählungen aus Tausendundeine Nacht beruht; im selben Jahr auch Salomo der Weise. Es folgten 1936 Mohammed und 1937 Das Geheimnis des Selbstmord-Mädchens. 1939 nahm er sich mit König Ödipus einen antiken Stoff vor, 1942 mit Pygmalion einen zweiten. 1944 kam Eine Kugel im Herzen hinzu.
Insgesamt schrieb al-Hakim mehr als fünfzig Dramen, die sich mit sozialen Themen Ägyptens auseinandersetzten. Er verfasste daneben Prosa und arbeitete auch als Drehbuchautor. Zu den ins Deutsche übersetzten Büchern zählen Staatsanwalt unter Fellachen, das 1982 in Zürich erschien, sowie der 1976 in Berlin veröffentlichte Band Von Wundern und heller Verwunderung und von denen, die es mit Himmel und Hölle halten. 1970 kamen Brot für jeden Mund und Eine Reise im Zug auf Deutsch heraus. Auf Englisch erschien The Return of Consciousness.
Taufiq al-Hakim starb am 26. Juli 1987 in Kairo.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für al-Hakims Bühnenwerke ist die Verbindung von europäischer Theaterform und überliefertem Stoff. Er griff auf religiöse Legenden, auf arabische Erzähltradition und auf die griechische Antike zurück und formte daraus Stücke, in denen der Streit der Gedanken wichtiger ist als die äußere Handlung. Sinnbilder tragen bei ihm einen großen Teil der Bedeutung. Wiederkehrend ist die Frage nach dem Menschen und der Zeit, wie sie schon Menschen der Höhle stellt. Zugleich blieb sein Schreiben an der ägyptischen Gesellschaft und ihren sozialen Fragen orientiert.
Rezeption↑
Bereits das Drama Menschen der Höhle machte al-Hakim in Ägypten bekannt. In der Folge galt er als einer der Gründer des modernen ägyptischen Schauspiels und übte einen wesentlichen Einfluss auf die arabische Literatur aus. Sein Werk fand auch außerhalb der arabischen Welt Beachtung: Mehrere Bücher erschienen in deutscher Übersetzung, unter anderem Staatsanwalt unter Fellachen im Zürcher Unionsverlag. Zu seinem Werk und seiner Person äußerten sich unter anderem Taha Hussein und Nagib Machfus.
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