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Werkseintrag · Die größere Hoffnung
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Cover Die größere Hoffnung
Die größere Hoffnung
1948
– Werkseintrag –

Die größere Hoffnung

1948 · Prosa

Die Geschichte des Mädchens Ellen, das als „Kind mit den falschen Großeltern“ ausgegrenzt wird und sich gegen alle Angst eine trotzige Hoffnung bewahrt.

Überblick

Der Roman Die größere Hoffnung von Ilse Aichinger erschien 1948 im Bermann-Fischer-Verlag in Amsterdam. Er erzählt vom Schicksal verfolgter Kinder in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft. Im Mittelpunkt steht das Mädchen Ellen, das nach den damaligen Rassengesetzen als „halbjüdisch“ gilt und dadurch aus der Gemeinschaft der anderen ausgeschlossen wird. Das Werk gilt als eine Art Gründungstext der österreichischen Nachkriegsliteratur. Es blieb der einzige Roman der Autorin.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht das Mädchen Ellen, eines jener „Kinder mit den falschen Großeltern“. Nach den Gesetzen der Zeit gilt Ellen als halbjüdisch und gehört damit zu jenen, die man ausgrenzt, demütigt und verhöhnt. Zusammen mit anderen verfolgten Kindern erlebt sie, wie eng die Welt um sie herum wird, während sie sich zugleich eine kindliche Vorstellungskraft und eine trotzige Hoffnung bewahrt.

Der Roman schildert das Leben unter ständiger Angst, den Wunsch nach Flucht und den Alltag in einem System, das keine Freiheit lässt. Auffällig ist, dass die Erzählung den Ort und die Zeit nie ausdrücklich benennt. Dadurch wirkt das Geschilderte nicht wie ein bloßer historischer Bericht, sondern wie ein allgemeingültiges Bild von Verfolgung und Bedrohung. Aichinger selbst wollte, wie sie in einem Gespräch sagte, festhalten, „wie es wirklich war“.

Die Handlung im Detail

Erzählt wird das Schicksal der jungen Ellen, die nach den „Nürnberger Gesetzen“ als halbjüdisch eingestuft wird. Sie zählt zu den „Kindern mit den falschen Großeltern“, die von der Gemeinschaft ausgeschlossen sind und unter Isolation, Demütigung und Verhöhnung leiden. Der Roman folgt ihren Erfahrungen des Verlustes: Ellen verliert ihre Mutter, sie verliert Freunde, und sie verliert ihre Großmutter. Flucht und Deportation reißen diese Menschen aus ihrem Leben. Die Großmutter nimmt sich selbst das Leben, um der Deportation zu entgehen.

Neben dem Verlust bestimmen Verfolgung, der Versuch zu fliehen und das Leben in einem autoritären System die Handlung. Der Roman gliedert sich in zehn nicht durchnummerierte Kapitel, die von der „großen Hoffnung“ bis zur „größeren Hoffnung“ reichen und dazwischen Stationen wie „Der Kai“, „Das heilige Land“, „Die Angst vor der Angst“ oder „Der Tod der Großmutter“ tragen. Das Kapitel „Das heilige Land“ geht auf einen früheren Text Aichingers zurück, der bereits am 1. September 1945 unter dem Titel „Das vierte Tor“ im Wiener Kurier erschienen war.

Die konkrete Verortung im nationalsozialistischen Wien wird im Text nie ausgesprochen. Dadurch bleibt das Erzählte nicht auf jene Jahre beschränkt, sondern gewinnt eine über die Zeit hinausweisende Bedeutung. Für eine Neuauflage als Taschenbuch überarbeitete Aichinger das 1948 erschienene Buch im Jahr 1960.

Stil

Das Werk verzichtet bewusst darauf, Ort und Zeit der Handlung ausdrücklich zu nennen. Diese Zurückhaltung hebt das Geschehen aus dem rein Dokumentarischen heraus und verleiht ihm einen gleichnishaften, über den Einzelfall hinausweisenden Charakter. So verbindet sich die genaue Erfahrung von Angst und Verfolgung mit einer Bildsprache, die auch Traum und kindliche Vorstellung einschließt, wie schon die Kapitelüberschriften „Flügeltraum“ oder „Das große Spiel“ andeuten. Der Roman ist in zehn Kapitel gegliedert, die keine Nummerierung tragen und jeweils eine eigene Überschrift führen.

Rezeption

Als Gründungstext der österreichischen Nachkriegsliteratur hat das Werk bis in die Gegenwart nachgewirkt. Davon zeugen mehrere Bearbeitungen für Bühne und Hörfunk. Im Jahr 2011 wurde am Theater Akzent das Jugendtheaterprojekt Verschüttet oder Wer ist Ellen? frei nach dem Roman aufgeführt; Regie führte Regine Brandner. 2016 erarbeitete Anne Bennent im Auftrag des ORF eine Hörspielfassung. Im Dezember 2023 wurde am Landestheater Niederösterreich eine Bühnenfassung von Sara Ostertag und Julia Engelmayer uraufgeführt, musikalisch live gestaltet von Mira Lu Kovacs. Am 20. Februar 2026 feierte am Staatstheater Nürnberg eine Inszenierung von Salome Schneebeli als deutsche Erstaufführung Premiere.

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