1868
Little Women
Überblick↑
Der Roman Little Women von Louisa May Alcott erschien 1868 und 1869 in zwei Teilen. Er erzählt vom Aufwachsen der vier Schwestern Meg, Jo, Beth und Amy March in Neuengland. In England kamen die beiden Teile unter den Titeln Little Women und Good Wives heraus. Mit diesem Buch begann Alcotts Arbeit für junge Leser. Es folgten unter anderem Little Men und Jo's Boys, die zusammen mit dem Erstling die March-Trilogie bilden. Der erste Teil trägt stark autobiografische Züge.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt des Romans stehen vier Schwestern, die gemeinsam mit ihren Eltern in Neuengland heranwachsen. Meg ist hübsch und fügsam. Jo, eigentlich Josephine, ist klug und jungenhaft und träumt davon, als Schriftstellerin bekannt zu werden. Beth ist still, friedlich und stellt sich selbst stets hinten an. Amy, das Nesthäkchen, hält sich für eine Künstlerin und denkt zuerst an sich.
Der Vater ist im Krieg. So wacht die Mutter, von den Töchtern Marmee genannt, allein über die Erziehung der vier. Das Buch begleitet die Schwestern von ihren kindlichen Luftschlössern bis zum Erwachsenwerden.
Eine wichtige Rolle spielt der wohlhabende Nachbarsjunge Theodore, den alle nur Laurie nennen. Er wird zum Freund der Familie und besonders zu Jos Vertrautem. Auch sein Hauslehrer John Brooke tritt in den Kreis der Familie ein. Jeder der vier Schwestern stellt sich die Frage, was aus ihren Wünschen wird und welchen Weg sie im Leben einschlägt.
Die Handlung im Detail↑
Der Roman schildert das Leben der vier March-Schwestern in Neuengland, während der Vater im Krieg ist. Marmee, die Mutter, beobachtet aufmerksam, wie sich ihre Töchter entwickeln und mit wem sie umgehen.
Meg legt von allen Schwestern den größten Wert darauf, sich an die geltenden Sitten zu halten. Sie heiratet früh. Ihr Mann ist John Brooke, der Hauslehrer des Nachbarsjungen Laurie. Die beiden gründen eine Familie und bekommen zwei Kinder, John junior, genannt Demi, und Margreth, genannt Daisy. Später kommt noch eine Tochter Josephine hinzu, genannt Josy, die in Little Men erwähnt wird.
Beth widmet ihr Leben ganz der Familie. Sie arbeitet im Haushalt und kümmert sich aufopferungsvoll um kranke und arme Nachbarn. Bei der Versorgung einer armen Nachbarsfamilie steckt sie sich mit Scharlach an. Zwar erholt sie sich vorübergehend, doch die Krankheit ist der Grund für ihren frühen Tod.
Amy, die Jüngste, sieht sich als Künstlerin. Als Gesellschafterin einer Tante darf sie nach Europa reisen und sich dort künstlerisch weiterbilden. Sie heiratet Laurie, den wohlhabenden Nachbarsjungen, der lange Jos engster Vertrauter gewesen war. Gemeinsam kehren die beiden nach Amerika zurück, wo Amy eine Tochter bekommt.
Jo wünscht sich, finanziell und persönlich unabhängig zu sein. Sie möchte als Schriftstellerin Ruhm und Anerkennung erlangen und nach Europa reisen. Diese Reise tritt jedoch nicht sie an, sondern Amy. Ihr Schreibtalent bringt ihr zeitweise Geld ein, führt aber immer wieder zu Streit und zu Schwierigkeiten mit ihrer Umgebung. Professor Bhaer, eine väterliche Figur, bringt sie dazu, das Schreiben aufzugeben, das sie bis dahin aus eigennützigen Gründen betrieben hat. Erst danach findet sie in ihm den Lebenspartner, den sie schließlich heiratet.
Von ihrer Tante erbt Jo ein Anwesen. Dort eröffnet sie gemeinsam mit ihrem Mann eine Schule, deren Leitung Professor Bhaer übernimmt. Jo nimmt das Schreiben wieder auf, doch nun geht es ihr nicht mehr um Ruhm und Anerkennung. Das Schreiben wird zu einer rein privaten Tätigkeit und gehört zu ihrer neuen Rolle als Mutter. Sie bekommt zwei Söhne: Rob, benannt nach seinem Großvater, und Teddy, benannt nach ihrem Jugendfreund Laurie.
Stil↑
Angelegt ist das Buch als Entwicklungsroman: Er begleitet vier junge Menschen über Jahre hinweg und zeigt, wie aus Kindern Erwachsene werden. Erzählt wird in einzelnen Episoden aus dem Familienalltag, die jede der vier Schwestern mit ihrem eigenen Wesen und ihren eigenen Wünschen zeichnen.
Der erste Teil ist stark autobiografisch geprägt. Auffällig ist die zeitliche Verschiebung: Handlung und Themen gehören eher in die 1840er und 1850er Jahre. Erzählt wird jedoch aus der Sicht der späten 1860er Jahre, also nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs. Deshalb sind auch Züge der 1860er Jahre in das Buch eingeflossen.
Rezeption↑
Für Louisa May Alcott selbst kam der Erfolg des Buches völlig überraschend. Den ersten Teil schrieb sie zwischen Mai und Juli 1868; im Oktober desselben Jahres erschien er. Weil das Buch so gut ankam, begann sie bereits im November mit dem zweiten Teil. Sie stellte ihn im Januar 1869 fertig, und im April kam er heraus.
Zwischen 1869 und 1886 folgten weitere Bücher für junge Leser, darunter An Old-Fashioned Girl, Eight Cousins, Rose in Bloom, Under the Lilacs und Jack and Jill.
Der Stoff hat Film und Fernsehen bis heute beschäftigt. Schon 1917 und 1918 entstanden Verfilmungen. George Cukor drehte 1933 Vier Schwestern, Mervyn LeRoy 1949 Kleine tapfere Jo. Gillian Armstrong verfilmte den Stoff 1994 als Betty und ihre Schwestern, Greta Gerwig 2019 erneut unter dem Originaltitel. Dazu kommen mehrere Fernseh-Mehrteiler, japanische Zeichentrickserien und Bühnenfassungen mit Musik.
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