1829 – 1877
José de Alencar
Kurzbiografie↑
Der brasilianische Schriftsteller José Martiniano de Alencar zählt zu den wichtigsten Vertretern der Romantik in Brasilien. Er war Journalist, Rechtsanwalt und Politiker und schrieb daneben Romane, Theaterstücke und politische Streitschriften. Bekannt wurde er vor allem durch seine Romane über die indigene Bevölkerung seines Landes: O Guarani von 1857, Iracema von 1865 und Ubirajara von 1874. Alencar verstand sich als überzeugter Brasilianer und setzte sich in seinem Werk für die Eigenständigkeit seiner Heimat ein. 1868 stieg er unter Kaiser Dom Pedro II. zum Justizminister auf und starb 1877 an Tuberkulose.
Biografie↑
Geboren wurde José Martiniano de Alencar am 1. Mai 1829. Über seinen Geburtsort gehen die Angaben auseinander: Wikidata nennt Fortaleza, die Deutsche Nationalbibliothek dagegen Mecejana. Sein Vater José Martiniano Pereira de Alencar war ein einflussreicher Senator, der Sohn wuchs also in politisch gut vernetzten Verhältnissen auf.
Von 1840 bis 1850 studierte Alencar Rechtswissenschaft. Die Studienjahre führten ihn nach Rio de Janeiro, nach São Paulo und nach Pernambuco. Danach ließ er sich dauerhaft in Rio de Janeiro nieder und schrieb für verschiedene Zeitschriften.
Der Wendepunkt seiner journalistischen Laufbahn kam, als ihm der Abdruck einiger Artikel im Correio Mercantil verweigert wurde. Alencar zog daraus die Konsequenz, künftig sein eigener Herr sein zu wollen. Gemeinsam mit einigen Freunden kaufte er die Zeitung Diario do Rio de Janeiro auf. Als Chefredakteur veröffentlichte er dort seine ersten Romane: 1856 Cinco Minutos und 1857 A viuvinha.
Im selben Jahr 1857 erschien mit O Guarani eines seiner wichtigsten Bücher. Es bildet den ersten Teil einer Trilogie über die indigene Bevölkerung Brasiliens. Der zweite Teil, Iracema, folgte 1865 und wurde für viele Brasilianer zu einem Buch, das ein eigenes Nationalgefühl stiftete. Den Abschluss bildete 1874 Ubirajara.
Zugleich schrieb Alencar unentwegt weiter. Es entstanden Gesellschaftsromane wie Lucíola (1862), Diva (1864) und Senhora (1875). Der zweibändige Roman As minas de prata erschien 1865 und 1866. Weitere Titel wie O gaúcho (1870), Til (1872), Sonhos d'ouro (1872) und O sertanejo (1875) kamen hinzu. Sein letzter Roman, Encarnação, erschien im Todesjahr 1877.
Auch für die Bühne arbeitete Alencar. Allein 1857 wurden mit Verso e reverso, O crédito und O Demônio Familiar drei Stücke veröffentlicht. Es folgten As asas de um anjo (1858), Mãe (1860), A expiação (1867) und O jesuíta (1875). Über sich selbst schrieb er 1873 den autobiografischen Text Como e por que sou romancista, im Jahr darauf erschien die Sammlung seiner Kolumnen unter dem Titel Ao correr da pena.
Ein eigenes Feld bilden seine Streitschriften und Kritiken. Schon 1856 mischte er sich mit Cartas sobre a confederação dos tamoios in die literarische Debatte ein. In den Jahren 1865 bis 1868 erschienen mehrere Folgen politischer Briefe, darunter Ao imperador: cartas políticas de Erasmo und Ao povo: cartas políticas de Erasmo. 1868 erschien die Abhandlung O sistema representativo.
Brasilien war seit 1822 offiziell unabhängig; für dessen Eigenständigkeit trat Alencar in seinem Werk ein. Sein politischer Aufstieg gipfelte 1868 darin, dass er unter Dom Pedro II., dem zweiten Kaiser des Landes, Justizminister wurde; das Amt bekleidete er bis 1870. Am 12. Dezember 1877 starb er in Rio de Janeiro an einer Tuberkulose-Erkrankung.
Literarische Merkmale↑
Zugeordnet wird Alencar der brasilianischen Romantik, und zwar als einer ihrer bedeutendsten Vertreter. Kennzeichnend für sein Erzählen ist die Hinwendung zum eigenen Land: In der Trilogie um O Guarani, Iracema und Ubirajara rückt er die indigene Bevölkerung Brasiliens in den Mittelpunkt. Iracema gilt als ein Roman, der dem brasilianischen Volk ein eigenes Selbstbild gab.
Alencar schrieb in sehr verschiedenen Formen. Neben den Romanen über die Ureinwohner stehen Gesellschaftsromane, Theaterstücke, Zeitungskolumnen und politische Streitschriften. Diese Breite hängt mit seinem Beruf zusammen: Als Journalist und Chefredakteur veröffentlichte er seine frühen Romane in der eigenen Zeitung, als Jurist und Politiker griff er mit Briefen und Abhandlungen in die Tagesfragen ein. Sein Schreiben war dabei durchgehend von der Überzeugung getragen, dass Brasilien eine eigenständige Nation sei.
Rezeption↑
Bei der Gründung der Academia Brasileira de Letras 1897 wählte Machado de Assis Alencar zum Namenspatron des Stuhles 23. Dieser Stuhl gilt seitdem als besonders angesehen. Damit war Alencars Rang in der brasilianischen Literatur dauerhaft festgeschrieben.
Auch im öffentlichen Raum ist sein Name bis heute präsent. In Fortaleza tragen der Praça José de Alencar und das an diesem Platz gelegene historische Teatro José de Alencar seinen Namen, ebenso eine Station der Metrô de Fortaleza.
Im deutschen Sprachraum ist Alencar über Bibliothekskataloge zugänglich, unter anderem über den Katalog der Deutschen Nationalbibliothek und den des Ibero-Amerikanischen Instituts Preußischer Kulturbesitz in Berlin.
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