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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Kawabata Yasunari
Kawabata Yasunari
1899 – 1972
– Autorenporträt –

Kawabata Yasunari

1899 – 1972 · 72 Jahre

Japanischer Erzähler der Einsamkeit, früh zur Waise geworden – 1968 erhielt er als erster japanischer Autor den Nobelpreis für Literatur.

Kurzbiografie↑

Zu den bekanntesten japanischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts zählt Kawabata Yasunari, geboren 1899 in Osaka, gestorben 1972 in Zushi. Früh zur Vollwaise geworden, machte er das Gefühl von Einsamkeit und Verlust zum Grundton seines Erzählens. Bekannt wurde er 1926 mit der Erzählung Die Tänzerin von Izu; sein wohl berühmtestes Werk ist Schneeland, an dem er von 1935 bis 1948 arbeitete. 1968 erhielt er als erster japanischer Autor den Nobelpreis für Literatur, ausgezeichnet „für seine Erzählkunst, die mit feinem Gefühl japanisches Wesen und dessen Eigenart ausdrückt“. Vier Jahre später nahm er sich im Alter von 72 Jahren das Leben.


Biografie↑

Geboren wurde Kawabata 1899 in Osaka als Sohn eines Arztes. Mit zwei Jahren verlor er seinen Vater, ein Jahr darauf auch die Mutter. Gemeinsam mit seiner Schwester kam er zu den Großeltern väterlicherseits nach Ibaraki, wo ihm heute ein kleines Museum gewidmet ist. Die Kindheit blieb von weiteren Todesfällen überschattet. Mit neun Jahren starb seine einzige Schwester, es folgten die Tante und die Großmutter. Diese Reihe von Verlusten prägte sein späteres Schreiben.

Als 1914 auch der Großvater starb, begann er, ein Tagebuch zu führen. Seine Schulbildung musste er von da an in einem Internat fortsetzen. Ab 1916 schrieb er für Zeitschriften. Von 1920 bis 1924 studierte er an der Universität Tokio; nach Angaben des Perlentauchers galt sein Studium der englischen und der japanischen Literatur. In dieser Zeit gründete er zusammen mit Yokomitsu Riichi die Zeitschrift Bungei Jidai, auf Deutsch „Das künstlerische Zeitalter“, die einer neo-impressionistischen Richtung verpflichtet war.

In eben dieser Zeitschrift erschien 1926/27 zuerst Die Tänzerin von Izu, eine halb autobiografische Erzählung, mit der Kawabata bekannt wurde. 1935 begann er die Arbeit an Schneeland, einer Liebesgeschichte, die in einem Kurort mit heißer Quelle in der Region Zaō spielt. Abgeschlossen hat er den Text erst 1948.

Nach dem Zweiten Weltkrieg rückte Kawabata in wichtige Ämter des japanischen Literaturbetriebs. Von 1948 bis 1965 stand er dem japanischen P.E.N.-Club vor, ab 1953 war er Präsident der japanischen Akademie. Am Aufbau der japanischen Literaturszene der Nachkriegszeit hatte er maßgeblichen Anteil. 1961 wurde er mit dem Kulturorden ausgezeichnet. 1968 erhielt er den Nobelpreis für Literatur mit der Begründung, seine Erzählkunst drücke „mit feinem Gefühl japanisches Wesen und dessen Eigenart“ aus. Er war damit der erste japanische Preisträger und zugleich der erste, dessen ausgezeichnetes Werk in einer nichteuropäischen Sprache verfasst war. Zuvor war unter den asiatischen Autoren allein der Inder Rabindranath Tagore geehrt worden. Erst 26 Jahre später ging der Preis mit Kenzaburō Ōe wieder an einen japanischen Schriftsteller.

1970 nahm sich Kawabatas enger Freund Mishima Yukio nach einem gescheiterten Putsch durch Seppuku das Leben. Biografen, unter ihnen Takeo Okuno, sehen darin ein mögliches Motiv für Kawabatas eigenen Tod. Zwei Jahre später, 1972, tötete er sich in Zushi im Alter von 72 Jahren durch Vergasen.

Ein Nachspiel hatte sein Tod vor Gericht. Usui Yoshimi veröffentlichte 1977 in der Zeitschrift Tembō den Text Jiko no tenmatsu, in dem er den Hintergründen von Kawabatas einsamer Jugend bis hin zum Suizid nachging. Kawabatas Familie klagte auf eine einstweilige Verfügung gegen die Veröffentlichung. Der Streit wurde im August 1977 gütlich beigelegt.


Literarische Merkmale↑

Prägend für Kawabatas Schreiben war die Einsamkeit seiner Kindheit. Der frühe Tod von Vater, Mutter, Schwester und Großeltern hinterließ ein Gefühl des Verlassenseins, das seinen Erzählton bestimmte. Als junger Autor gehörte er einer neo-impressionistischen Richtung an, für die er mit Yokomitsu Riichi eine eigene Zeitschrift gründete.

Sein Erzählen ist an Stimmungen und Landschaften gebunden. Schneeland etwa spielt in einem abgelegenen Kurort mit heißer Quelle und lebt von dieser Umgebung ebenso wie von der Liebesgeschichte selbst. Auch in kürzeren Texten hält Kawabata am Zarten und Angedeuteten fest: In Die schlafenden Schönen lässt er einen Mann an der Schwelle zum Alter ein Haus betreten, das eigens für alte Männer eingerichtet ist. Neben den längeren Erzählungen stehen kurze Prosastücke, etwa die zwischen 1953 und den Folgejahren entstandenen Texte, die auf Deutsch unter dem Titel Drei Erzählungen vorliegen.

Was das Nobelpreis-Komitee 1968 an ihm hervorhob, war das feine Gefühl, mit dem seine Erzählkunst japanisches Wesen und dessen Eigenart ausdrücke. Vieles in seinem Werk speist sich aus dem eigenen Leben: Die Tänzerin von Izu ist halb autobiografisch angelegt.


Rezeption↑

Bekannt wurde Kawabata 1926 mit Die Tänzerin von Izu. In den Jahrzehnten danach wuchs ihm eine führende Rolle im japanischen Literaturbetrieb zu: Er leitete den P.E.N.-Club und die japanische Akademie und hatte maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der japanischen Literaturszene nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Kulturorden 1961 und der Nobelpreis 1968 bestätigten diesen Rang auch offiziell.

Der Nobelpreis machte ihn über Japan hinaus bekannt. Er war der erste japanische Träger dieser Auszeichnung; vor ihm war unter den asiatischen Autoren nur Rabindranath Tagore geehrt worden. Aus dem Preisgeld verleiht die Kawabata-Gedenk-Stiftung seit 1974 den Kawabata-Yasunari-Literaturpreis.

Im deutschen Sprachraum liegen seine Bücher bis heute in Neuauflagen und neuen Übersetzungen vor. Schneeland gilt als eines seiner Hauptwerke und wurde von Tobias Cheung erstmals textgetreu neu übersetzt; der Suhrkamp Verlag legte den Text ebenso wieder auf wie Die schlafenden Schönen in der Übersetzung von Siegfried Schaarschmidt. Kürzere Erzählungen erschienen in der Übertragung von Barbara Yoshida-Krafft.

Auch sein Tod beschäftigte die Öffentlichkeit. Usui Yoshimis Text über Kawabatas einsame Jugend und seinen Suizid führte 1977 zur Klage der Familie, die im August desselben Jahres gütlich beigelegt wurde.

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